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„Uns sind die Hände gebunden“ – Wegen gestiegener Kosten: München hebt Müllgebühren kräftig an

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Die Gebühren für die Müllentsorgung werden in München steigen.
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Die Stadt München wird am Donnerstag (10. Oktober) die Müllgebühren erhöhen. Das Entsorgen von Tonnen wird nächstes Jahr im Schnitt fast zwölf Prozent teurer.

München – Nun wird auch guter Unrat teuer. Die Stadt will am Donnerstag die Gebühren für die Müllentsorgung anheben. Um satte 11,98 Prozent im Schnitt. Beispiel: Für die bekannten 1100-Liter-Restmüll-Behälter werden künftig 1416,48 Euro im Jahr fällig (14-Tage-Leerung), zuvor waren es 1265,16 Euro. 80-Liter-Behälter (Größe wie Biotonne etwa) kosten künftig 177,84 Euro statt 159,12 Euro.

München erhöht die Gebühren für die Abfallentsorgung: Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig

Die Stadt legt Müllgebühren immer für einen Zeitraum von drei Jahren fest, die aktuelle Periode endet zum 31. Dezember. Somit müssen die Gebühren neu berechnet werden. Das ist nicht so trivial. Zum einen muss der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) kostendeckend arbeiten. Es dürfen keine Gewinne erwirtschaftet, keine Verluste ausgewiesen werden. Zum anderen lässt sich die Müllentsorgung nicht messen, wie etwa Wasser- oder Stromverbrauch. Daher werden die Gebühren nach Wahrscheinlichkeit berechnet.

Die Gründe für die Anhebung sind vielfältig: Beispielsweise spielen höhere Energiekosten, Inflation und steigende Löhne eine Rolle. Aber auch der Umstand, dass München weiter wächst, jedes neue Mietshaus braucht auch eine Müllentsorgung. Zudem gibt es neue Steuern auf die Müllverbrennung (CO₂-Emissionen), neue Abgaben durch die Umsatzsteuer. Die muss ab 2025 beispielsweise auch für das Entsorgen von Grünabfällen oder Wertstoffen gezahlt werden. Der Gesetzgeber will so etwaige Wettbewerbsvorteile für kommunale Unternehmen unterbinden, da private Unternehmen für ihre Leistungen bereits Umsatzsteuer zahlen.

Neue Müllgebühren für München: Opposition kritisiert, dass vor allem arme Haushalte erneut belastet werden

Darüber hinaus schwinden auch die Einnahmen, beispielsweise bei der Müllverbrennung. Dort werden Strom und Wärme erzeugt, die auf dem Markt angeboten werden. Da die Preise aber wieder fallen, rechnet der AWM mit weniger Einnahmen als in den Jahren zuvor.

Linken-Chef Stefan Jagel kritisiert die Gebührenerhöhung: „Die Stadtregierung erdrückt die Menschen mit immer höheren Kosten – besonders die armen Haushalte leiden darunter.“

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„Natürlich hätten wir die steigenden Müllgebühren lieber vermieden“, erwidert Grünen-Vize Sibylle Stöhr. „Wir wissen, dass die Münchner wegen der generellen Preisentwicklung derzeit stark belastet sind.“ Aber der Stadt seien letztlich die Hände gebunden, sagt SPD-Vize Kathrin Abele. Der AWM müsse alle Kosten zu 100 Prozent über Gebühreneinnahmen decken. Und die Betriebskosten seien in den vergangenen Jahren stark gestiegen. „Gleichzeitig ist der Erlös zurückgegangen, weil die Menschen in unserer Stadt ihren Müll immer besser trennen, was uns sehr freut“, sagt Abele. Auch vor dem Hintergrund arbeite die Stadt an einem neuen Gebührenmodell, das vorsieht, Leute zu entlasten, die vorbildlich ihren Müll trennen.

Müllgebühren in München: Im Vergleich mit anderen deutschen Großstädten schneidet die Landeshauptstadt noch gut ab

Und am Ende ist München im Vergleich mit anderen Städten (noch) gar nicht so teuer, wie eine Untersuchung des Portals mineko.de ergeben hat. Demnach belegt Bochum mit den aktuellen Gebühren den Spitzenplatz der Republik. Für das wöchentliche Entsorgen eines 1100-Liter-Containers werden dort 6403,80 Euro im Jahr fällig, in Bonn 4786,50 Euro und in Münster 4622,88 Euro. München liegt mit 2324,40 Euro auf Platz 16.. Am günstigsten ist es in Berlin mit 1292,72 Euro.

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