Betrieb soll raus aus dem Defizit

Bad Wiessee: Bürgermeister erklärt, warum die neue Post um die 20 Millionen Euro kosten wird

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Der vordere Bereich der Post steht unter Denkmalschutz. Auch das macht die Generalsanierung des Gebäudes aufwendig.
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22 Millionen Euro für die neue Post. Überraschend war die stattliche Investitionssumme schon jetzt an die Öffentlichkeit gedrungen. Wie die Summe zustande kommt, dazu bezieht der Bürgermeister Stellung.

Bad Wiessee – CSU-Gemeinderat Kurt Sareiter hatte bei der jüngsten Haushaltssitzung die erste Kostenschätzung der Architekten für den Umbau der gemeindeeigenen Post freimütig auf den Tisch gelegt. Er sprach von rund 22 Millionen Euro. Bürgermeister Robert Kühn (SPD) nimmt dies zum Anlass, um näher auf die Planungen einzugehen. Zentrale Botschaft: Die Post benötigt eine grundlegende Sanierung, um überhaupt wieder wirtschaftlich betrieben werden zu können. „Das Objekt“, sagt Kühn, „ist seit 30 Jahren nicht mehr saniert worden“.

Gasthof Post: Auch eine grundlegende energetische Sanierung ist nötig

Die Untersuchungen der Bausubstanz sind mittlerweile abgeschlossen, eine Grobplanung für die Post der Zukunft liegt vor. Dass die Gemeinde eine ordentliche Summe in die Hand nehmen muss, um den gemeindeeigenen Gasthof samt Saal und Hotel zeitgemäß zu gestalten, liegt laut Kühn nicht nur an der Größe des Objekts und daran, dass der vordere Teil des Gebäudes denkmalgeschützt ist. Die Post müsse unter anderem energetisch auf den neuesten Stand gebracht werden – insbesondere beim Saal seien dafür „große Anstrengungen“ nötig. „Momentan pumpen wir hier Energie rein, und zum Dach geht sie wieder raus“, erläutert der Bürgermeister. Dem Vernehmen nach wird es einen Abbruch und einen komplett neuen Saal geben. Darüber hinaus brauche es Personalwohnungen, betont Kühn. Ein Pächter wolle heute Betriebs- und Kostensicherheit. „Ansonsten hat er kein Interesse.“

Gemeinde steht mit möglichen Pächtern für die Post im Gespräch

Ähnlich wie mit Vorgänger Kurt Geiß strebt die Gemeinde auch mit dem künftigen Pächter eine langjährige – verlässliche – Partnerschaft an. Es gibt offenbar Interessenten, die bereits in der engeren Auswahl sind. Dabei hat die Gemeinde klare Anforderungen an den neuen Wirt und den Betrieb: Die Post soll eine bayerische Wirtschaft mit einem gut-bürgerlichen Angebot bleiben. Das Hotel, das auch künftig über etwa 40 Zimmer verfügen wird, werde weiterhin im Mittelklasse-Segment angesiedelt sein. Laut Kühn wird es auch in Zukunft einen klassischen Biergarten geben, die Gastronomie im Innenbereich werde aus mehreren kleineren Räumen bestehen. Auch die Laufwege im Betrieb müssten andere werden – „ein heutiger Wirt arbeitet anders als früher“. Der Rathaus-Chef betont: „Wir wollen die Post nicht verkaufen, weil wir für unseren Ort eine Wirtschaft mit bezahlbarem Angebot erhalten wollen.“

Gasthof war für die Gemeinde bisher ein höchst defizitärer Betrieb

Dabei hat der Betrieb in der Vergangenheit regelmäßig ein gewaltiges Loch ins gemeindeeigene Budget gerissen. „Nach dem Badepark und dem Jodbad war das der größte Defizitbetrieb der Gemeinde“, berichtet Kühn. Der Haushalt wurde mit rund 350.000 Euro pro Jahr belastet. Auch das soll künftig anders werden. Nach dem Umbau wolle die Gemeinde eine ordentliche Pacht erwirtschaften. Ziel sei die die Schwarze Null.

All das, fasst Kühn zusammen, erfordere die hohe Investitionssumme. Die genannten 22 Millionen seien dabei nicht ganz korrekt, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde könne noch mit Förderungen rechnen. „Wir werden unter die 20 Millionen rutschen.“

Sportlicher Zeitplan: Neue Post soll schon 2025 eröffnen

Damit die neue Post schnellstmöglich öffnen kann, habe sich die Gemeinde einen „extrem sportlichen Zeitplan“ verordnet. Im Jahr 2025 soll der Gasthof den Wiesseern wieder zur Verfügung stehen. Als nächstes werde die Entwurfsplanung erstellt. Kühn ist zuversichtlich: „Wenn der Gemeinderat das Projekt weiterhin mit überwiegender Mehrheit unterstützt, werden schon in diesem Jahr Bauaktivitäten zu sehen sein.“

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