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Zehn Jahre Vereinsarbeit feiern die „Freunde fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald. Neben vielen Glückwünschen kamen auch die Sorgen des Vereins auf den Tisch - die Finanzierung.
Wolfratshausen – Die vielen Anstrengungen waren es wert: Das war der Kanon der Reden auf dem Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Vereins „Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“. Etwa 90 geladene Gäste feierten am Sonntagabend – dem Tag des jüdischen Neujahrsfests und Jahrestag der Vereinsgründung.
Badehaus feiert Zehnjähriges - und sorgt sich um zukünftige Finanzierung
Das Gebäude am Kolpingplatz hat nach den Worten der Vereinsvorsitzenden Dr. Sybille Krafft „über die Stadtgrenzen hinaus“ eine große Bedeutung – weil es das „letzte Zeugnis einer bemerkenswerten Geschichte“ sei. Als Sanitärgebäude im Lager Föhrenwald – eine nationalsozialistische Mustersiedlung für dienstverpflichtete Rüstungs- und Zwangsarbeiter – bekam das Badehaus seinen heutigen Namen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erlebten dort jüdische Displaced Persons „die ersten Tage in Freiheit“, so Krafft. Im Laufe der Zeit bauten die Bewohner in das Badehaus ein jüdisches Ritualbad – eine sogenannte Mikwe. 1955 übernahm das katholische Siedlungswerk das Gebäude: auf die Displaced Persons folgten „katholische, kinderreiche Heimatvertriebene“.
Aktion gegen Abriss: Der Grundstein der Gründung
Im Jahr 2011 plante der Eigentümer, die katholische Kirche, den Abriss. Dagegen setzte sich der 2012 gegründete Verein zur Wehr. Vier Jahre später eröffneten die Ehrenamtlichen das Museum in dem Gebäude, das sie zuvor für einen symbolischen Euro gekauft hatten.
Über 2000 Exponate und 20 000 historische Dokumente im Badehaus Waldram-Föhrenwald
Seitdem vermittelt der Ort nach den Worten von Krafft „Zeitgeschichte anhand persönlicher Schicksale von Zeitzeugen, Exponaten und Dokumenten“. Über 2000 katalogisierte Ausstellungsstücke und 20 000 historische Fotos und Unterlagen gehören zum Bestand. Mit Lernangeboten für alle Altersstufen, Dauer- und Sonderausstellungen sowie der Veranstaltungsreihe „Begegnungen im Badehaus“ sei der Erinnerungsort „mittlerweile ein Bürger- und Kulturort mit Gemeinschaftsgefühl geworden“.
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Viele Glückwünsche zum Jubiläum: „Die Arbeit gegen Hass und Hetze jetzt wichtiger denn je“
Zu dieser Leistung beglückwünschten einige Redner den Verein. Annette Heinloth, Dritte Bürgermeisterin von Wolfratshausen, gehörte zu ihnen. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“ – mit diesem Zitat beschrieb sie die Wichtigkeit von Erinnerungsarbeit. Landrat Josef Niedermaier schloss sich dem an: „Vergelt’s Gott für diese Leistung. Die Arbeit gegen Hass und Hetze ist jetzt wichtiger denn je.“ Karl Freller, Vizepräsident des Landtags und Direktor der Stiftung bayerischer Gedenkstätten, lobte „den starken Willen der Menschen, die hier für mehr Frieden und Freiheit arbeiten“.
Starkes Ehrenamt im Verein „Freunde fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald“
Das spiegelt sich laut Krafft unmittelbar in der ehrenamtlichen Zeit wider, die in den Aufbau und Erhalt des Badehauses fließt. „Knapp 45 000 Arbeitsstunden sind bis heute zusammengekommen“, betonte sie, und das seien nur die erfassten Stunden.
„10 Jahre Vorausleistung“, Finanzierung jedoch weiter unklar
Ein Thema macht dem Badehaus jedoch immer wieder Sorgen: die Finanzierung des umfangreichen Angebots. Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Landtag, meinte dazu: „Wir wollen Sie weiter unterstützen“ – zunächst projektgebunden – „dann schauen wir, ob man es verstetigen kann“. Für diese Aussicht erntete Streibl am Sonntagabend viel Applaus. Emanuel Rüff, stellvertretender Vorsitzender des Badehaus-Vereins, erklärte gegenüber unserer Zeitung: „Wir hangeln uns von einer Projektförderung zur nächsten. Das bindet viel Kraft, die eigentlich an anderen Stellen gebraucht wird.“ Badehaus-Chefin Krafft ergänzte: „Wir sind zehn Jahre lang in Vorleistung gegangen. Ich glaube, jetzt ist es Zeit für eine minimale Grundsicherung.“
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