VonMagnus Reitingerschließen
Mit großer Mehrheit haben Weilheims Bürger für den Bau eines Heizkraftwerks am Kranlöchl votiert. Lesen Sie hier Reaktionen darauf.
Weilheim – Insgesamt 17.148 Weilheimerinnen und Weilheimer waren am Sonntag zu zwei Bürgerentscheiden in Sachen „Energiezentrale Kranlöchl“ aufgerufen. Davon haben 10.135 ihre Stimmen abgegeben. Laut den vorläufigen Ergebnissen, die die Stadt Weilheim auf ihrer Homepage veröffentlicht hat, befürworteten 69,3 Prozent das Ratsbegehren, wonach die laufende Bauleitplanung für die „Energiezentrale Kranlöchl“ auf dem ehemaligen Gärtnerei-Gelände fortgesetzt werden soll: 6565 von 10.135 abgegebenen Stimmen lauteten hier „Ja“, 2908 „Nein“. Das nötige Quorum von 20 Prozent aller Wahlberechtigten (3430 Stimmen) ist damit erreicht.
Lesen Sie auch den Kommentar zum Bürgerentscheid in Weilheim: Im Ergebnis steckt ein Auftrag an die Stadt
Beim konkurrierenden Bürgerbegehren – das die „Energiezentrale Kranlöchl“ verhindern wollte und stattdessen einen Standort unmittelbar am Narbonner Ring forderte – stimmten 3220 Bürger (37,0 Prozent) mit Ja und 5485 mit Nein.
Bei der Stichfrage für den Fall, dass beide Bürgerentscheide „in einer miteinander nicht zu vereinbarenden Weise jeweils mehrheitlich mit Ja beantwortet“ worden wären, votierten 65,5 Prozent für das Ratsbegehren und 34,5 Prozent für das Bürgerbegehren.
Um die zehn Prozent ungültige Stimmen bei den Bürgerentscheiden
Die Wahlbeteiligung war mit 59,1 Prozent außergewöhnlich hoch für Bürgerentscheide. Das hängt gewiss mit der Tatsache zusammen, dass die Stimmabgabe mit der Landtagswahl gekoppelt wurde. Relativ hoch war jeweils auch die Zahl der ungültigen Stimmen: beim Ratsbegehren waren dies 6,5 Prozent, beim Bürgerbegehren 14,1 und bei der Stichfrage 11,0 Prozent – beispielsweise, weil gar nichts angekreuzt war. Vor den Entscheiden am vergangenen Sonntag hatte es in der Stadt Weilheim bis dato übrigens nur einen einzigen Bürgerentscheid gegeben: im Dezember 1997 zum Thema „Südspange“.
Stadtwerke-Chef Peter Müller: „Besser hätte es nicht laufen können“
Beim geplanten Heizkraftwerk am Kranlöchl handelt es sich, wie berichtet, um eine von insgesamt fünf Energiezentralen für das im Aufbau befindliche Fernwärmenetz in Weilheim – und zwar um jene für den Nord-Osten Weilheims. Bauherr dafür sind die Stadtwerke Weilheim. Und deren Geschäftsführer Peter Müller äußerte sich am Montagnachmittag hoch erfreut über das Ergebnis der Bürgerentscheide. Man sei damit „vollauf zufrieden“, sagte Müller auf Anfrage der Heimatzeitung, „besser hätte es nicht laufen können“. Durch die hohe Wahlbeteiligung habe sich ein „breites Abbild“ ergeben. Die „sachliche Information“ und die „durchschlagenderen Argumente“ seitens der Stadtwerke seien goutiert worden, so Müller weiter: „Die Wähler sind der Argumentation gefolgt, dass hier kein Exitus droht.“
Klinkicht moniert „Angst-Propaganda“ durch Stadtwerke und Stadtratsmehrheit
Enttäuscht dagegen die Reaktion von Ullrich Klinkicht als Mitinitiator des „Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim“, das die Entscheide mit seinem erfolgreichen Bürgerbegehren erwirkt hatte: Doch „nach den massiven Falschmeldungen und der erzeugten Angst-Propaganda durch die Stadtwerke und die Mehrheit im Stadtrat war so etwas zu erwarten“, so Klinkicht – der für die Gruppierung „Weilheim Miteinander“ im Stadtrat sitzt – am Montag gegenüber unserer Zeitung. Positiv sei immerhin, „dass die Weilheimerinnen und Weilheimer über diese wichtige Sachfrage direkt abstimmen konnten“. Außerdem zeige die Abstimmung, „dass trotz 97 Prozent Zustimmung im Stadtrat mehr als 30 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, die abgestimmt haben, eine ablehnende Meinung zum geplanten Heizkraftwerk am Kranlöchl haben“.
Bald gibt‘s eine Probebohrung am Kranlöchl, 2024 werden Leitungen gebaut
Mit dem Ergebnis der Entscheide kann die Bauleitplanung nun wie von der Stadt vorgesehen fortgeführt werden. Auf dem Kranlöchl-Gelände wollen die Stadtwerke bald eine Probebohrung für oberflächennahe Geothermie durchführen (diese ist Teil des geplanten Energiemixes), kommendes Jahr sollen dort erste Abbrucharbeiten stattfinden und zeitgleich der Leitungsbau beginnen, etwa in der Römerstraße. 2025 soll Baubeginn für die Energiezentrale sein, so Müllers Zeitplan – dann könnte diese womöglich im selben Jahr noch Fernwärme liefern.
Auch interessant: Von Eberfing in die Musikwelt: Von diesen beiden Brüdern wird man noch viel hören

