Weilheim

Dieser Dichter begeistert die Jugend

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Sie wählten den Preisträger aus: Die Schülerjury des Gymnasiums für den Weilheimer Literaturpreis 2025 – (v.l.) Abdurrahim Felsl, Theresa Kochenbach, Tanja Arendt, Hannah Berger, Helene Traub, Anna Ruberg, Lukas Lauerer und Ferdinand Pfeifer.
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Der Berliner Poetry-Slam-Pionier Bas Böttcher (49) bekommt den nächsten Weilheimer Literaturpreis. Die achtköpfige Schülerjury des Gymnasiums wählte ihn unter rund zehn Kandidaten aus; Preisverleihung ist im Frühjahr 2025.

Es ist eine in jeder Hinsicht ehrenvolle Reihe, in der Bas Böttcher mit dieser Entscheidung der Schülerjury steht: Unter den bislang zwölf Trägern des Weilheimer Literaturpreises sind bekannte Namen wie Ilse Aichinger, Loriot, Siegfried Lenz und Sten Nadolny. Seit 1988 wird dieser Preis in mehrjährigen Abständen verliehen, zuletzt bekam ihn 2020 Saša Stanišic. Dotiert ist er aktuell mit 7500 Euro, finanziert großteils von der Stadt Weilheim.

Es ist der einzige deutsche Literaturpreis, den Schüler vergeben

Dabei handelt es sich um den einzigen deutschen Literaturpreis, den Schüler vergeben. Die von den Deutschlehrern des Gymnasiums Weilheim eingeladenen Juroren wählen dafür einen Schriftsteller aus, dessen Werke sie „Gleichaltrigen in besonderer Weise zur Lektüre empfehlen“. In Frage kommen dafür alle noch lebenden Autoren, die am Gymnasium Weilheim Dichterlesungen hielten und denen eine Ausgabe der 1980 begründeten „Weilheimer Hefte zur Literatur“ gewidmet wurde.

Bas Böttcher bei seinem Auftritt im März 2023 im Gymnasium Weilheim.

Tatsächlich waren es letztlich rund zehn Kandidaten, unter denen die acht Juroren – die aktuell die 12. Klasse besuchen – ihren Favoriten bestimmten: Sie beschäftigten sich vorrangig mit den Schriftstellern, die in den vergangenen Jahren zu Gast waren, darunter Friedrich Ani, Michael Köhlmeier, Zsuzsa Bánk, Peter Stamm und Marlene Röder. Anhand eigens aufgestellter Kriterien engten die Schüler den Kreis der sehr unterschiedlichen Autoren über mehrere Monate ein. Als Mentorin stand ihnen dabei Literaturwissenschaftlerin Pia-Elisabeth Leuschner vom „Lyrik Kabinett München“ zur Seite. Sie ist vor Ort keine Unbekannte, hielt sie doch die Laudatio, als Nora Gomringer 2015 in der Stadthalle den Weilheimer Literaturpreis erhielt.

„Enges Kopf-an-Kopf-Rennen“ vor Entscheidung über Weilheimer Literaturpreis

In drei gemeinsamen Workshops tauschten die Jurymitglieder ihre Leseerfahrungen aus und beurteilten die Kandidaten „anhand ästhetischer und pädagogischer Kriterien“, wie Thomas Sylla als begleitende Lehrkraft berichtet. Ihre Urteilskraft schärften sie in Gesprächen mit Literaten und Besuchen einschlägiger Veranstaltungen, darunter ein Poetry Slam-Workshop, für den die Schüler selbst Texte schrieben.

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Laut Sylla war es „bis zum Schluss ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den einzelnen Kandidaten“, ehe sich die Jury nun auf Bas Böttcher einigte, einen Pionier der Poetry-Slam- und Spoken-Word-Szene in Deutschland, der im März 2023 zu Gast am Gymnasium war. Sein „Weilheimer Heft“ – als Nummer 78 das bislang vorletzte in der Reihe – trägt den Titel „Leichtsein könnte so schön sein“.

Jury lobt Bas Böttchers Humor und politisches Engagement

Böttcher eröffne „jungen Menschen einen niederschwelligen und humorvollen Zugang zur oftmals als sperrig empfundenen Gattung Lyrik“, heißt es in der Begründung der Juroren. Seine Texte zeugten von „innovativer Laut- und Wortakrobatik und politischem Engagement zugleich“. Auch die Pionierarbeit, die der heute 49-Jährige für den Poetry Slam im deutschsprachigen Raum leistete, und sein „interaktives Medienangebot“ sprach die Schüler an.

Bas Böttcher, der in Berlin lebt und von der dortigen Humboldt-Universität heuer zum ersten „Humboldt-Spoken-Word-Poeten“ ernannt wurde, bekommt den Weilheimer Literaturpreis im Frühjahr 2025  überreicht. Dann wird er sich traditionsgemäß mit einer „Rede an die Jugend“ bedanken. Dass diese mitunter große Beachtung findet, zeigt nicht nur die überregionale Berichterstattung in den Medien. So findet sich die Rede, die Lyrikerin Nora Gomringer bei der Preisverleihung im März 2015 in Weilheim hielt, seit diesem Jahr als Arbeitstext im meistgenutzten Deutschbuch für die Klasse 12/13 an bayerischen Gymnasien – im Kapitel „Auf zu neuen Ufern! Mit Reden überzeugen“.

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