VonMagnus Reitingerschließen
Gegen die Pläne der Stadtwerke Weilheim, zwischen Tennisanlage und Dietlhofer See ein Heizkraftwerk zu errichten, regt sich Widerstand - mit einer Unterschriftensammlung für den Erhalt des „Naherholungsidylls“ am Kranlöchl.
Weilheim – Mit einer Unterschriftensammlung setzt sich die Weilheimerin Eva Maria Engel dafür ein, „das wunderschöne, artenreiche Biotop auf dem Gelände Kranlöchl“ zu erhalten. Zwar handle es sich nicht um ein amtlich kartiertes Biotop, räumt die Initiatorin ein. Doch seit mehreren Jahren werde der dortige Garten von mehreren Weilheimern – darunter sie selbst – „liebevoll bepflanzt, gehegt und gepflegt“. Er diene vielen Spaziergängern als „gern gesehenes Naherholungsidyll auf dem Weg in den Stadtwald“. Engel verweist auf „Gemüseanbau mit alten bayerischen Saatgutsorten, italienischen und syrischen Sämereien“. Zudem handle es sich um „ein Eldorado für Insekten aller Art“; Eidechsen, Schlangen und sogar die geschützte Haselmaus habe man dort schon gesichtet. „Dieses wertvolle Biotop muss unbedingt erhalten bleiben und geschützt werden“, so das Fazit der Weilheimerin: „Dafür sammeln wir Unterschriften und appellieren an die Verantwortlichen.“
„Muss man ausgerechnet dieses Gelände opfern?“
Dass dort nun eine Heizzentrale für das im Aufbau befindliche Fernwärmenetz in Weilheim geplant ist (wir berichteten), findet Eva Maria Engel „unmöglich“ – und zwar nicht nur aus persönlicher Betroffenheit, wie sie betont. Sie könne nicht beurteilen, ob solche Heizkraftwerke generell energetisch sinnvoll seien, sagt die Weilheimerin im Gespräch mit der Heimatzeitung. Doch das Kranlöchl sei „die falsche Stelle“ dafür, auch wegen der nötigen Erschließung: „Muss man ausgerechnet dieses Gelände opfern?“, fragt sie und verweist auch auf die vielen Spaziergänger und Radler, die dort unterwegs sind.
Viele hätten keinerlei Kenntnis vom Projekt „Heizkraftwerk“
Am Weg, der oberhalb des Geländes in den Stadtwald führt, habe sie in den vergangenen Tagen immer wieder mit Passanten über das Projekt gesprochen, so Engel weiter: „Dabei bemerkte ich, dass die meisten keinerlei Kenntnis davon haben, und/oder fehlerhafte bis komplett falsche Informationen grassieren.“ Rund 120 Unterschriften für den „Erhalt des Biotops am Kranlöchl“ hat die Initiatorin bereits vor Ort gesammelt. Diese stammten überwiegend von Weilheimern, aber auch von Spaziergängern aus der Umgebung, erklärt Engel. Weitere Unterschriftenlisten liegen ihr zufolge im nahen Tennisstüberl, im Hofcafé von Gut Dietlhofen, im „Café M“ an der Kaltenmoserstraße sowie in den Läden „elementar“ und „Alge Unverpackt“ in Weilheims Altstadt aus.
Engel ist wichtig, nicht als Querulantin wahrgenommen zu werden. „Es ist toll, dass man den Mund aufmachen kann, und ich sehe, dass das in dieser Sache vielen ein Anliegen ist.“ Es gehe nicht generell gegen das Projekt „Heizkraftwerk“, überhaupt wolle sie „kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander“. Und sie fügt hinzu: „Am schönsten wäre natürlich, wenn man im Vorfeld reden könnte und nicht erst, wenn es Spitz auf Knopf steht.“
Noch im September Beschluss für Bebauungsplan
Die Zeit für die Aktion drängt: Wie berichtet, endet am 19. September die Einspruchsfrist für die Änderung des Flächennutzungsplans, in dem die Stadt eine „Sonderbaufläche Energiezentrale“ ausweisen will. Die Unterlagen dafür können bis dahin online unter www.weilheim.de sowie im Stadtbauamt eingesehen werden. Noch diesen Monat will der Stadtrat dann einen „Vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ auf den Weg bringen. Das Grundstück am Kranlöchl „gehört seit vielen Jahren der Stadt“, wie Bürgermeister Markus Loth (BfW) in der jüngsten Stadtratssitzung sagte. Aktuell ist es noch an den seit Jahrzehnten dort ansässigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb verpachtet.
