VonAndreas Steppanschließen
Die Isar führt seit Wochen ausgesprochen wenig Wasser. Der niedrige Pegel, kombiniert mit dem hohen Freizeitdruck, setzt Fische und andere Flusslebewesen unter Stress, lässt sie abmagern und sterben. Die Behörden raten daher vom Bootfahren ab.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Die größte Hitzewelle scheint vorbei zu sein, zwischendurch hat es seither immer wieder mal geregnet. Das hat aber bislang nichts Grundlegendes daran geändert, dass der Pegel der Isar sehr niedrig ist. Folgen hat das zum Beispiel für die Fische. Der Bezirksfischereiverein Bad Tölz hat bereits etliche tote Tiere registriert und plädiert für ein Bootfahrverbot, zumindest für große Boote mit Tiefgang.
„Kritisch ist die Lage gerade für freiwasserliebende Fische wie die von Aussterben bedrohte Äsche, für Nase oder Barbe“, erklärt der Wackersberger Manfred Haff, Vorsitzender des Bezirksfischereivereins. Leidtragende seien aber ebenso Kleinfische, die gerne Flachwasser und ruhige Stellen bewohnen. Allerdings suchen auch die menschlichen Erholungssuchenden gerade die letzten Lachen auf, in denen sich noch ein wenig Wasser sammelt – teils planschen sie ausgerechnet in Bereichen, die das Wasserwirtschaftsamt eigens als Rückzugsorte für Fische angelegt hat. „Manchmal werden unter den Schritten der Badenden Mühlkoppen einfach zermahlen, die unter Steinen sitzen“, berichtet Michael Gilgenreiner vom Bezirksfischereiverein.
Auch etlichen Passanten fallen die vielen toten Fische im Kies auf. Haff führt das Fischsterben auf den Stress zurück, dem die Fische ausgesetzt seien. Sie finden in der Niedrigwasserphase – verschärft durch den Freizeitdruck an der Isar – kaum noch Rückzugsorte und Fluchtwege. Speziell „schlechte Schwimmer“ wie die Äschen täten sich da schwer. Dazu kommt, dass das Zeitfenster kleiner wird, in dem die Fische sich ihre Nahrung beschaffen können, indem sie dicht unter der Wasseroberfläche schwimmen und etwa Insekten fangen. Dazu fänden sie praktisch nur in den Abendstunden Gelegenheit, wenn sie einmal nicht von Menschen verscheucht werden. „Es kehrt einfach keine Ruhe ein“, sagt Haff.
Der Verein hat daher beim Landratsamt angefragt, ob es das Bootfahren beim aktuellen Niedrigwasser – also einem Durchfluss unter 18 Kubikmeter Wasser pro Sekunde – zumindest für große Raftingboote „mit sechs bis zwölf Mann Besatzung“ untersagen könnte. Haff will nicht den Stab über alle Bootfahrer brechen. „Es gibt auch ganz tolle Besatzungen, die lautlos vorbeigleiten.“ Genau das sei aber auch manchen zu langweilig. „Dann fangen sie an, sich mit den Paddeln gegenseitig vom Boot zu stoßen.“
Auf Anfrage des Tölzer Kurier verweist das Landratsamt auf einen Aufruf, den die Behörde bereits am 3. August in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt veröffentlicht hat. „Darin haben wird dringend darum gebeten, Rücksicht auf die Gewässer und deren Lebewesen zu nehmen, auf das Bootfahren zu verzichten und Wasserentnahmen einzustellen“, erklärt Pressesprecherin Marlis Peischer. Zuletzt habe sich die Situation leicht entspannt. „Zudem sind weitere Niederschläge angekündigt, die Verbesserungen bringen sollten“, so Peischer weiter.
Auch Andrea Kröner, beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim stellvertretend zuständig für den Betrieb des Sylvensteinspeichers, sagt: „Wir raten derzeit aus wasserwirtschaftlicher Sicht davon ab, die Isar zu befahren.“ Grund dafür sei, dass wegen des niedrigen Wasserpegels „das Ökosystem unter Spannung“ stehe. Ohne das steuernde Eingreifen des WWA würde die Isar freilich noch weniger Wasser führen. „Wir schießen seit einigen Wochen kontinuierlich Wasser aus den Sylvensteinspeicher zu“, erklärt Kröner. Wie viel, das werde „nach einer genauen Abwägung auch der naturschutz- und fischereifachlichen Aspekte“ entschieden.
Es sei „die Kunst der Speichersteuerung, das Wasser wohldosiert abzugeben“. Aktuell liege der Pegel des Sylvensteinspeichers etwa drei Meter unter dem normalen Stauziel, etwa ein Drittel der Reserven sei verbraucht. In den vergangenen Tagen hätten zwar „ein paar Unwetterzellen für etwas Aufschub gesorgt“. Dennoch müsse der Speicher weiter genug Reserven behalten, um seine Hauptfunktion weiter zu erfüllen: eben die dauerhafte Niedrigwasser-Aufhöhung. Denn ein nachhaltiges Ende der Trockenheit sei noch nicht absehbar.

