VonAlois Ostlerschließen
Eines ist sicher: Gewonnen haben alle. Die über 400 Besucher der Podiumsdiskussion im Alpenfestsaal – und auch die vier Lenggrieser Bürgermeisterkandidaten. Die Zuhörer haben am Dienstagabend die Bewerber kennengelernt – und die wissen nun, wo ihre Wähler der Schuh drückt.
Lenggries – „Sie haben es gut“, schwärmte Veronika Ahn-Tauchnitz den Besuchern vor. „Sie haben hier in Lenggries gleich vier Kandidaten zur Auswahl.“ Andere Gemeinden müssten per Anzeige nach Bewerbern suchen, so die Kurier-Redaktionsleiterin. Die von ihr souverän moderierte Veranstaltung, die auch im Internet übertragen wurde und jetzt noch angeschaut werden kann, fand den erwarteten Zuspruch. Über 400 Besucher kamen am Dienstag in den Alpenfestsaal, viele standen schon lange vor dem offiziellen Einlass an. Sie alle waren nach der über zweistündigen Veranstaltung angetan, von dem was sie gehört haben. Einige Schwerpunkte aus einer vorangegangenen Online-Umfrage und die jeweiligen Positionen von Christine Rinner (CSU), Markus Landthaler (Freie Wählergemeinschaft), Tobias Raphelt (SPD) und Wolfgang Morlang (Bayernpartei):
Kasernen-Entwicklung
Die Zukunft der Gebäude und Flächen rund um den ehemaligen Luftwaffen-Standort interessiert die Kurier- Leser am meisten. Moderatorin Ahn-Tauchnitz wollte deshalb von jedem der Kandidaten wissen: Wie schaut das Areal in zwölf Jahren aus?
„Wir müssen da jetzt ein bissl Entwicklung reinbringen“, sagte Markus Landthaler. Er denke an die Verlagerung von Bauhof und Wasserwerk in die Kaserne. Damit würden fast 11 000 Quadratmeter Gewerbegrund in Anger frei. Die Kasernen-Entwicklung sei allerdings nicht im Hopplahopp-Verfahren auf den Weg zu bringen.
„Wir müssen das große Ganze im Blick haben“, sagte Christine Rinner. Sie wünscht sich dort die Ansiedlung einer großen Bildungseinrichtung, denn die Münchner Hochschulen „platzen ja aus allen Nähten“. Man dürfe aber „keine große Lösung verbauen, indem man ein paar Schoko-Stückchen einzeln verkauft“.
17 Jahre nach dem Abzug der letzten Soldaten aus der Kaserne „kann man nicht mehr von überstürzten Lösungen sprechen“, so die mit Applaus bedachte Einschätzung von Tobias Raphelt. Er hält eine Bildungseinrichtung mangels entsprechender Verkehrsanbindung für „eher unrealistisch“. Seine Wünsche: bezahlbare Wohnungen und kleine Dienstleistungsunternehmen.
Die ehemalige Kaserne ist für Wolfgang Morlang „eine der wichtigsten Entwicklungsflächen in der Gemeinde“. Hier solle man generell den Markt anschauen und versuchen, mit Bewerbern ins Gespräch zu kommen, „die bisher noch nicht aufgetreten sind“. Eine mögliche wohnliche Nutzung müsse intensiv geprüft werden, „weil das sonst schlimmstenfalls vieles nach sich zieht“.
Bezahlbarer Wohnraum
Wohnraum zu vernünftigen Preisen, sowohl für junge als auch ältere Mitbürger, dafür wollen sich alle vier Kandidaten einsetzen.
Neben dem klassischen Einheimischenmodell kommen für Rinner und Landthaler auch Erbpacht-Lösungen in Frage. Laut Raphelt muss die Gemeinde versuchen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Morlang denkt dagegen nicht an kommunalen Wohnungsbau. „Das muss der freie Markt regeln“, findet er.
Zukunft des Tourismus
„Die touristischen Angebote werden sich in der Zukunft verändern.“ Das ist die Einschätzung von Wolfgang Morlang.
Die Konzerne werden demnach neue Sportarten entwickeln. „Der Trend geht von weiß nach grün“, glaubt auch Tobias Raphelt angesichts des Klimawandels. Mit Vorgaben von Seiten der Sportindustrie mag er sich nicht anfreunden. „Die Tourismuszahlen gehen steil nach oben“, sagte Christine Rinner. „Wir können doch nicht unser Skigebiet zusperren, weil der Klimawandel droht.“ Winter- und Sommertourismus seien gleichermaßen wichtig. „Und eines Tages kochen wir auch noch die Sauna“, versprach sie – unter dem Lachen der Zuhörer. Der – sich verändernde – Tourismus ist auch für Markus Landthaler eines der wichtigsten Standbeine. Hier dürften weder Kurzurlauber noch Tagesausflügler vergessen werden. Die wachsende Nachfrage nach Radler- und E-Bike-Routen müsse man ebenso im Auge haben wie die Downhill-Fahrer.
„Fiese Fragen“
Auch auch ein paar „fiese Fragen“ von Moderatorin Ahn-Tauchnitz in der Abschlussrunde parierten die Kandidaten. Tobias Raphelt hat nicht nur in der SPD, sondern auch als Anhänger des TSV 1860 München „einige Auf und Abs erlebt“. Christine Rinner, die in einer Familie mit drei Schwestern aufgewachsen ist, hat „kein Problem mit einer Bewerbung in einem Männerberuf“. Seine große Hilfsbereitschaft sei nicht schuld an seiner Kandidatur, versicherte Markus Landthaler, denn „das muss von innen kommen“. Und Wolfgang Morlang wüsste auch zu gerne, wer in Lenggries für die Gottesdienst-Intentionen „für einen guten Bürgermeister“ verantwortlich ist. Er glaubt: „Der Herrgott wird sich schon was überlegen.“
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