VonMagnus Reitingerschließen
In der Ammerschule stehen der Stadt Weilheim gewaltige Investitionen bevor. Für die Nachmittagsbetreuung braucht es dort mittelfristig einen Neubau, der mehrere Millionen kosten wird. Und schon 2023 soll ein Interimsgebäude stehen. Keines von beiden taucht bislang im Finanzplan auf.
Weilheim – Wie die Stadt das alles bezahlen soll, ist noch völlig unklar. Dass sie aber gar keine andere Wahl hat, als die räumlichen Voraussetzungen für Mittags- und Nachmittagsbetreuung an ihren Grundschulen zu schaffen, das steht fest. Ab 2026 haben Eltern nach und nach einen Rechtsanspruch auf solche Ganztagsbetreuung. Und schon jetzt ist die Nachfrage groß: An der Weilheimer Hardtschule, wo die offene Ganztagsschule (OGTS) 2018 eingeführt wurde, ist aktuell etwa die Hälfte der rund 400 Schüler auch nachmittags da, wie es am Mittwoch im Hauptausschuss des Stadtrates hieß. Horte würden mittlerweile weniger nachgefragt, der Trend gehe klar zum „offenen Ganztag“ in der Schule, erklärte Stefan Popp, der seitens der Stadtverwaltung die Grundschulen und Kinderbetreuungseinrichtungen betreut.
Ammerschule: Mittagsbetreuung „platzt aus allen Nähten“
Auch die derzeit rund 300 Schüler zählende Ammerschule will die Mittagsbetreuung ausweiten beziehungsweise eine offene Ganztagsschule einführen. Das hat die Schulleitung Ende März dem Rathaus mitgeteilt. Der Standort, der Raumbedarf und viele weitere Fragen werden demnächst in einer so genannten „Planungsphase 0“ mit allen Beteiligten geklärt (wir berichteten). Die Arbeiten für diese Phase, die der eigentlichen Planung vorausgeht, hat Weilheims Bauausschuss soeben zum Angebotspreis von gut 25.000 Euro an das Münchener Büro „bauwärts“ vergeben. Dieses hat vor zwei Jahren bereits die Bürgerbeteiligung zum Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße für die Stadt betreut.
Was auch immer die „Phase 0“ ergibt: Es wird an der Ammerschule – deren Generalsanierung kaum zwei Jahre zurückliegt – einen Neubau für die OGTS brauchen. Und der wird mehrere Millionen Euro kosten. In der Hardtschule, daran erinnerte Stadtkämmerer Christoph Scharf kürzlich bange, sei bei der vorgeschalteten Phase „ein Erweiterungsprojekt herausgekommen, für das wir jetzt 13 Millionen Euro in der Finanzplanung drin haben“. Für die Ammerschule hat die Stadt diesbezüglich noch keine Gelder eingeplant.
Derweil platzt an der Ammerschule die bestehende Mittagsbetreuung – deren Neubau erst 2018 eröffnet wurde – schon jetzt „aus allen Nähten“, wie es heißt. Mit über 100 Kindern sei die Kapazitätsgrenze erreicht, es müssten bereits Kinder „abgelehnt werden“, berichtete Stadtbaumeisterin Katrin Fischer im Hauptausschuss: „Das Gebäude war einfach für den damaligen Bedarf ausgelegt, und die Zeiten haben sich geändert.“
Stadtbaumeisterin will „den Druck aus der Sache nehmen“
Laut Stadtverwaltung ist deshalb eine Zwischenlösung nötig, bis in frühestens fünf Jahren ein Neubau steht. Man müsse „den Druck aus der Sache nehmen“, so Fischer. Vorgeschlagen wird, neben der bestehenden Mittagsbetreuung ein Interimsgebäude zu errichten, das im September 2023 bezugsfertig sein soll. Das könne ein angemieteter Holzmodulbau oder Container sein. Der Auftrag müsste aber noch heuer erteilt werden, und im Haushalt 2023 wären für die Errichtung rund 800.000 Euro einzuplanen. Dazu kämen dann – auch für die folgenden Jahre – noch die Mietkosten.
Appell des Bürgermeisters: „Gut abwägen“
Der Stadtrat müsse sich nun „intensiv damit auseinandersetzen“ und „gut abwägen“, ob man sich das Ganze schon vor Einführung des Rechtsanspruchs leisten könne, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW): „Aber wir wissen alle, dass der Wunsch der Eltern nach Nachmittagsbetreuung da ist.“ Der Bedarf sei nachvollziehbar, fügte Tillman Wahlefeld (BfW) an. Doch mit der Vorstellung, in eine „Phase 0“ für einen Neubau einzusteigen und „gleichzeitig für eine Zwischenlösung so viel Geld in die Hand zu nehmen“, tue er sich fürs erste „ein bisschen hart“.
Das Provisorium soll möglichst lange halten
Beschlossen wurde bei dieser ersten Diskussion im Ausschuss noch nichts. Als möglicher Weg deutet sich an, ein Interimsgebäude aufzustellen, das zumindest sieben Jahre nutzbar sein solle, und sich so finanziell etwas Luft zu verschaffen. Wäre es nicht möglich, Module eines Provisoriums später einfach zu erweitern und so eine günstigere Dauerlösung zu erhalten? „Das funktioniert leider nicht“, antwortete die Stadtbaumeisterin auf diese Frage von Petra Arneth-Mangano (SPD).
So oder so: „Wir dürfen da jetzt nicht nur aufs Geld schauen, sondern müssen dafür sorgen, dass die Kinder gut untergebracht werden“, betonte Arneth-Mangano. Ähnlich CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder: „Wir müssen da eine Lösung finden, bei allen haushalterischen Problemen. Das würden die Eltern nicht verstehen, dass es an der Hardtschule eine OGTS gibt und an der Ammerschule nicht.“
