VonChristiane Mühlbauerschließen
Die Mädchen und Buben im Waldkindergarten in Mürnsee haben eine Jurte als Rückzugsort. Nun ist die Unterkunft auch baurechtlich abgesegnet.
Bad Heilbrunn – Eine Jurte ist in Zentralasien ein übliches Zelt von Nomaden, in Bayern jedoch kollidiert sie erstmal mit der Bauordnung – vor allem, wenn sie als Behausung von Kindern dienen soll. Hinsichtlich den statischen Berechnungen und der Brandschutzverordnung stand der Betreiber des Waldkindergartens, das Albert-Schweitzer-Familienwerk mit Sitz in Königsdorf, vor einer großen Herausforderung, eine Genehmigung vom Landratsamt zu bekommen. „An einen Sonderbau für Kindergärten werden hohe Anforderungen an die Sicherheit gestellt“, berichtete Heiner Koch, Geschäftsführender Vorstand des Familienwerks. Doch nun ist es geschafft: Die in Mürnsee stehende Jurte ist hinsichtlich genehmigtem Brandschutzkonzept und Prüfstatik definitiv die erste im Landkreis, eventuell sogar die erste in Bayern oder sogar in ganz Deutschland, mutmaßte Koch bei der Presse-Vorstellung am Montagvormittag. Recherchen des Familienwerks ließen diesen Schluss zu, denn es sei ziemlich schwierig gewesen, Fachleute zu finden, die diesen Prozess begleiten wollten. Schließlich hätten die Form, die Wände aus biegsamen Holz mit Scherengittern und der runde Dachkranz allesamt keine Normgröße, wenn es gelte, die Bauvorschriften einzuhalten. Doch nun ist es geschafft: Die Kindergarten-Jurte hat „nach einem langen Weg“ alle erforderlichen Genehmigungen, freut sich Koch.
Der Rundbau basiert auf der Konstruktion von David Schuster, der in Hohenpeißenberg mit seiner Familie in einer Jurte lebt. Die Behausung für die 19 Kindergartenkinder in Mürnsee hat aus Brandschutzgründen zwei Türen – beide übrigens schön gestaltet mit Fensterchen in Blätterform. Die Wände und das Dach, alles aus Fichtenholz, sind mit Filz- und Baumwollmatten verkleidet. Darüber befindet sich eine dicke Lkw-Plane, um Regen und Schnee abzuhalten. Die Jurte steht auf Holzpfosten, und auch diese wurden auf ihre Standfestigkeit überprüft. Im Inneren lässt ein großer runder Dachkranz, oben versehen mit Plexiglas, viel Licht in die Jurte fallen. Auf einer Seite befindet sich ein moderner Kamin, in dem ein Feuer brennt. Ein Gitter davor sorgt dafür, dass die Kinder nicht zu nahe an die Feuerstelle kommen. Der Rauch wird fachgerecht ins Freie geleitet. Strom und Wasser gibt es aber nicht.
In der Mitte der Jurte können die Kinder in einem Kreis sitzen. „Das ist besonders schön. In einem Bauwagen, den sonst die meisten Waldkindergärten haben, geht das nicht“, sagt Leiterin Veronika Bischoff. Die Kinder gehen in die Jurte, wenn sie Brotzeit machen und wenn sie bei Kälte oder Dauerregen einen Unterschlupf brauchen. Aber auch an gewöhnlichen Tagen kann man sich in die Jurte zurückziehen, um zum Beispiel etwas zu basteln oder vorzulesen.
Der Waldkindergarten in Mürnsee ist seit Sommer 2018 in Betrieb. Er ist ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Gemeinden Benediktbeuern und Bad Heilbrunn und entstand aufgrund einer Elterninitiative in Benediktbeuern (wir berichteten). Das passende Grundstück wurde in Bad Heilbrunn, genauer gesagt neben dem Feuerwehrhaus in Mürnsee, gefunden.
Träger des Kindergartens ist das Albert-Schweitzer-Familienwerk. Derzeit besuchen vor allem Mädchen und Buben aus Benediktbeuern und Heilbrunn diesen Kindergarten, einige wenige kommen aus Bichl und Kochel. Auch ein Inklusionskind wird dort betreut. Für das kommende Kindergartenjahr sind noch Plätze frei, sagt Bischoff. Die Kinder werden zwischen 8 und 13.30 Uhr betreut.
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Wie schön die Jurte geworden ist und wie gut alles funktioniert, davon machten sich auch die beiden Bürgermeister aus Bad Heilbrunn und Benediktbeuern, Thomas Gründl und Toni Ortlieb, am Montag ein Bild. Beide lobten die gute Zusammenarbeit, sowohl untereinander als auch mit dem Träger. Auch die Eltern seien zufrieden, berichtete Thomas Gründl. Die Jurte kostete rund 10 000 Euro. Das Familienwerk finanzierte sie, nun teilen sich die beiden Gemeinden die Kosten.
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Das Albert-Schweitzer-Familienwerk betreibt auch die Waldkindergärten in Bad Tölz, Lenggries und in Penzberg. Dort finden die Kinder in Bauwagen Unterschlupf. Dass in Mürnsee eine Jurte entstand, sei unter anderem dem Engagement einiger Eltern zu verdanken, die auch beim Bau halfen, berichtete Geschäftsführer Koch. „Sobald es das Wetter zulässt, gibt es ein großes Einweihungsfest.“
Über die freien Plätze im Waldkindergarten Mürnsee kann man sich unter Telefon 0179/4 21 37 99 (Veronika Bischoff) oder per Mail an waldkindergartenmuernsee@albert-schweitzer.org näher informieren und sich anmelden.
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