VonPatrick Staarschließen
Gute Nachrichten für alle, die am und auf dem Walchensee unterwegs sind: Die Tölzer Wasserwacht hat ein neues Rettungsboot im Einsatz. Jetzt wurde es getauft.
Jachenau – Die Wasserwachten am Walchensee kommen gar nicht mehr aus dem Feiern heraus. Vor gerade mal zwei Wochen nahm die Wasserwacht Walchensee den Anbau ihrer Rettungsstation in Betrieb. Nun haben ihre Kollegen aus Bad Tölz Grund zur Freude: Am Samstagmittag tauften sie an der Rettungsstation Niedernach ihr neues Rettungsboot. Der Wert: 60 000 Euro.
Ehrlicherweise muss man sagen, dass das neue Gefährt gar nicht mehr so neu ist. Bereits seit April 2018 ist es im Einsatz. Die Taufe scheiterte in den folgenden Monaten immer wieder daran, dass die Beteiligten keinen geeigneten Termin fanden.
Das Warten hat sich gelohnt. Besser als am Samstag hätte das Wetter kaum sein können. Entsprechend gut gelaunt war Wolfgang Hofmann, Chef der Tölzer Wasserwacht. Er erinnerte sich in seiner Festrede an das alte Rettungsboot namens Donner, das seit 1989 im Einsatz war und die besten Jahre längst hinter sich hatte. Nicht so ganz ernst gemeint sagte Hofmann: „Unsere Helfer haben immer darauf geachtet, dass die Rettungswesten besonders gut sitzen, wenn sie in das Boot eingestiegen sind. Und dann haben sie als erstes die Wasserpumpe überprüft – der Rumpf war schon ein bisschen schwach.“ Noch weniger ernst gemeint fügte Hofmann hinzu: „Manche Bootsführer haben sogar Nichtschwimmer mitgenommen, weil die am längsten das Boot verteidigen.“ Der Wasserwacht-Chef freut sich umso mehr, nun eine Bootstaufe zu feiern: „Das erlebt man als Vorsitzender einer Ortsgruppe nur einmal in seiner Amtszeit. Das ist wie beim Halley’schen Komet, der auch nur alle 75 Jahre erscheint.“
Walchensee: Ohne Retter wäre Boot nur leere Hülle
Das Boot ist 6,40 Meter lang, bietet zehn Personen Platz und wurde in der Nordland Hansa Werft Rostock hergestellt. Es hat einen Außenbord-Motor, der 140 PS Leistung bringt. Man könne damit keine Geschwindigkeitsrekorde brechen, sagte Hofmann. „Aber für unsere Zwecke ist es in den meisten Fällen ausreichend“. Zumal die Ausstattung – unter anderem mit Sonar, Echolot und moderner Funktechnik – umfangreich ist. Ein besonderes Merkmal sei die Bugklappe, die auf das Niveau der Wasseroberfläche abgesenkt werden kann. Patienten können so schonend an Bord gebracht werden, und auch die Taucher haben es beim Ein- und Aussteigen einfacher. Von dem neuen Rettungsboot profitieren zehn Bootsführer sowie 30 aktive Wasserretter und Rettungsschwimmer: „Ohne ihre Hilfe wäre das Boot nur eine schöne, aber leere Hülle“, sagte Hofmann.
Walchensee: Wasserwacht spielt immer wichtigere Rolle
Bürgermeister Georg Riesch betonte in seiner Festrede, dass die Wasserwacht eine immer größere Rolle spielt: „Der Andrang der Bevölkerung wird immer größer, jeder sucht die Natur.“ Bei der Namenssuche ist die Wasserwacht der Tradition gefolgt, dass Rettungsboote die Namen von verdienten Wasserwacht-Mitgliedern tragen. Die Wahl fiel auf Hans Deißenberger, der einst die Ortsgruppe Lenggries gegründet hat und auf dessen Initiative die Rettungsstation in Niedernach gebaut wurde. Als Ingenieur plante er zudem die Straße von Jachenau in Richtung München.
„Es ist eine großere Ehre für mich, dass das Boot meinen Namen trägt“, sagte Deißenberger. Er freue sich, so viele junge Wasserwachtler zu sehen: „Das zeigt, dass die Nachwuchsarbeit bei der Tölzer Wasserwacht funktioniert.“ Deißenberger überreichte einen Scheck über 300 Euro.
Einen Scheck in gleicher Höhe gab es von den Segelfreunden Walchensee. Es sei ein beruhigendes Gefühl, dass nun ein neues Boot mit perfekter Ausrüstung vorhanden ist, sagte Zweiter Vorsitzender Wolfgang Steib. Er spreche aus eigener Erfahrung, sein Sohn sei schon mal auf die Hilfe der Wasserwacht angewiesen gewesen. Insgesamt muss die Wasserwacht 6000 Euro für das Boot aufbringen, den restlichen Betrag übernimmt der Freistaat.
Nach den Festreden segnete Pfarrer Gracious Naralakkattukunnel das Boot. Die Taufe übernahm Karin Siegert, Gründungsmitglied der Ortsgruppe Lenggries. Siegert hat Erfahrung: Vor fast 30 Jahren hat sie auch das Vorgängerboot getauft.
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