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Die Regensburger SPD steht nach dem Rückzug von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und der Wahl eines OB-Kandidaten vor einer Zerreißprobe.
Regensburg - „Ich freue mich auf diesen Wahlkampf“, sagt Thomas Rudner, der designierte Oberbürgermeisterkandidat der SPD Regensburg. „Ich will ihn gewinnen und werde ihn gewinnen.“ Doch obwohl Rudner – Jeans, rote Turnschuhe, zartrosa Hemd – sich am Dienstag im Gewerkschaftshaus betont lässig und optimistisch gibt, klingt seine Zuversicht wie eine Durchhalteparole.
„Nicht geräuschlos“: SPD-Mitglieder erfuhren vom Rückzug der OB aus der Presse
„Nicht geräuschlos“ sei die Entscheidung für Rudner gefallen, „ein unverbrauchtes Gesicht“, sagt die Stadtverbandsvorsitzende Claudia Neumaier. Das ist nicht übertrieben. Der Rückzug der amtierenden Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wurde letzte Woche an die Süddeutsche Zeitung durchgestochen. Die SPD-Mitglieder erfuhren davon aus der Presse. Ebenso erfuhren sie auf diesem Weg davon, dass Überraschungskandidat Thomas Rudner der Favorit des geschäftsführenden SPD-Vorstands ist.
Dann meldete sich SPD-Fraktionschef Thomas Burger zu Wort. Er hätte ebenfalls gern kandidiert, sprach von einer „Konfrontation“ mit dem SPD-Vorstand und kündigte an, sich aus der Stadtpolitik zurückzuziehen – nur um später zurückzurudern. Nun betont Burger, viel Zuspruch aus der Bevölkerung erhalten zu haben, und erklärt, der Ball liege bei der Partei.
Zerreißprobe: OB sprach sich gegen Rudner aus
Auch die Oberbürgermeisterin äußerte sich. Zwar schätze sie Rudner, „aber ich halte Thomas Burger für den besseren Kandidaten.“ Angesichts dieses holprigen Starts in den Wahlkampf überrascht es kaum, dass die Entscheidung für Rudner am Montagabend denkbar knapp ausfiel.
Nach Informationen unserer Redaktion stimmten 14 Mitglieder des erweiterten Vorstands, in dem auch die Ortsvereine vertreten sind, für Rudner. Zwölf votierten für Burger, eine Person enthielt sich.
Knappes Votum für Rudner: „Beim Schafkopfen gewinnt man auch mit 61.“
Bei der Pressekonferenz schweigen die Anwesenden zu Fragen nach dem genauen Ergebnis. „Die Diskussion war sehr lebhaft“, sagt Rudner lediglich. Und: „Beim Schafkopfen gewinnt man auch mit 61.“ Mehrfach betont er, dass er „überhaupt kein Problem mit Dr. Thomas Burger“ habe. „Sie werden von mir kein böses Wort über ihn hören.“
Doch das Problem bleibt. Die Nominierung durch den Vorstand ist nur ein Vorschlag an die Partei.
Kommt es bei der Delegiertenversammlung der SPD Ende Mai zu einer Kampfabstimmung zwischen Burger und Rudner? „Jeder hat das Recht, sich zur Wahl zu stellen“, sagen Rudner, Neumaier und Vorstandsmitglied Christoph Kittel unisono.
Rudner: Mit „Stadt der guten Nachbarn“ in den Wahlkampf
Droht gar der Super-GAU – der Vorstand schlägt Rudner vor, die Oberbürgermeisterin Burger? „Das hoffen wir mal nicht“, sagt Rudner. Gertrud Maltz-Schwarzfischer ist bei der Pressekonferenz nicht anwesend. „Terminlich verhindert“, heißt es vom Podium. Ein denkbar schlechtes Bild, auch wenn es intern heißt, die Pressekonferenz sei von Anfang an ohne die OB geplant gewesen. Damals ahnte man noch nicht, wie zerrissen die Partei zu diesem Termin dastehen würde.
Rudner lässt sich davon nicht beirren. Er wolle mit Regensburg als „Stadt der guten Nachbarn“ in den Wahlkampf ziehen, sagt der 63-Jährige, der in Regensburg aufgewachsen ist und seit 1985 der SPD angehört. Politisch engagierte er sich unter anderem im Bayerischen Jugendring, der Anti-Apartheid-Bewegung und beim DGB.
Noch keine Aussagen zum Wahlprogramm
In Regensburg leitete er 15 Jahre lang das Koordinierungszentrum für deutsch-tschechischen Jugendaustausch. Kurzzeitig saß er als Nachrücker von Ismael Ertug im EU-Parlament. Derzeit ist er Geschäftsführer der Stiftung Max Mannheimer Haus in Dachau.
Das Wahlprogramm sei fast fertig, doch Rudner will sich erst äußern, wenn er offiziell als Oberbürgermeisterkandidat bestätigt ist. Das gebiete der Respekt vor der Partei. Dann aber werde man im Wahlkampf klare Akzente setzen.
Wird Thomas Burger kandidieren?
„Es ist nicht lustig, dass wir derzeit solche Schlagzeilen liefern“, sagt Rudner. Doch er sei überzeugt, gegen CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein bestehen zu können. Deren Idee, das Durchfahrtsverbot am Bahnhof kostenintensiv zurückzubauen, nennt er „geradezu absurd“. Ein erster Seitenhieb auf die Konkurrenz.
Ob es weitere Schlagzeilen geben wird, liegt nun an Thomas Burger. Gegenüber unserer Redaktion erklärt er nach der Pressekonferenz, dass er sich später äußern werde. Das Sammeln der Delegiertenstimmen hat begonnen.
Rubriklistenbild: © Stefan Aigner
