VonMagnus Reitingerschließen
Aufgrund „erheblichen Widerstands“ von Bürgern geht die Stadt in die Offensive für das geplante Heizkraftwerk am Kranlöchl. Dieses sei „das größte und wichtigste Klimaschutzprojekt Weilheims“, heißt es aus dem Rathaus.
Weilheim – Im Stadtrat gibt es eine breite Mehrheit für den Bau eines Heizkraftwerks zwischen Tennisanlage und Dietlhofer See – als wesentlicher Baustein für den Aufbau eines Fernwärmenetzes in Weilheim. Doch aus der Bürgerschaft kam zuletzt „erheblicher Widerstand“, sagte Bürgermeister Markus Loth (BfW) in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung. Vergangene Woche wurden ihm rund 300 Protest-Unterschriften überreicht (siehe unten). Es herrsche auch „viel Unwissen“, konstatierte der Rathaus-Chef und folgerte: „Da muss man ein paar Dinge geraderücken.“
Drei Viertel der Wärme aus Holz
So war Stadtwerke-Chef Peter Müller in den Ausschuss geladen, um aufzuklären. Die Energie GmbH des Kommunalunternehmens will auf dem städtischen, derzeit noch an einen Gartenbaubetrieb verpachtete Grundstück am Kranlöchl eine Heizzentrale errichten, die im Endausbau pro Jahr 45.000 Megawattstunden Wärme liefern soll. Drei Viertel davon würden aus Holz, ein Viertel aus oberflächennaher Erdwärme, Solarthermie und Biomethan gewonnen, erklärte Müller.
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Dass Weilheims Wärmebedarf allein aus dem Holz des Stadtwaldes gedeckt werden könnte, das hätten die Stadtwerke „nie behauptet“, betonte der Vorstand: Würde der komplette Holzeinschlag des Stadtwaldes zu Hackschnitzeln verarbeitet, so könnten „im Endausbau vielleicht 15 Prozent der in der Energiezentrale Kranlöchl benötigten Holzhackschnitzel“ aus diesem kommen, der Rest käme von anderen Lieferanten im Umkreis.
Das ist am Kranlöchl konkret geplant:
Die geplanten Wärmeerzeuger fürs Heizkraftwerk Kranlöchl schlüsselte Müller so auf:
- zwei Großwärmepumpen mit je 2 Megawatt thermischer Leistung;
- zwei Holzfeuerungen für waldfrisches Hackgut mit ca. 2 und 4 MW Nennleistung;
- zwei Flüssiges-Biomethan-Blockheizkraftwerke mit je 2,6 MW thermischer Leistung und 2,5 MW elektrischer Leistung – Betrieb nur in den Wintermonaten zum Ausgleich fehlender Photovoltaik-Leistung im lokalen Stromnetz;
- ein Spitzenlast-/Redundanzkessel mit flüssigem Biomethan mit ca. 5 MW thermischer Leistung – „Betrieb nur an sehr kalten Tagen, Beitrag zum Gesamt-Wärmebedarf im Fernwärmenetz nur ca. drei Prozent“. Das Biomethan – laut Müller ein klimaneutraler Kraftstoff – soll aus Geretsried kommen. Öl und Erdgas kämen nicht zum Einsatz.
Standort am Narbonner Ring wäre „zu nah an der Wohnbebauung“
Der geplante Standort am Kranlöchl hat sich Müller zufolge „langsam entwickelt, nachdem auch über eine mögliche Lage direkt am Narbonner Ring gesprochen wurde“, etwa beim Bolzplatz oder bei den Altglascontainern. „Doch das ist alles zu nah an der Wohnbebauung“, so der Stadtwerke-Chef, während das Areal am Kranlöchl weit genug weg und bereits bebaut sei – und sich das Kraftwerk dort „möglichst unauffällig“ im Hang einfüge. Die Gebäudehöhen und auch die Höhe des Abluftkamins (22 Meter über Gelände) würden unter den Baumwipfeln des östlich angrenzenden Waldes bleiben.
Stadtwerke-Chef stellt klar: „Kein Anschlusszwang“
Die nötigen Fernwärmeleitungen sollen zur Schonung der Alleebäume mittig unter der asphaltierten Straße Kranlöchl verlegt werden. In gut zehn Jahren werde es in Weilheim „sicher mehrere“ Heizkraftwerke geben, konstatierte Müller. Wegen des hohen Wärmebedarfs im nördlichen Stadtbereich, auch mit diversen Neubauvorhaben, biete sich dieser für den Start an. Einen „Anschlusszwang“ werde es nicht geben, so Müller: „Es steht jedem frei, welche Heizung er machen will. Die Frage ist einfach, auf welchen Brennstoff will man setzen – Gas wird sicher nicht billiger.“
Gespräch mit der Regierung: Knackpunkt ist das Anbindegebot
Die grundsätzliche Möglichkeit zur Errichtung dieser Energiezentrale wird derzeit im Zuge der Flächennutzungsplan-Änderung von den Fachbehörden geprüft. Knackpunkt ist das Anbindegebot; Ob dieses überwunden werden darf, wird am 13. Oktober mit der Regierung von Oberbayern geklärt. Wenn diese positiv entscheidet, würden die Bürger bald umfassend von den Stadtwerken über das Vorhaben informiert, versprach Müller. Für ihn handelt es sich um das „mit Abstand größte Klimaschutzprojekt in Weilheim“.
Das Kraftwerk müsse „so schnell wie möglich realisiert“ werden
Das bestätigte Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer angesichts der Tatsache, dass man im Stadtgebiet „aktuell noch 90 Prozent fossile Wärmeversorgung“ habe. Vertreter aller Fraktionen versicherten, voll hinter dem Projekt zu stehen. Das Heizkraftwerk müsse „so schnell wie möglich realisiert“ werden, wie es hieß, es gebe keinen besseren Standort dafür. Gleichwohl hätten die Bürger „ein Recht auf Information“.
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In der Stadtratssitzung am Donnerstag, 29. September, ist der Bebauungsplan-Entwurf „Energiezentrale Kranlöchl“ erneut Thema. Die öffentliche Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus Weilheim (großer Sitzungssaal). Zudem steht u.a. die Vorstellung des Gutachtens für einen „Baulandbeschluss“ zur Wertabschöpfung auf der Tagesordnung. Info: www.weilheim.de
Über 300 Unterschriften gegen Standort des Heizkraftwerks am Kranlöchl
Protestlisten mit Unterschriften von gut 300 Bürgern übergab Eva Maria Engel vergangene Woche im Rathaus. Wie berichtet, hatte die Weilheimerin eine Aktion zum Erhalt des „artenreichen Biotops auf dem Gelände Kranlöchl“ gestartet. Das liebevoll bepflanzte Areal, für viele Spaziergänger ein „gern gesehenes Naherholungsidyll“, sei der falsche Standort für das geplante Heizkraftwerk.
Bürgermeister Markus Loth habe die Listen – für die sie noch weitere 32 Unterschriften nachreichen werde – „registriert“, berichtet Engel von der Übergabe. Ihren offenen Brief dazu erhielt der Rathaus-Chef, der später hinzugekommen war, „auf den Schreibtisch gelegt“. Darin setzt sich die Initiatorin mit Aussagen auseinander, die Loth wenige Tage zuvor in einem persönlichen Gespräch getätigt habe. Sie frage sich unter anderem, „wie lang und umfangreich die Bauzeit“ des Kraftwerks sein werde und „wie die täglich zuliefernden 40-Tonner-Lkws bis dort hinten hin und wieder heraus“ kämen, so Engel in dem Brief. Bei insgesamt vier geplanten Heizkraftwerken frage sie sich, „wohin genau und woher auf lange Sicht das ganze Holz kommen soll“. Und da viele der von ihr Befragten schlicht nichts von den Plänen wussten, frage sie sich, „wie man solch wichtige Entscheidungen im Vorfeld besser kommunizieren könnte“.
