Wegen Kanal- und Straßenbau

Bahnhofsgasse: Jetzt droht Fällung der letzten Bäume - Aber es gibt Gegenwehr

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Nach dem Kahlschlag auf der Westseite droht jetzt auch den Bäumen auf der Ostseite der Bahnhofsgasse die Fällung – wenn nicht eine „abgespeckte Lösung“ kommt.
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Auf der Westseite hat die Weilheimer Bahnhofsgasse bereits einen Kahlschlag hinter sich. Jetzt droht auch den noch verbliebenen Bäumen auf der Ostseite die Fällung – für den Kanal- und den Straßenbau. Doch das will Weilheims Bauausschuss nicht einfach so hinnehmen.

Weilheim – Für die Stadtverwaltung schien der Fall schon klar: Die Bäume, die aktuell noch entlang der Bahnhofsgasse stehen, müssten weg. Jene auf der Westseite, wo ein Investor aus München Neubaublocks mit insgesamt bis zu 150 Wohnungen und Appartements errichten will, wurden im Februar schon für die Neuverlegung des Abwasserkanals gefällt. Jetzt geht es um neun teils stattliche Bäume auf der Ostseite. Der Grund, auf dem sie stehen, gehört inzwischen der Stadt. Doch „schweren Herzens“, so Stadtbaumeisterin Katrin Fischer, habe man feststellen müssen: Das mit der Grundabtretung verbundene Ziel, die Baumreihe zu erhalten, „funktioniert nicht“.

„Trotz aller planerischer Bemühungen“, so hieß es jüngst im Bauausschuss des Stadtrates, könne man diese Bäume nicht halten. Die Kanal- und Straßenbauarbeiten – nötig für die genannte Bebauung des früheren Güterbahnhof-Areals sowie für das geplante „Mehrgenerationenhaus“ des Bürgerheims östlich der Gasse – werden laut Stadtbauamt „so nah an und in den Wurzelbereich der Bäume eingreifen, dass diese gefällt werden müssen“. Die bis dato nur provisorisch angelegte Bahnhofsgasse wird erstmals erschließungsrechtlich hergestellt und mit einem Kanal versehen.

Laut Einzelbetrachtungen kann keiner der Bäume stehenbleiben

Alle neun Bäume seien einzeln betrachtet worden, versicherte Fischer im Bauausschuss. Ergebnis: Keiner davon sei haltbar. Für Ausgleich sollen Ersatzpflanzungen, der Erhalt der Grünzone und eine Muldenversickerung sorgen. Das Stadtbauamt betonte zudem, dass besagte Bäume „ohnehin auf Grund der engen Situation in den letzten Jahren immer wieder in ihren Kronenbereichen zurückgenommen werden mussten“.

Dennoch verwehrte Weilheims Bauausschuss vorerst die Freigabe zur Fällung. Diese „alten, gesunden, wertvollen Bäume“ seien zu wichtig und stadtbildprägend, um sie auf diese Weise hinzugeben, betonte SPD-Vertreter Horst Martin. Da müsse man „nach fantasievolleren Lösungen suchen“. Seinen Recherchen zufolge wäre der Kanalbau auch schmaler möglich, und der künftige Verkehr in der Gasse sei ja trotz Neubauten „übersichtlich“.

Ratter: „Jegliche Ersatzpflanzung braucht Jahre bis zu entsprechender Wirkung“

Wenn man Bäume dadurch erhalten könne, gelte es die Straße umzuplanen, das sei auch „von Nutzen für den Investor“, bekräftigte Gerd Ratter (ÖDP): „Jegliche Ersatzpflanzung braucht Jahre bis zu entsprechender Wirkung.“ Ähnlich äußerte sich Alfred Honisch: „Von der Haltung ,Baum geht im Weg um’ muss man sich trennen“, so der Grünen-Vertreter, „Vorgabe muss sein, Bäume zu erhalten“. Und da sehe er in diesem Fall „noch Luft nach oben“.

„Bitte noch mal drüber schauen“, appellierte auch CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder: „Wir haben in der Zwischenzeit, glaube ich, alle erkannt, wie wertvoll alter Baumbestand ist.“ Ob beim Kanalbau Alternativen möglich sind, das müsse man hier auf jeden Fall eruieren und sich dafür Zeit nehmen, sagte BfW-Fraktionssprecherin Brigitte Holeczek.

Fachplaner soll eingeschaltet werden

In diesem Sinne, so der einstimmige Beschluss des Bauausschusses, soll nun ein Fachplaner prüfen, ob für den Kanal- und Straßenbau an der Bahnhofsgasse eine „abgespeckte Lösung“ möglich ist. Das muss allerdings recht schnell gehen. Denn laut Stadtbaumeisterin Katrin Fischer ist vorgesehen, schon im Frühjahr 2024 „den vorläufigen Ausbau dieser Straße zu erstellen“.

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