VonSebastian Grauvoglschließen
Premiere bei der Hundhamer Leonhardifahrt: Michael Gartmaier (35) hält als neuer Komitee-Vorsitzender die Zügel in der Hand. Auch in Schliersee und Reichersdorf ist die Vorfreude groß.
Schlierach-/Leitzachtal – Schon als kleiner Bub bewunderte Michael Gartmaier (35) Ross und Reiter, wenn sie an Leonhardi durch Hundham zogen. Vom Balkon seines Elternhauses hatte er den perfekten Blick. Später stand Gartmaier dann mit der Kamera vor dem Podest mit der Geistlichkeit, um die Gespanne beim Empfang des Segens abzulichten. Die Fotos schoss er nicht für sein privates Archiv, sondern um sie den Mitfahrenden später als Andenken zu schenken. Am Samstag, 5. November, ab 9.30 Uhr wird der 35-Jährige selbst auf dem einen oder anderen Motiv zu sehen sein: als neuer Vorsitzender des Hundhamer Leonhardi-Komitees.
Von einer „großen Ehre und Freude“ spricht Gartmaier, wenn man ihn zu seinem verantwortungsvollen und traditionsreichen Amt befragt. Mit dem Organisieren von Veranstaltungen hat er als aktives Mitglied in vielen Vereinen zwar Erfahrung und verfügt – nicht zuletzt durch seine Aufgaben als Gemeinderat der CSU – auch über das entsprechende Netzwerk. Doch die Zügel bei einem der wichtigsten Ereignisse im Leitzachtal selbst in der Hand zu halten, ist schon noch mal eine andere Hausnummer, sagt Gartmaier und verweist auf die großen Fußstapfen, die sein Vorgänger Philipp Lidschreiber hinterlassen hat.
Wie berichtet, stand der frühere Wirt des Gasthaus Kirchstiegl fast ein halbes Jahrhundert lang an der Spitze des Leonhardi-Komitees. Seine 50. Rundfahrt war dem „Lipp“ aber leider nicht mehr vergönnt. 2020 musste er sie wegen Corona absagen, im Februar 2021 ist er dann im Alter von 87 Jahren gestorben. Und doch weiß Gartmaier, dass es in Lidschreibers Sinne war, nun seine Nachfolge anzutreten. Schon zu Lebzeiten habe er ihn gefragt, ob er dazu bereit wäre.
Auch Bürgermeister feiert Premiere
Auch wenn es zur geplanten und geordneten Übergabe nicht mehr kam, fühlt sich Gartmaier gut gerüstet. Seine elf erfahrenen Komitee-Kollegen seien eine wertvolle Stütze. „Ohne die würde es nicht gehen“, betont der 35-Jährige. Immerhin weiß er, dass er mit seinem Lampenfieber nicht allein ist. Denn noch ein anderer Hauptdarsteller bei der Hundhamer Leonhardifahrt feiert heuer seine Premiere: Bürgermeister Stefan Deingruber. Und auch er setzt laut Gartmaier auf bestmögliche Vorbereitung: „Er war bei einigen Komiteetreffen mit dabei.“
Was sich beide Männer und wohl auch alle anderen Rosserer wünschen: eine Leonhardifahrt wie vor Corona. Und da war die Hundhamer mit rund 60 Gespannen, 40 Reitern und Hunderten Wallfahrern und Zuschauern immer eine der größten im Landkreis Miesbach. „Ich hoffe, dass ich bei den Einladungen niemanden vergessen habe“, sagt Gartmaier und lacht. Ansonsten wünscht er sich natürlich gutes Wetter, vor allem aber eine unfallfreie Fahrt mit vielen Besuchern.
Wo er sie selbst verfolgen wird, weiß der neue Komitee-Vorsitzende noch nicht. „Vielleicht finde ich bei der zweiten Umfahrt einen Platz in einer Kutsche“, meint der 35-Jährige schmunzelnd. Dass er selbst kein Rosserer ist, sei für dieses Amt nicht weiter schlimm, findet er und verweist auch hier auf seinen Vorgänger. „Der Lipp war auch keiner.“ Viel wichtiger sei es, diese Tradition mit ganzem Herzen zu leben. Und daran dürfte es auch bei Gartmaier nicht mangeln. „Für mich ist Leaharts in Hundham ein Feiertag.“
Große Vorfreude in Reichersdorf, Euphorie in Fischhausen
Den Auftakt der Leonhardifahrten im Landkreis Miesbach übernehmen traditionell die Reichersdorfer. Heuer ist die Vorfreude besonders groß, berichtet Organisator Leonhard Rieder. Kein Wunder, mussten die Rosserer coronabedingt drei Jahre warten, ehe sie nun wieder zur großen Umfahrt ausrücken dürfen. Am Sonntag, 9. Oktober, müssen sie dafür sogar ein bisschen früher aufstehen. Schon um 10 Uhr beginnt die Aufstellung der rund 30 Gespanne, eine halbe Stunde eher als in den Jahren zuvor. Grund sei der Zeitplan der Geistlichkeit, erklärt Rieder. Weitere Neuerungen gebe es nicht. Und so hofft er auch heuer auf viele Besucher, die die erste Leonhardifahrt seit drei Jahren im Landkreis Miesbach vor Ort miterleben wollen. Rund 2000 waren es 2019.
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Auch in Schliersee dürften die Straßenränder und natürlich die Festwiese an St. Leonhard in Fischhausen dicht bevölkert sein, wenn sich die Gespanne am Sonntag, 6. November, um 9 Uhr vom Schlierseer Bahnhof aus auf den Weg machen. Ein paar Pferde und Kutschen werden heuer aber fehlen, sagt Komitee-Vorsitzender Leonhard Markhauser. Grund sei eine Terminkollision mit Kreuth, die am selben Tag ihre Leonhardifahrt abhalten werden. Ein Planungsfehler? Nein, sagt Markhauser. „Das kommt alle paar Jahre mal vor.“ Während die Schlierseer immer am ersten Sonntag im November (außer an Allerheiligen) Ross und Reiter zur Segnung bitten, tut man das in Kreuth dies stets am 6. November. Heuer fallen eben beide Termine zusammen. Nichtsdestotrotz sei die Euphorie aber groß im Ort. Bei den Rosserern selbst, aber auch bei den Schalkfrauen und weiteren Vereinsmitgliedern. Anders als von Corona werde sich vom Wetter niemand von Leonhardi abhalten lassen, betont Markhauser und sagt: „Das ist nicht nur Brauchtum, sondern auch eine Wallfahrt.
sg

