Sachsenkam hat 1300 Einwohner und drei exzellente Chöre. Beim gemeinsamen Frühjahrskonzert zeigte sich das „singende Dorf“ wieder einmal von seiner besten Seite.
Sachsenkam – Halbkreisförmig angeordnete Stuhlreihen und üppiger Blumenschmuck in den Basketballkörben verwandelten die Sporthalle in eine klingende Philharmonie. Über 250 begeisterte Zuhörer aus dem Dorf und weit darüber hinaus wollten sich das nicht entgehen lassen und spendeten viel Applaus.
Es ist nichts weniger als ein kleines Wunder, dass es im Klosterdorf drei Chöre gibt, die ein solch hohes Niveau haben: den Männerchor, den Frauenchor Chorella und den Kinder- und Jugendchor, die mit Marcus Rummel, Cecilia Geréd und Maria Huß drei musikalisch qualifizierte und engagierte Leiter haben. Da wird nicht irgendwie drauflos gesungen: Da ist mit Enthusiasmus und harter Arbeit an Stimmbildung und Textverständlichkeit, an sauberer Intonation und richtiger Phrasierung gefeilt worden, weshalb selbst gesangstechnisch anspruchsvolle Chorsätze musikalisch überzeugend gelingen.
„Wenn was falsch klingt, dann gehört das so“, witzelte Cecilia Geréd, die mit Selbstironie auf den Laienstatus der Chöre hinwies. Doch dazu bestand eigentlich wenig Anlass. Ja, dieser Abend war von viel Schönklang geprägt. Cecilia Geréd selbst lieferte im neapolitanischen „Santa Lucia“ den Nachweis, dass sie auch über eine bemerkenswert schöne Sopranstimme verfügt.
Es waren auch die Solisten, die den Abend prägten
Überhaupt war das zum großen Teil ein „Italienischer Abend“, der mit „Bella bimba“, „Tiritomba“ und „O sole mio“, mit Puccini und Verdi ins deutsche Urlaubs-Sehnsuchtsland entführte. Aber es gab auch viel Alpenländisches zu hören – und sogar Gospels wie „Caravan of love“, vorgetragen vom feinen achtköpfigen Kammer-Ensemble namens „9/8tel“. Heiteres gab es auch, etwa beim „Enrico und der Esel“ des Kinder- und Jugendchores, als der kleine Moritz Liebl mit Eselattrappe vor der Bühne stolzierte.
Nicht nur die Chöre verdienen Anerkennung. Es waren auch die Solisten, die den Abend prägten: Cecilia Geréd, Gabi Pult, Simon Mayerhofer und Bernhard Herz überzeugten mit ihren Stimmen ebenso wie Lisa Rossa (Akkordeon), Ingo Jahn (Klavier) und Veronika Berghammer (Harfe). Josef Manhart, der durch den Abend führte, sagte einmal: „Wir sind keine Profis, wir geben nur unser Bestes.“ Man darf hinzufügen, dass dieses Beste auch richtig gut war.
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Bleibt noch einzugehen auf „die“ Stimme von Sachsenkam: Lore März, die Puccinis berühmte, gefühlsgeladene Bravour-Arie „O mio bambino caro“ vortrug, die ja an Interpretationen einer Maria Callas oder Anna Netrebko regelrecht gebunden ist. Lore März’ Stimme war an diesem Abend durch einen Infekt hörbar gehandicapt und sie sang die Sopranarie eine Tonlage tiefer, doch die Wirtin und langjährige Pfarrsekretärin ist immer noch lebender Beweis dafür, dass es die großen Kulturmetropolen dieser Welt nicht gäbe, würden sie nicht all die großen Talente aufsaugen, die in der Provinz herangereift sind. Doch Lore März ist bescheiden und ganz ihrem Dorf verbunden geblieben. RAINER BANNIER
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