VonMagnus Reitingerschließen
Das Ergebnis der Bürgerentscheide zur Energiezentrale Kranlöchl in Weilheim ist eine Bestätigung für den Stadtrat - aber auch ein Auftrag, meint unser Kommentator.
Das Ergebnis ist deutlich, und es ist dank einer großen Beteiligung an den Bürgerentscheiden hoch valide: Mehr als zwei Drittel der Weilheimer sagen Ja zu einem Heizkraftwerk am Kranlöchl. Und sie sagen damit Ja zu einer raschen Umsetzung des geplanten Fernwärmenetzes in Weilheim.
Nicht alle, die für ihn stimmten, finden den Standort Kranlöchl toll
Letzteres war wohl für viele der entscheidende Punkt – auch wenn es so nicht auf dem Stimmzettel stand. Gewiss finden nicht alle, die nun für den Standort Kranlöchl votierten, diesen toll und komplett unproblematisch. Aber sie sehen eine Neu-Ausweisung direkt am Narbonner Ring noch kritischer. Und vor allem wollen sie das ambitionierte Energiewende-Projekt „Fernwärmenetz Weilheim“ nicht verzögern. Der Hinweis, dass eine Umorientierung und Neuplanung viel Zeit kosten würde – und zugleich mindestens ebenso viel Gegenwind einbrächte –, hat Wirkung gezeigt.
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Großer Einsatz der Stadträte fürs Ratsbegehren
So ist der Ausgang dieser Bürgerentscheide ein Erfolg und eine Bestätigung für die Stadtwerke Weilheim und für die große Stadtratsmehrheit. Und es war klug von Letzterer, ein Ratsbegehren gegen das Bürgerbegehren zu setzen – und sich so das Heft des Handelns nicht entreißen zu lassen. Dazu kam ein großer Einsatz von Ratsmitgliedern (die sämtlichen Bürgern ein eindringliches Schreiben zukommen ließen) und massive „Wahlhilfe“ pro Kranlöchl von der „Energiewende Oberland“ und von Anwohnern des Narbonner Rings.
Bürger müssen einbezogen werden, bevor Grundsatzentscheidungen fallen
Bei all dem dürfen sich Stadt und Stadtwerke jetzt nicht täuschen lassen. Die große Zustimmung heißt nicht, dass Weilheims Bürger deren bisheriges Vorgehen in allem gutheißen und dass sie das weitere Geschehen nicht kritisch begleiten werden. Für weitere Stadtentwicklungsprojekte in der Zukunft bedeutet das: Bürger müssen früher und besser über Vorhaben informiert werden –und zwar, bevor die Grundsatzentscheidungen fallen.
Verantwortliche für die „Energiezentrale Kranlöchl“ stehen jetzt im Wort
Und für das Projekt „Energiezentrale Kranlöchl“ stehen die Verantwortlichen bezüglich einiger kritischer Punkte im Wort. Um nur zwei zu nennen: Dass die Alleebäume am Kranlöchl durch Leitungsbau und Transportverkehr keinen Schaden erleiden, wurde faktisch versprochen. Und wenn die Angabe stimmt, dass es für Anlieferungen zur künftigen Energiezentrale „maximal drei bis vier Lkw-Fahrten pro Tag“ braucht, sollte kein Straßenausbau nötig sein.
Auch daran werden die Vertreter von Stadt und Stadtwerken seitens der Bürger gemessen werden. Und davon wird das Vertrauen bei weiteren künftigen Großprojekten abhängen. Magnus Reitinger
