„Tölzer Moorachse“

Vorreiter in Sachen Moorschutz

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Einsatz für die Moorachse: (v. li.) Landrat Josef Niedermaier, LBV-Kreisvorsitzender Walter Wintersberger, Bauernverbands-Vertreter Benedikt Zangl, ZUK-Gebietsbetreuerin Elisabeth Pleyl, Veronika Feichtinger von der Regierung von Oberbayern (vo.) sowie Franz Steger (Untere Naturschutzbehörde), ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger, Achim Rücker (Bund Naturschutz) und Birgit Weis (LBV-Gebietsbetreuerin).

Dieses Projekt habe ihm sein Vorgänger ganz besonders ans Herz gelegt bei der Amtsübergabe, erklärt der Tölzer Josef Niedermaier. Gemeint ist die „Tölzer Moorachse“.

Benediktbeuern  Im Jahre 2003 setzten sich alle vom Thema betroffenen Gruppierungen, von den Naturschutzverbänden über die Landwirte bis zu den verantwortlichen Behörden, erstmals an einen Tisch, um das Thema Schutz der Moore, gerade auch im Hinblick auf die CO2-Bindung, gemeinsam zu erörtern.

Der Tisch stand und steht bis heute im Zentrum für Umwelt und Natur (ZUK) des Klosters Benediktbeuern. Dessen Rektor, Pater Karl Geißinger, sieht auch das Kloster in der Verantwortung: „Das Moor ist ein überaus wichtiger Bestandteil der hiesigen Landschaft, inmitten derer unser Kloster liegt. Es soll für die künftigen Generationen erhalten bleiben. Doch wie können wir die Moore retten, wenn die junge Generation dazu gar keinen Zugang hat?“ Um ein Bewusstsein für die bedrohliche Lage zu entwickeln und um den Lebensraum Moor erfahrbar zu machen, habe man die Zusammenarbeit begonnen, resümiert Geißinger.

Bei den Sitzungen im Kloster möchte das ZUK den positiven Rahmen für einen offenen und vertrauensvollen Gesprächsaustausch schaffen, der es ermöglicht, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Dass das seit nunmehr 16 Jahren sehr gut funktioniert, betonen alle übereinstimmend.

Benedikt Zangl als Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes hebt die „sehr konstruktive Zusammenarbeit“ hervor, den sachlichen Dialog, der „andernorts leider oftmals abgehe“. Er bewirtschaftet selber einen Milchviehbetrieb und betont, man müsse eben den Ausgleich zwischen den Interessen der Landwirte und den Zielen des Moorschutzes suchen. Dass er hier in dieser Runde auch weiterhin gefunden wird, da ist Zangl zuversichtlich.

Walter Wintersberger, Vorsitzender des LBV im Landkreis, erklärt, dass sich der Vogelschutzbund schon seit den 1990er-Jahren um Renaturierungsprojekte bemüht. „Die Hoffnung, dass sich diese Ziele im Rahmen der Moorachse effizienter und strukturierter verfolgen lassen, hat sich voll und ganz erfüllt.“ Achim Rücker, stellvertretender Kreisvorsitzender im Bund Naturschutz, selbst auch Landwirt, betont, dass gerade die Verzahnung von Hochmoor- und Streuwiesengürteln für die Rettung der Artenvielfalt sehr wichtig seien.

Elisabeth Pleyl, Gebietsbetreuerin Isar-Loisach-Moore beim ZUK, erzählt, dass Wiedervernässung mit einfachen Mitteln möglich sei: „Man kann den Torf vor Ort verwenden, um die Entwässerungsgräben zu verschließen, die man früher anlegte, um die Moore trocken zu legen.“ Da, wo sich an die Entwässerung keine landwirtschaftliche Nutzung anschloss, also keine Nutzungskonflikte entstehen, kann unproblematisch renaturiert werden. Wo genutzt wird, ist der Interessenausgleich gefragt.

Hier wartet Vroni Feichtinger, die an der Umsetzung des 2008 vom Freistaat Bayern beschlossenen Klima-Programms arbeitet, mit Zahlen auf: „Bayern investiert jährlich 90 Millionen Euro in das Klima-Programm. 800 000 Euro davon fließen nach Oberbayern für die Renaturierung der Moore, denn zwei Drittel aller bayerischen Moorgebiete befinden sich hier.“ Für die Flächensicherung seien bisher schon 4,5 Millionen ausgegeben worden. Bayernweit habe man bisher 80 000 Tonnen Kohlendioxid eingespart, mehr als die Hälfte davon, nämlich 44 000 Tonnen, in Oberbayern.

Das Moor ist aber nicht nur für die Reduktion klimawirksamer Gase in der Atmosphäre unentbehrlich, sondern auch als Wasserspeicher, hat also auch im Hochwasserschutz große Bedeutung. Zudem dient es als Lebensraum für bedrohte Pflanzen und Tiere, die nur hier vorkommen. Birgit Weis vom Landesbund für Vogelschutz hat nach den extremen Regenfällen der vergangenen Tage folgendes beobachtet: „Die Wiesen stehen unter Wasser. Aber die Hochmoore könnten noch viel mehr aufnehmen!“ Die ideale Lösung wäre, Landwirtschaft auf Böden mit hohem Wasserstand zu betreiben, erklärt Vroni Feichtinger. „Daran wird gerade intensiv geforscht. Aber noch ist das Zukunftsmusik.“ (Sabine Näher)

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