VonBoris Forstnerschließen
Deutsche Städte unter 100 000 Einwohner haben bis 2028 Zeit, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen. Wir wollten von den fünf Städten und Marktgemeinden im Landkreis wissen, ob sie sich darüber schon Gedanken gemacht haben.
Landkreis – „Selbstverständlich“ sei man mit dem Thema kommunale Wärmeplanung schon beschäftigt, schreibt uns Katharina Segerer, Klimamanagerin der Stadt Weilheim, in ihrer Antwort. Bereits 2022 sei ein Energienutzungsplan erstellt worden, der Aspekte wie Bestandsanalyse, Gebäudestruktur und Sanierungszustand schon gut abbilde und möglicherweise sogar ausreiche, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
Außerdem plane man gerade ein umfangreiches Fernwärmenetz, das im Endausbau mit fünf Energiezentralen Wärme für zwei Drittel der Weilheimer Bevölkerung liefern könne. Weil fast alle regenerativ arbeiten sollen, werde die geforderte Vorgabe von 65 Prozent „mit über 90 Prozent weit übererfüllt“, so Segerer. Man werde jetzt schauen, ob der Energienutzungsplan eventuell erweitert oder fortgeschrieben werden müsse, um die gesetzlichen Anforderungen erfüllen zu können.
In Schongau gibt es schon seit den 1960er-Jahren ein Fernwärmenetz
In Schongau verweist Florian Hiemer, der technische Leiter der Stadtwerke, auf die Tatsache, dass die Stadt schon seit den 60er-Jahren ein expandierendes Fernwärmenetz betreibt, mit dem bereits mehr als 1000 Haushalte versorgt werden. Es gebe auch eine Ausbauplanung, die sich aber nicht auf das ganze Stadtgebiet erstreckt. „Die Vorbereitungen für eine kommunale Wärmeplanung für das gesamte Stadtgebiet sind in Erarbeitung“, so Hiemer. Eine Ausweitung hänge aber immer auch stark von der Nachfrage der Bevölkerung ab. „Deshalb ist es eine unserer nächsten Aufgaben, die Bürger darüber zu informieren, welche Möglichkeiten und Vorteile ein Fernwärme-Anschluss mit sich bringt“, sagt Hiemer.
Derzeit wird das Fernwärmenetz in Schongau neben Biogas vor allem unter Nutzung der industriellen Abwärme der Firma UPM versorgt, Erdgas ist aktuell der Hauptnutzungsträger. „An einer weiteren Erhöhung der Quote an erneuerbaren Energien wird gearbeitet und soll bis Ende des Jahres erreicht werden“, kündigt Hiemer an.
Penzberg: Fernwärme-Netz soll weiter wachsen
Auch Penzberg hat bereits 2011 ein integriertes Klimaschutzkonzept erarbeitet, teilte Stadtwerke-Vorstand André Behre mit. Dabei wurden auch Potenziale identifiziert, die eine zukünftige Weiterentwicklung in den Sektoren Wärme, Strom und Verkehr erlauben und als Leitfaden dienen sollte auf dem Weg zur Dekarbonisierung. Stark war zuletzt der Zubau an Photovoltaik, mit weiteren Projekten kann die Stadt bald allein mit Solarenergie rein rechnerisch 1700 bis 2000 Haushalte versorgen.
Beim Wärmenetz, das schon seit 2008 Thema ist, waren laut Behre erst ein Geothermiekraftwerk, dann ein Biomasseheizkraft geplant – beide Konzepte wurden wegen zu hoher Kosten bzw. eines ablehnenden Bürgerentscheids verworfen. 2017 wurde schließlich ein kleines Nahwärmenetz rund um das alte Wellenbad etabliert, das seitdem sukzessive gewachsen ist. Dank des Stadtratsbeschlusses von 2019, alle kommunalen Liegenschaften an das Fernwärmenetz anzuschließen, wurde das Leitungsnetz erheblich ausgebaut und beträgt derzeit fünf Kilometer – und soll mit der Entscheidung, eine Energiezentrale in der Layritzhalle zu errichten, weiter wachsen.
Energienutzungsplan in Peißenberg umfasst bereits Teilbereiche einer Wärmeplanung
Dann werde man das Fernwärmenetz „weit überwiegend mit Biomasse, sprich waldfrischen Hackschnitzeln betreiben“, sagte Behre. „Die Hackschnitzel stellen ein Abfallprodukt aus der Forstwirtschaft dar und werden aus der Region beschafft.“ Für Redundanz- und Spitzenlastzwecke steht ein Gaskessel mit acht Megawatt Leistung zur Verfügung. Gleichzeitig gibt es Überlegungen, den Wärmebedarf im Sommerbetrieb neben der Kraft-Wärme-Kopplung auch mit Strom aus erneuerbaren Energien und Wärmepumpen bereitzustellen. „Perspektivisch möchte man auch das im geringen Maß noch notwendige Erdgas mit anderen Energieträgern wie Wasserstoff ersetzen bzw. stark minimieren. Die 65-Prozent-Vorgabe sollten wir mit diesem Konzept deutlich übererfüllen können“, so Behre.
In Peißenberg wurde 2015 ein Energienutzungsplan erstellt, der bereits Teilbereiche einer Wärmeplanung umfasst, teilte Bürgermeister Frank Zellner mit. Der soll fortgeschrieben werden, wenn eine genauere Datenlage im Bereich Wärmebedarf/Befeuerungstechnik abrufbar ist.
„Die Erstellung einer Wärmeplanung ist aber nur der eine Aspekt, die Umsetzung wäre die größere Herausforderung“, so Zellner. Denn es brauche die entsprechenden Abnehmer. „Dafür wären vermutlich groß angelegte Informationskampagnen und weitere Anreize vonnöten“, sagt Zellner.
Peiting hat noch keine kommunale Wärmeplanung
Mit den Gemeindewerken Peißenberg habe man einen kompetenten und innovativen Partner und Dienstleister im Bereich der Wärmeversorgung. Die GWP betreiben im Gemeindegebiet bereits Nahwärmenetze (teils mit Gas, teils Biomasse), weitere befinden sich in Planung. Darüber hinaus betreibt die Peißenberger Wärmegesellschaft (PWG) ein Fernwärmenetz, das mit einem 22 Kilometer langen Netz bereits rund 1000 Haushalte und viele Firmen versorgt. Energieträger ist allerdings Gas.
Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter. Und in unserem Weilheim-Penzberg-Newsletter.
In Peiting gibt es noch keine kommunale Wärmeplanung. Zumindest wurde im August im Gemeinderat mal über einen Energienutzungsplan gesprochen, nach den Sommerferien soll das Thema erneut auf die Tagesordnung.
Ein eigenes kleines Nahwärmenetz gibt es in Peiting bislang nur im Bereich des Sportzentrums Birkenried, das Blockheizkraftwerk wird laut Marktbaumeister Christian Hack mit Biogas und in der Spitzenlast mit Erdgas betrieben. Dort werde das 65-Prozent-Ziel eingehalten. „Weitere Nahwärmenetze sind von der Marktgemeinde derzeit nicht geplant.“
Die Heimatzeitungen im Landkreis Weilheim-Schongau sind unter „merkur_wm_sog“ auf Instagram vertreten.
