VonAndreas Steppanschließen
Im „Schenkräumchen“ gibt es allerlei Waren des täglichen Bedarfs zum Nulltarif. Statt dieses Angebot zu schätzen, missbrauchen es jedoch einige Kunden. Der Ärger eskalierte bei einigen Gelegenheiten so stark, dass Hausverbote ausgesprochen wurden und zweimal die Polizei kommen musste.
Bad Tölz – Aus dem Tölzer Gratisladen Schenkräumchen gab es zuletzt positive Nachrichten: Im Mai eröffnete die Institution in ihren neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Herderbad. Ein großes Problem hat die Ehrenamtlichen rund um Initiatorin Tanja Hammerle aber auch dort eingeholt. Sie haben mit einer Reihe von Kunden zu kämpfen, die das Gratis-Angebot missbrauchen, sich respektlos zeigen und sich daneben benehmen.
Bei der ehrenamtlichen Mitarbeiterin Brigitte Bogner hat ein Vorfall, der sich bereits im September ereignete, einen besonders nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Sie berichtet, dass sie einige afrikanische Asylbewerber zur Ordnung habe rufen müssen, die sich nicht an die Hausregeln hielten. „Da ist eine Dame auf mich zugestürmt, wollte mich ins Gesicht schlagen und hat mir gedroht: ,Morgen mach’ ich Dich tot!‘“ Brigitte Bogner erstattete Anzeige, wie der stellvertretende Inspektionsleiter Andreas Rohrhofer auf Anfrage bestätigt. Das Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und versuchter Körperverletzung gegen eine unbekannte, 20 bis 25 Jahre alte und etwa 1,70 Meter große Frau laufe. „Sobald die Frau wieder auftaucht, sollten uns die Mitarbeiter verständigen, dann können wir ihre Personalien aufnehmen.“ Dann nehme das Strafverfahren seinen Gang.
Manche Waren aus dem „Schenkräumchen“ werden achtlos ins Gebüsch geworfen
Auch vergangene Woche mussten die Ehrenamtlichen wieder die Polizei rufen, berichtet Mitarbeiterin Katharina Lachenmair. Auch einige Hausverbote oder vorübergehende Sperren seien schon verhängt worden.
Dabei ist das Schenkräumchen eigentlich ein soziales Projekt, das Menschen helfen soll, die sich Gegenstände des Alltagsbedarfs nicht leisten können. Gleichzeitig wollen die Helfer dafür sorgen, dass Dinge nicht auf dem Müll landen, sondern dort Verwendung finden, wo sie gebraucht werden. Bürger können solche Waren beim Schenkräumchen abgeben, wo sie an Bedürftige verschenkt werden.
Doch einige missbrauchen dieses Prinzip. „Manche nehmen Sachen aus den Regalen, von denen sie gar nicht wissen, was sie damit anfangen sollen“, berichtet Hammerle. Vieles davon werde dann draußen einfach achtlos ins Gebüsch geschmissen. Auch würden mache Waren im Laden auf den Boden geworfen und beschädigt. Zudem seien die Waren „gehortet“ worden, so Hammerle. Die Vermutung liegt nahe, dass einige die geschenkten Waren anderweitig weiterverkaufen. Manchen Personen, die ihre Waren anlieferten, seien schon auf dem Parkplatz die Sachen „aus den Kisten gerissen worden“.
An den Öffnungstagen – jeweils zwei bis drei Stunden – kommen laut Hammerle jeweils 70 bis 80 Kunden. Den Ärger gibt es in der Regel am Mittwoch – dem Tag, an dem Migranten zugelassen sind. Laut Lachenmair gab es aber auch schon Probleme mit einheimischen Kunden – ob nun mit oder ohne Migrationshintergrund. Ebenso wie es natürlich auch nette und höfliche Flüchtlinge unter den Kunden gebe.
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Auf jeden Fall hat das Team schon einige Regeln geändert, um der Situation Herr zu werden. Am Warenanlieferungstag, dem Samstag, dürften die Besucher zum Beispiel nicht mehr selbst in den Regalen stöbern. „Manche haben das ausgenutzt“, berichtet Lachenmair. „Sie haben ein bis zwei Teilchen gebracht, die sich teils unter der Woche bei uns geholt hatten, um dann selbst reichlich Waren mitzunehmen.“ Außerdem dürfen die Kunden laut Hammerle höchstens eine Tüte mit Sachen einpacken.
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Um solche Regeln durchzusetzen, „müssen wir schon ziemlich durchgreifen“, sagt Tanja Hammerle. Sie selbst könne sich gut durchsetzen. Aber viele andere Ehrenamtliche, gerade ältere Menschen, würden sich nicht so viel trauen und wollten mittwochs nicht mehr arbeiten. Katharina Lachenmair ist mittwochs dabei. Was sie ärgert: Wenn sie auf den Regeln beharrt, bekommt sie mitunter zur Antwort, sie diskriminiere die Kunden. „Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Bairisch, Norddeutsch, Migrationshintergrund oder gerade neu angekommen, betont sie.
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Sie bedauert generell, dass manche das System des Schenkräumchens nicht respektieren und anerkennen. Dass die Waren dort kostenlos sind, bedeute nicht, dass das Angebot umsonst ist. „Wir haben Nebenkosten, und bezahlen zum Beispiel auch beim Sperrmüll für das, was wir wegbringen müssen.“ Von der ehrenamtlichen Arbeit ganz zu schweigen. Und es stecke auch viel Hilfe von Unterstützern darin – etwa vom Hauseigentümer, der keine Miete verlangt, oder von Firmen. „Es wäre schön, wenn wir die Leute dafür wach machen könnten, dass sie zum Beispiel mit kleinen Spenden unsere Arbeit unterstützen oder zumindest auf die Dinge achtgeben.“
