VonChristina Jachert-Maierschließen
Wie geht es mit dem gemeindlichen Gasthof Zur Post in Bad Wiessee weiter? Die Voruntersuchungen sind abgeschlossen, am 22. Juni befasst sich der Gemeinderat öffentlich mit den Plänen.
Bad Wiessee – Wie es im Kern um den gemeindlichen Gasthof Zur Post in Bad Wiessee bestellt ist, das hat eine ganze Schar von Gutachtern ermittelt. Statiker und Schadstoffexperten waren da, unzählige Bohrstellen im Mauerwerk zeugen von einer gründlichen Analyse. „Jetzt sieht es da so aus, als hätten ein paar Leute durch die Wände geschossen“, sagt Bürgermeister Robert Kühn (SPD). Das Fazit der Untersuchungen und der weitere Fortgang des Projekts werden Thema bei der nächsten öffentlichen Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 22. Juni, 19 Uhr, sein. Abzustimmen ist über Umbau und Erweiterung des Gasthofs in der Ortsmitte. Vorab will Kühn nichts zu den Planungen verraten: „Man weiß ja nie, wie der Gemeinderat entscheidet.“
22 Millionen Euro sind aufgerufen
Dass es um sehr viel Geld geht, hatte CSU-Gemeinderat Kurt Sareiter bei der Haushaltssitzung im März öffentlich kundgetan (wir berichteten). Überraschend nannte er eine Summe, deren Höhe bis dahin noch Verschlusssache war. Demnach schlagen Umbau und Erweiterung des gemeindlichen Gasthofs mit 22 Millionen Euro zu Buche. Kühn fügte im Nachgang hinzu, die Gemeinde müsse die Investition nicht alleine schultern, sondern dürfe mit Zuschüssen rechnen.
Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungssaal
In der öffentlichen Ausschreibung der Planung ist noch eine grobe Kostenschätzung von 15 Millionen Euro als Ergebnis einer Machbarkeitsstudie vermerkt. Dort heißt es auch, es handle sich um eine Generalsanierung des teils denkmalgeschützten Gebäudes und einen Ersatzneubau für den bestehenden Saal. Am Nutzungskonzept soll sich nichts ändern. Es beinhaltet Gastronomie, Hotellerie und Veranstaltungssaal.
Gewaltiges Defizit
Aktuell fehlt der Gasthof mit dem einzigen großen Saal für Festivitäten, Konzerte und Theateraufführungen dem Ort sehr. Im November hatte Pächter Kurt Geiß das Haus nach 34 Jahren dichtgemacht. Es diente auch als Bürgerzentrum, ein gemeindlicher Lesesaal und Veranstaltungsräume für die Volkshochschule hatten dort ihren Platz. Der Betrieb verlangte der Gemeinde viel ab. Etwa 350 000 Euro musste die Kommune pro Jahr zuschießen.
Das neue Ziel ist die schwarze Null. Erreichen will es die Gemeinde mit einem neuen Pächter. Das Anforderungsprofil ist gesetzt und orientiert sich sehr stark an dem, was die Post seit jeher war. Im Jahr 2025 soll eine bayerische Wirtschaft mit einer gut bürgerlichen Speisekarte im mittleren Preissegment wieder eröffnen, dazu rund 40 Hotelzimmer und ein klassischer Biergarten.
Neuer Pächter gesucht
In diesem Frühjahr war davon die Rede, dass es mehrere Interessenten für den Betrieb der Gastronomie und Hotellerie gebe. Ob inzwischen ein Pächter gefunden ist, darüber schweigt sich Bürgermeister Kühn mit Verweis auf die Gemeinderatssitzung noch aus.
Danach allerdings will Kühn den Bürgern den künftigen Gasthof Zur Post in einer eigenen Info-Veranstaltung präsentieren. Sie ist für Mitte Juli angesetzt. Noch davor, Anfang Juli, werden zwei private Großprojekte, nämlich die Neubauten auf dem Grühn-Areal und das Projekt Seegut der Familie Strüngmann, Thema einer Bürgerversammlung sein.
Kühn ist daran gelegen, der Post-Planung einen eigenen Info-Abend zu widmen. Wegen der Brisanz, sagt er, halte er sich im Vorfeld auch so bedeckt: „Die Post ist für unseren Ort enorm wichtig.“
