VonSilke Schederschließen
Da ruhte selbst der Wahlkampf: Die drei Bürgermeister-Kandidaten von Benedikbeuern sind sich einig, dass die neuen Mitfahrer-Bankerl ein echter Gewinn für das Dorf darstellen. Nur bekannter müssen sie noch werden.
Benediktbeuern – Die Mitfahrer-Bankerl in Benediktbeuern stehen – nur an Nutzern mangelt es noch. Um das neue Angebot bekannter zu machen, lud Projekt-Initiator Ralph Seifert am Freitag zum Pressegespräch. Mit dabei: Die drei Bürgermeister-Kandidaten, die den Wahlkampf für diesen Termin außen vor ließen. Und zwei Damen, die liebend gerne endlich jemanden mitnehmen würden.
„Vor allem für die Älteren ist das ein gutes Angebot“, findet Benedikta Moser. Und Brigitte Seifert bekräftigt: „Ich würde mich auch selbst auf das Bankerl setzen und mitnehmen lassen, wenn ich mal kein Auto mehr habe.“ Beide Frauen nahmen auch schon vor Einführung der Mitfahrer-Bankerl immer mal wieder spontan Mitbürger mit, zum Supermarkt und zurück zum Beispiel. Schlechte Erfahrungen haben sie nie gemacht. Im Gegenteil: Oft hätten sich nette Gespräche entwickelt.
Dieser soziale Aspekt ist Projekt-Initiator Ralph Seifert sehr wichtig. Im besten Fall verabrede man sich gezielt für die nächste Fahrt. Oder es entstünden sogar Freundschaften. „Vielleicht kann die Einsamkeit im Alter ein wenig gelindert werden.“ Im Vordergrund stehe aber natürlich der praktische Nutzen: Menschen, die aus irgendeinem Grund nicht mobil sind, von A nach B zu bringen nämlich.
Insgesamt gibt es in Benediktbeuern seit gut zwei Wochen vier Bankerl an strategisch günstigen Plätzen: Am Edeka-Markt, am Bahnhof, am Schwimmbad sowie an der Kocheler Straße gegenüber von Autohaus Thalhuber. Nutzer können mit Hilfe von umklappbaren Schildern anzeigen, wo es hingehen soll. Zur Auswahl stehen unter anderem der Dorfplatz, der Supermarkt oder „Richtung Penzberg“.
Hanns-Frank Seller war egeisterter Tramperegeisterter Tramper
Den Segen der Gemeinde hat das Projekt. „Das ist eine gute Idee“, sagt der amtierende Bürgermeister Hanns-Frank Seller (CSU) und stößt damit ins gleiche Horn wie seine Konkurrenten um den Chefsessel im Rathaus, Toni Ortlieb („Benediktbeurer Bürgervereinigung“) und Rudi Mühlhans („Freie Bürgerliste Miteinander“). Ortlieb nimmt öfter Mitbürger mit, wenn er sie zum Beispiel nach der Arbeit in Bad Tölz an einer Bushaltestelle stehen sieht. Das sei natürlich leichter, als jemand Fremdes ins Auto steigen zu lassen. Aber diese Angst müsse man den Menschen eben nehmen. Und Unbekannte mitzunehmen sei immer interessant und spannend, findet Mühlhans, früher selbst begeisterter Tramper. „Ich habe nur positive Erfahrungen gemacht.“
Insgesamt gibt es nun 32 Mitfahrer-Bankerl im Landkreis. „Es ist ein Versuch“, sagt Seifert, der nicht nur für die „Freie Bürgerliste Miteinander“ im Gemeinderat sitzt, sondern auch als Behindertenbeauftragter des Landkreises fungiert. Seifert zufolge gilt es nun, massiv für das Angebot zu werben, um es bekannter zu machen und Ängste abzubauen. Ob die Benediktbeurer die Mitfahrer--Bankerl annehmen, werde sich zeigen. „Aber wenn man den Bürgern nichts anbietet, wird sich auch nichts ändern.“
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