Waldram

Von Föhrenwald zu Waldram: Im Badehaus wurde 65. Geburtstag gefeiert

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Illustre Gästeschar: Badehausvereins-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft (li.) freute sich über den Besuch von Dr. Edmund Stoiber (4. v. li.) und vielen weiteren Ehrengästen.
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Der Badehaus-Verein feiert Umbenennung des Ortsteils vor 65 Jahren und eröffnet die neue Ausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“.

Waldram – Unter dem Motto „Heimat geht durch den Magen“ feierte der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald am Sonntag gleich zwei Ereignisse: Die am 7. November 1957 erfolgte Umbenennung von Föhrenwald in Waldram und die Eröffnung der Ausstellung „Kann Spuren von Heimat enthalten“.

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Von Föhrenwald zu Waldram: Im Badehaus wurde 65. Jubiläum gefeiert

Prominentester Gratulant war der ehemalige bayerische Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber. Der 81-Jährige zog 1961 mit seinen Eltern nach Waldram und lebte dort „Unter den Föhren“. Aufgrund seines Bundeswehrdienstes und des anschließenden Jura-Studiums verbrachte der Student damals jedoch nicht viel Zeit in seinem Wohnort. Fußball spielte er lieber auf der anderen Kanalseite beim BCF Wolfratshausen, dem er bis heute die Treue hält. In seinem Geleitwort hielt sich Stoiber deshalb nicht lange mit persönlichen Erinnerungen auf. Stattdessen würdigte er erneut die Erinnerungsarbeit des Badehaus-Vereins. „Es ist ein großer Verdienst, dass ihr euch der komplizierten Vergangenheit gestellt habt“, lobte der CSU-Politiker.

Vorbehalte gegen Umbenennung

Dass viele Bewohner des nach einem Abt des Klosters Benediktbeuern benannten Ortsteils Waldram zunächst Identifikationsschwierigkeiten hatten, belegte der Badehaus-Kurzfilm „Aus Föhrenwald wird Waldram“. „Ich war sauer über die Umbenennung, weil man damit die jüdische Geschichte im Lager Föhrenwald ausradieren wollte“, gestand Zeitzeuge Robbi Waks.

Für Menschen aus ganz Europa war Waldram ein sicherer Zufluchtsort

Vor der Ansiedlung der meist katholischen und kinderreichen Heimatvertriebenen diente Föhrenwald nach dem Zweiten Weltkrieg jüdischen Familien aus ganz Europa als sicherer Zufluchtsort. Kindheitserinnerungen an die späten 1950er- und 1960er-Jahre in Waldram teilte Wolfgang Saal mit den Anwesenden. Der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft Waldram war im November 1956 als Dreijähriger mit seinen Eltern an die Wolframstraße gezogen. „Das war für mich ein Abenteuerspielplatz, der sich bis in die Isarauen zog“, berichtete Saal. Eva Greif und Badehaus-Vize-Vorsitzender Emanuel Rüff erzählten aus ihrer Schulzeit und von Chorveranstaltungen des St.-Matthias-Seminars. Stiftungsdirektor Manfred Bugl räumte ein, dass die Zusammenarbeit der Erzdiözese mit dem Badehaus nicht immer frei von Spannungen gewesen sei und nun verbessert werden solle. Prof. Andreas Otto Weber, Direktor vom Haus des Deutschen Ostens, verglich das Leben in Waldram mit einer intakten Dorfgemeinschaft. Angesichts der Verbundenheit zur Föhrenwalder Geschichte regte er scherzhaft die Neubenennung in „Föhrenwaldram“ an.

Eine eigene Hymne für Waldram

Über das wahrscheinlich vom Abiturienten Alois Zaby komponierte „Waldram-Lied“ referierte abschließend Dieter Klug. Der pensionierte St.-Matthias-Lehrer und freie Mitarbeiter unserer Zeitung forderte abschließend die Festgemeinschaft zum lauten Mitsingen auf. Begleitet von der Waldramer Tanzlmusi schallte der Refrain der Hymne laut durchs Badehaus: „Ja, Waldram gibt’s nur einmal / auf dieser schönen Welt, / Der Herrgott hat’s auf jeden Fall / nur einmal hingestellt.“

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