VonChristiane Mühlbauerschließen
Die Tölzer Jugendkapelle hat überraschend den Landesentscheid des Bayerischen Blasmusikverbands in der Mittelstufe gewonnen.
Bad Tölz – Leiter Josef Kronwitter fehlten am Sonntagabend regelrecht die Worte. „Das ist unglaublich. Das ist einfach der Wahnsinn“, sagt der Dirigent im Telefongespräch mit dem Tölzer Kurier, während im Hintergrund im Bus ausgelassen gefeiert wurde. „Damit hatten wir alle nicht gerechnet.“
Die Nachwuchsorganisation der Tölzer Stadtkapelle hatte sich schon mehrmals an dem renommierten Wettbewerb beteiligt, war jedoch noch nie auf dem ersten Platz gelandet. Das ist auch deshalb eine Herausforderung, weil die anderen Kapellen – heuer mit Ausnahme von Neuburg an der Donau – aus Erwachsenen bestehen.
Umso höher ist also der Erfolg zu bewerten. „Wir waren das jüngste Ensemble“, sagt Kronwitter. Die 40 Mitglieder der Jugendkapelle sind zwischen 12 und 25 Jahre alt. Sie holten 471 von 500 möglichen Punkten und verwiesen die Kapellen aus Bad Füssing (459) und dem schwäbischen Bellenberg (452) auf die Plätze zwei und drei. Die Tölzer sind also im Mittelstufen-Bereich das beste Blasorchester Bayerns. Die „Großen“, also die Stadtkapelle, gewann in den vergangenen Jahren zweimal den Oberstufen-Wettbewerb.
Um 5.30 Uhr ging‘s los in Bad Tölz
Der Weg nach Bad Kissingen war lang. Am Sonntagmorgen startete der Bus um 5.30 Uhr, der Auftritt war für 14.30 Uhr geplant. Die Tölzer waren wegen der weiten Anreise die vorletzte von insgesamt sieben Kapellen im Wettbewerb. „Im Bus haben alle noch ein bisserl geschlafen“, berichtet Kronwitter. Dann habe man sich „locker eingespielt“. Wie seine junge Kapelle bei dem Landesentscheid abschneiden würde, sei für ihn schwer einschätzbar gewesen. Aber dann auf der Bühne war klar: „Schon nach dem ersten Takt habe ich gespürt, dass sie sich das umzusetzen trauen, was ich von ihnen haben will“, sagt der Dirigent voller Begeisterung. Vorgetragen wurden zwei Werke: Das Pflichtstück „Daybreak“, eine zeitgenössische Komposition des US-Amerikaners Carl Strommer, mussten alle Ensembles für die Jury einstudieren. Das andere Stück durften sie selbst wählen; die Tölzer entschieden sich für das „Concerto d’amore“ von Jacob de Haan.
Als dann gut zwei Stunden später die Platzierungen bekannt gegeben wurden, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. „Die Stimmung ist grandios“, berichtet Kronwitter. „Die ganze Rückfahrt war eine Party.“ Als Belohnung gab es einen Wanderpokal und 1000 Euro Preisgeld für die Sieger. Kronwitter wird sich jetzt wohl eine Glatze schneiden lassen müssen, denn: „Ich habe vorher gesagt, wenn wir Zweiter werden, dann mache ich das. Also werde ich jetzt wohl nicht auskommen“, sagt er angesichts des ersten Platzes. Selbst, wenn man Dritter oder Vierter geworden wäre, wäre er mit der Kapelle angesichts der Konkurrenz aus ganz Bayern sehr zufrieden gewesen. „Aber dass wir jetzt gewonnen haben, ist wirklich unglaublich.“
Der nächste Auftritt der Jugendkapelle ist übrigens am 16. Mai im Tölzer Kurhaus. Es handelt sich um ein gemeinsames Konzert mit dem Jugendsinfonieorchester der Sing- und Musikschule. Auf dem Programm stehen unter anderem zwei norwegische Tänze von Edvard Grieg und der Jazz-Walzer Nr. 2 von Dmitrij Schostakowitsch.
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