Sie brauche auch Zeit für sich, nicht nur für die Arbeit, sagt Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. In der SPD gibt es bereits Streit um ihre Nachfolge.
Nachricht sickerte vorzeitig durch: Maltz-Schwarzfischer tritt nicht mehr an
„Ich habe dem geschäftsführenden Vorstand gestern Abend mitgeteilt, dass ich nicht erneut kandidiere“, sagt Gertrud Maltz-Schwarzfischer unserer Redaktion und bestätigt damit einen Bericht der Süddeutschen Zeitung. Eigentlich sollte dies vertraulich bleiben und erst nächste Woche öffentlich werden, so die Noch-OB. „Das hat leider nicht geklappt.“
Sie habe lange überlegt und den Vorstand schon vor einiger Zeit informiert. Am Ende gaben „private und persönliche Gründe“ den Ausschlag. „Ich werde nächstes Jahr 66 und kann nicht garantieren, dass ich weitere sechs Jahre die volle Energie für das Amt habe“, sagt Maltz-Schwarzfischer. Sie brauche auch Zeit für sich, nicht nur für die Arbeit.
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Favorit für die Nachfolge: ein ehemaliger Europaabgeordneter
Dass fehlender Rückhalt ein Grund für ihren Rückzug sei, weist sie zurück. Sowohl Vorstandsmitglieder als auch Bürger hätten sie ermutigt, erneut anzutreten. „Der Rückhalt wäre da gewesen.“
Die SPD will ihren OB-Kandidaten am kommenden Montag vorstellen. Es wird erwartet, dass sich der frühere Europaabgeordnete Thomas Rudner (63) bewirbt und die Mehrheit des Vorstands hinter sich hat. SPD-Fraktionschef Thomas Burger ist offenbar aus dem Rennen.
SPD-Fraktionschef Burger offenbar aus dem Rennen
Ihm wird schlechte Zusammenarbeit mit Vorstand und Basis vorgeworfen. „Wenn es Kritik an Entscheidungen gab, schoben Burger und Maltz-Schwarzfischer die Verantwortung auf den anderen“, so ein Insider. Nach dem Bruch der Koalition mit der CSU hätte man sich mehr „sichtbare Entscheidungen“ gewünscht, die die Parteiforderungen berücksichtigten.
Doch das sei kaum geschehen. Nun brauche es einen Neustart mit Rudner.
Oberbürgermeisterin unglücklich über Haltung des SPD-Vorstands
Maltz-Schwarzfischer ist mit dieser Entscheidung unzufrieden. Zwar schätze sie Rudner persönlich, doch halte sie Burger für den besseren Kandidaten und habe ihn dem Vorstand empfohlen – offenbar erfolglos.
Burger war für unsere Redaktion zunächst nicht erreichbar. Gegenüber der SZ warf er dem Vorstand vor, sein Angebot, „geschlossen in den Wahlkampf zu gehen“, nicht angenommen zu haben. Stattdessen sei man „in die Konfrontation gegangen“.
„Ich werde noch versuchen, ihn zu einer Kandidatur zu überreden“, sagt Maltz-Schwarzfischer. Doch gegenüber der SZ erklärte Burger, er ziehe sich aus der Stadtpolitik zurück und kandidiere 2026 nicht mehr für den Stadtrat. „Da ist kein Groll, es ist einfach ein Scheideweg.“
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Maltz-Schwarzfischer kam nach Korruptionsskandal ins Amt
Burger hatte in der Vergangenheit oft das Nachsehen bei Spitzenämtern oder aussichtsreichen Kandidaturen. Zuletzt unterlag er bei der Landtagskandidatur dem Wenzenbacher Bürgermeister Sebastian Koch.
2014 galt Burger als Favorit für das Amt des zweiten Bürgermeisters, doch der frisch gewählte OB Joachim Wolbergs und die SPD-Spitze entschieden sich für Maltz-Schwarzfischer und legten so den Grundstein für ihre Amtszeit. Nach Wolbergs‘ Suspendierung wegen Korruptionsvorwürfen 2016 übernahm Maltz-Schwarzfischer als Stellvertreterin die Regierungsgeschäfte und wurde zur Kandidatin für die OB-Wahl 2020, die sie knapp gegen Astrid Freudenstein gewann.