Gemeinsame Übung

Wasserwacht und Bergwacht proben am Brauneck den Ernstfall - ausgerechnet im Speicherteich

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Berg-, Ski- und Wasserwacht übten am Sonntag den Ernstfall im Speichersee am Brauneck.

Retter müssen sich für jedes Szenario wappnen. Was passiert etwa, wenn ein Wanderer aus dem Sessellift in den Speicherteich am Brauneck stürzt?

Lenggries – Der Speichersee am Brauneck dient eigentlich zur Wasserversorgung der Schneekanonen im Winter. Schwimmer trifft man dort eher nicht an. Dennoch: Bei einer außergewöhnlichen Übung probte am Sonntag die Bergwacht Lenggries zusammen mit Tauchern der Wasserwacht Bad Tölz den Ernstfall. Auch Einsatzkräfte der Skiwacht Brauneck unter Rolf Frasch waren anwesend.

Im Winter bestehe die Gefahr, „dass Skifahrer in den See reinfahren oder Wanderer auf dem Eis einbrechen“, so der Einsatzleiter der „Schnelleinsatzgruppe Süd“ Lauri Mangold. Auch mit einem Sturz aus dem darüber laufenden Sessellift müsse gerechnet werden.

Taucher inspizierten die Unterwasseranlagen.

 „Die Übung war von der Herausforderung her anders als normalerweise. Das Objekt ist sehr komplex“, so der Einsatzleiter. Deshalb habe man sich akribisch darauf vorbereitet, um im Winter nicht überrascht zu werden. Für die Taucher sei es wichtig, das Einsatzgebiet zu kennen, um dann schnellstmöglich handeln zu können. „Es kam zwar noch nie zu einem Einsatz im Speichersee, aber jeder Tauchgang muss präventiv geübt werden und ist dabei immer eine mentale Herausforderung“, so Mangold.

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Auch aus der Suche nach Jeff Freiheit hat die Bergwacht Lehren gezogen

Gerade nach den Einsätzen im vergangenen Jahr habe man einige Lehren gezogen. Mangold beschreibt die Schwierigkeiten, die es im Fall des Kanadiers Jeff Freiheit gegeben hatte, der mehrere Wochen in den Bergen vermisst wurde und dessen Suche sich als langwierig herausstellte. „Jeder Mensch muss gerettet werden und das möglichst schnell.“ Deshalb müssen die Taucher das potenzielle Gefahrengebiet des Sees kennen, auch wenn es kein gewöhnlicher Einsatzort sei.

Die Übung wurde begleitet von der Bergwacht Lenggries. Sie begann mit der Kontaktaufnahme., „Danach müssen die Taucher ran“, erklärt Mangold. Die Bergwacht arbeitet dabei eng mit der Wasserwacht zusammen. Mit Tauchern aus München, Bad Tölz, Krün/Wallgau und Kochel am See wurde die Anlage auf Sicht, Wasserqualität und Zugänglichkeit überprüft.

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Sowohl fertig ausgebildete Taucher als auch Tauchanwärter waren am Sonntag im Einsatz. „Die Bedingungen waren sehr gut, das Wasser war klar“, berichtet Mangold. Die Übung war „mal was anderes“, aber am Ende „absolut erfolgreich“.

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Übungen finden ein Mal im Monat statt, zum ersten Mal an diesem Wochenende im Speichersee. Lauri Mangold lobt die Brauneck-Bergbahn, die den Rettungskräften gegenüber „sehr aufgeschlossen“ gewesen sei.

Anton Böhm

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