VonMagnus Reitingerschließen
Da sei „etwas Großartiges“ entstanden, eine Bereicherung für die Kreisstadt und die ganze Region: Schon vor der offiziellen Eröffnung wird der neue „Skulpturenweg Weilheim“ gefeiert. Eine Ausstellung im Stadtmuseum zeigt, wie alles entstanden ist.
Weilheim – Gut ein Jahr lang haben drei Stadtratsmitglieder und eine Handvoll Aktive des Kunstforums Weilheim intensiv an ihm gearbeitet, mit viel ehrenamtlichem Engagement. Nun sind sämtliche Werke des neu geschaffenen Skulpturenwegs aufgestellt, kommenden Dienstag ist die offizielle Eröffnung. Und schon vorab ist im Stadtmuseum am Marienplatz zu sehen, wie es zu all dem kam, wer die Skulpturen schuf und welche Ideen die Künstler damit verfolgen.
Warum es solche Projekte dringend braucht, das hat Ausstellungsmacher Stefan König, der Vorsitzende des Kunstforums, groß auf eine Innenwand des Museumsfoyers geschrieben: Kunst im öffentlichen Raum, so steht da schwarz auf weiß, trage „in besonderer Weise zur Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt bei“. Ein Satz, der aus einer druckfrischen Handreichung des Deutschen Städtetags stammt – und den in Weilheim jetzt zehn nagelneue, eigens für die Stadt konzipierte Kunstwerke mit Leben füllen.
Bewerbungen von 65 bayerischen Künstlern
65 Künstler aus ganz Bayern hatten sich dafür mit Entwürfen beworben (wir berichteten). Eine fünfköpfige Fachjury hat die zehn überzeugendsten Arbeiten ausgewählt, die nun zwischen Altstadt und Ammer aufgestellt wurden. Zusammen mit vier Werken, die schon länger zum Stadtbild gehören, verbinden sie sich zum Skulpturenweg, der zu einem inspirierenden Spaziergang einlädt – Gehzeit: rund 35 Minuten – und überregional beworben wird.
2. Bürgermeisterin Angelika Flock, die das Projekt gemeinsam mit Marion Lunz-Schmieder initiiert hat (siehe unten), sprach bei der bestens besuchten Ausstellungseröffnung am Dienstagabend von einer „ganz wunderbaren Zusammenarbeit zwischen Kunstforum und Stadt. Letztere zahlt 10.000 Euro für den Skulpturenweg, dessen Gesamtkosten bei gut 80.000 Euro liegen. Die finanzielle Basis schufen knapp 30.000 Euro aus dem Kulturfonds Bayern. Auch Bezirk und Landkreis geben Zuschüsse, und rund ein Viertel der Gesamtkosten tragen Sponsoren vor Ort.
Kunst müsse „Teil der täglichen Lebenserfahrung“ sein
Dass das Geld bestens investiert ist, darüber herrschte Einigkeit bei der Vernissage. „Kunst ist das, was uns als Individuen nährt und als Gesellschaft ausmacht“, sagte Ragnhild Thieler, die Kulturreferentin des Stadtrates. Deshalb müsse Kunst „Teil der täglichen Lebenserfahrung“ und im öffentlichen Raum präsent sein. Die Sonderausstellung im Museum stellt auf kompakte Art alle zehn neuen Skulpturen vor, zeigt Entwürfe und Modelle der sehr verschiedenen, oft auch gewitzten Arbeiten. Dazu gibt es kurze Porträts der Künstler und Einblicke in deren Gedanken zum eigenen Werk.
Tobias Güthner, Leiter des Stadtmuseums, zeigte sich „sehr glücklich“ über diese Schau, für die er nur den Raum bieten musste und die perfekt die Museums-Aufgabe erfülle, „auch Hintergründe und Entwicklungen aufzuzeigen“. Es sei „ein faszinierender Raum in diesem ansonsten zurzeit doch sehr traurigen Haus“ entstanden, so Kurator König mit Blick auf die anhaltende Schließung der Dauerausstellung und die aufgeschobene Sanierung.
Immerhin gibt es unter freiem Himmel jetzt mehr Kunst zu bestaunen – als „Nahrung für die Seele und Anstoß für den Geist“, wie Andrea Kreipe sagte. „Nicht jedem werden alle zehn neuen Werke gefallen“, fügte die Projektleiterin hinzu – „aber die Auseinandersetzung ist wichtig und die Toleranz.“
Die Sonderausstellung im Stadtmuseum ist bis zum 7. Oktober zu sehen: dienstags bis samstags 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen online: www.skulpturenweg.kunstforum-weilheim.de
Das Team hinter dem „Skulpturenweg Weilheim“
Acht Aktive aus dem Stadtrat und dem Kunstforum bildeten das „Kernteam“, das den Skulpturenweg erdacht und umgesetzt hat – in ebenso effizienter wie harmonischer Zusammenarbeit, wie 2. Bürgermeisterin Angelika Flock bei der Ausstellungseröffnung würdigte. Sie selbst hat das Projekt vor Jahren gemeinsam mit ihrer Fraktionskollegin Marion Lunz-Schmieder initiiert und im Stadtrat beantragt, Kulturreferentin Ragnhild Thieler habe dazu erfolgreiche „Überzeugungsarbeit“ in den Gremien geleistet.
Gemeinsam holten sie zur Umsetzung das Kunstforum ins Boot, die Böbinger Bildhauerin Andrea Kreipe bildet als Projektleiterin „die Triebfeder und hält alle Fäden zusammen“, so Flock: „Sie ist die ideale Leiterin dieses Projekts.“ Den Kunstforum-Vorsitzenden Stefan König, der auch die Ausstellung im Stadtmuseum schuf, nannte sie den „Motor des Teams, der immer Gas gibt“. „Unersetzlich“ sei Christian Bolley, 2. Vorsitzender des Kunstforums, der etwa Einladungen gestaltete sowie „immer und überall“ helfe.
Kunstforum-Gründer Wolf Schindler beschrieb Flock als „Ordner des kreativen Chaos: Er schreibt wunderbare Pläne und Listen und bewahrt die Ruhe“. Die Schongauer Unternehmerin und Kultur-Aktive Christine Fremmer, erfahren als Coach, kümmerte sich ums Finanzielle. „Im Hintergrund“, so Kreipe, wirken zudem Richard Maier (Homepage) und Susanne Kohler (Fotografie).
