VonMagnus Reitingerschließen
Werden bald auch die letzten Bäume an der Bahnhofsgasse für den Straßenausbau gefällt? Laut Stadtbauamt bleibt keine andere Wahl, ein neues Gutachten habe das bestätigt. Doch einige Stadtratsmitglieder wollen die Hoffnung auf Alternativen noch nicht aufgeben.
Weilheim – Nachdem sämtliche Bäume auf der Westseite der Weilheimer Bahnhofsgasse bereits im Februar beseitigt wurden, droht nun auch die Fällung der verbliebenen Bäume auf der Ostseite. Denn im Zuge der Neubebauung auf beiden Seiten der Gasse muss in diese erstmalig ein Kanal eingelegt und die Straße ausgebaut werden. Auf dem früheren Güterbahnhof-Areal westlich der Gasse will ein Münchner Investor bekanntlich bis zu 150 Wohnungen und Appartements errichten; auf der Ostseite entsteht in einem Garten das so genannte „Mehrgenerationenhaus“ des Bürgerheims. Laut Stadtbauamt werden die dafür nötigen Kanal- und Straßenbauarbeiten „in diesem ohnehin engen Bereich so nah an und in den Wurzelbereich der Bäume eingreifen, dass diese gefällt werden müssen“.
Stadtratsmitglieder fordern, „die Straße den Bäumen anzupassen“
Doch der Bauausschuss des Stadtrates wollte diese Aussage im Juli so nicht hinnehmen und forderte, Alternativen zu prüfen, um möglichst viele Bäume zu erhalten (wir berichteten). Die Stadtverwaltung gab deshalb ein Baumgutachten für den Bestand östlich der Bahnhofgasse in Auftrag – und dessen Aussage sei klar, hieß es nun in der September-Sitzung des Bauausschusses: Die neun betroffenen Bäume seien „nicht unerheblich“ vorgeschädigt und man müsse davon ausgehen, dass sie mit Durchführung der Tiefbaumaßnahmen „nicht gehalten werden können“. Auch durch Kabelverlegungen der Telekom seien die Wurzeln dieser Bäume zuletzt beschädigt worden, ergänzte Stadtbaumeisterin Katrin Fischer.
SPD-Vertreter Horst Martin zeigte sich im Bauausschuss enttäuscht, dass nur ein Baumgutachten erstellt wurde – statt zu prüfen, ob ein anderer technischer Ausbau möglich wäre. Denn seiner Ansicht nach gilt es, „die Straße den Bäumen anzupassen“. Doch dafür habe man „keine Lösung gefunden“, antwortete Fischer. Schon für die jetzige Ausbauplanung habe man Grund von Anliegern zukaufen müssen, mehr sei wohl nicht zu bekommen – und würde im übrigen bedeuten, dass auf der Westseite „nur noch eine Riegelbebauung“ statt Gebäuden mit begrünten Höfen möglich wäre. „Man hätte am Anfang vielleicht mehr darauf achten sollen“, so die Stadtbaumeisterin, aber mit der fortgeschrittenen, bereits genehmigten Planung auf beiden Seiten seien diese Bäume nun nicht mehr zu retten.
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Auch mit Investor soll noch mal verhandelt werden
Man müsse sich dem Ergebnis des Gutachtens stellen, sagte Rupert Pentenrieder (BfW), der Grün-Referent des Stadtrates: „Wir können das Ganze nicht mehr auf Null stellen, wir brauchen die Straße.“ Als Ausgleich schlug er vor, zusätzlich zu den ohnehin geforderten Ersatzpflanzungen vor Ort noch mal ebenso viele Bäume an anderer Stelle in der Stadt zu pflanzen. Mit Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer arbeite er bereits an einem Standort-Vorschlag.
Doch die meisten Mitglieder des Bauausschusses wollen den drohenden Kahlschlag an der Bahnhofsgasse nicht hinnehmen. „Wir fordern von anderen Bauwerbern so viel“, betonte Klaus Gast (CSU), „und bei der eigenen Straße würden wir sagen ,tut uns leid, ist halt so passiert’ – das geht nicht“. Auch Alfred Honisch (Grüne) appellierte, „noch nicht die Waffen zu strecken“. Auch mit dem Investor für das Areal westlich der Gasse solle noch mal verhandelt werden. Gerd Ratter (ÖDP) fügte an, er wolle definitiv überprüft sehen, ob es andere Lösungen für den Straßenausbau gibt.
Bürgermeister Markus Loth: „Wir drehen uns im Kreis“
„Wir drehen uns im Kreis“, fasste Bürgermeister Markus Loth (BfW) die Debatte zusammen und schlug vor, die Entscheidung über die Fällung erneut zu vertagen. In einer der nächsten Sitzungen solle ein Straßenplaner und womöglich auch der Landschaftsplaner des Investors eingeladen werden, um noch einmal mögliche Alternativen zu eruieren. Diesen Vorschlag trugen sämtliche Ausschuss-Mitglieder mit.
