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Die passionierten Radfahrer des ADFC gehörten stets zu den Stützen des „Stadtradelns“ in Weilheim. Doch heuer boykottieren sie die Aktion – aus Frust: Die Stadt tue viel zu wenig zur Förderung des Radverkehrs, kritisiert der ADFC-Kreisverband, das „Stadtradeln“ sei eine „Feigenblatt-Aktion“.
Weilheim – Kommenden Samstag, 25. Juni, fällt der Startschuss fürs dreiwöchige „Stadtradeln“. Weilheim ist zum zwölften Mal dabei. Die Stadt lädt alle, die hier wohnen, arbeiten, zur Schule gehen oder sich ehrenamtlich engagieren, dazu ein, „gemeinsam für den Klimaschutz und die örtliche Radverkehrsförderung in die Pedale zu steigen“. Doch die vielleicht aktivsten Radler Weilheims sind diesmal nicht am Start. Der Kreisverband Weilheim-Schongau des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) hat entschieden, „vorerst kein Team mehr zum Stadtradeln anzumelden, da wir eine reine ,Feigenblatt-Aktion’ nicht unterstützen wollen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.
„Leider sind den Absichten kaum Taten gefolgt“
In den Vorjahren war der Kreisverband stets mit einem eigenen Team, den „ADFC Allstars“, an den Start gegangen und hat für die Stadt Weilheim im Schnitt fast 15.000 Radkilometer pro Ausgabe gesammelt. „Dabei hatten wir immer die Hoffnung, dass die Stadt Weilheim sich nicht nur als Kommune am Stadtradeln beteiligt, sondern auch den Radverkehr nachhaltig fördert“, schreibt der ADFC mit Verweis auf „zahlreiche Absichtserklärungen“ in dieser Hinsicht. So gab die Stadt ein Radverkehrskonzept in Auftrag, das seit gut einem Jahr vorliegt und viele Verbesserungsvorschläge aufzeigt. 2019 fasste der Stadtrat zudem den Grundsatzbeschluss, pro Jahr 350.000 Euro für den Radverkehr zu investieren.
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„Leider sind diesen Absichten kaum Taten gefolgt“, rügt der ADFC-Vorstand. „Angekündigte Radwege, beispielsweise an der Deutenhausener Straße oder an der Ostseite der Münchner Straße in Richtung Aldi/Mediamarkt, fehlen weiterhin und das beschlossene Investitionsvolumen ist bisher nur zu einem kleineren Teil geflossen. Es wurden in den letzten Jahren zwar einige Fahrradstraßen ausgewiesen, aber irgendwie halbherzig und mit einer so bescheidenen Markierung, dass es vielen Radfahrern und noch mehr Autofahrern gar nicht auffällt.“
Zweifel am politischen Willen
Mit Verweis auf die knappen Finanzen würden Jahr um Jahr geplante oder versprochene Maßnahmen verschoben, konstatiert der ADFC. „Nur: warum verspricht man etwas, wenn es gar nicht umsetzbar ist? Oder fehlt einfach der politische Wille dazu und die Bereitschaft, entsprechende Prioritäten zu setzen? Es könnte Letzteres vermutet werden.“ Symbolische Aktionen aber brächten nichts, wenn letztlich der Radverkehr „doch nicht oder nur unzureichend gefördert wird“, monieren die Vorstandsmitglieder – und stellen die Frage, ob es sich beim „Stadtradeln“ um „reines Green-Washing“ handle.
„Konkrete und erkennbare Maßnahmen“ gefordert
Die Stadt Weilheim solle „in den nächsten Monaten und Jahren beweisen, dass es ihr ernst ist mit der nachhaltigen Förderung des Radverkehrs und die Absichtserklärung nun tatsächlich schnell in konkrete und erkennbare Maßnahmen umgesetzt werden“, so schließt das Schreiben der ADFC-Aktiven: „Dann wären wir die Ersten, die zu einer Beteiligung am Stadtradeln wieder aufrufen und ein Team nominieren würden. Dem diesjährigen Stadtradeln wäre es zumindest zu wünschen, dass die Stadträte sich selbst vollzählig oder mehrheitlich beteiligen und nicht nur mit einer Minderheit wie bisher.“
