VonMagnus Reitingerschließen
Fürs erste durchgefallen, trotz einiger Bemühungen: Das ist, frei übersetzt, das Zeugnis der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen“ für Weilheim. Um Mitglied zu werden, hat die Stadt jetzt elf Monate Zeit für einige Hausaufgaben. Und da ist reichlich zu tun, hieß es jetzt im Verkehrsausschuss.
Weilheim – Seit 2019 ist die Stadt Weilheim „Mitglied auf Probe“ in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern (AGFK). Damals kam erstmals die Bewertungskommission der AGFK auf Besuch, um Weilheims Fahrradfreundlichkeit zu prüfen; danach gab es umfassende Hausaufgaben, die bis heuer erledigt sein sollten. Wie weit die Stadt damit ist, sollte die „Hauptbereisung“ zeigen, zu der drei Prüfer im November 2023 nach Weilheim kamen. Ergebnis: Eine vollwertige AGFK-Mitgliedschaft samt Auszeichnung als fahrradfreundliche Kommune blieb der Kreisstadt vorläufig versagt (wir berichteten).
Unterschiedliche Wahrnehmung des AGFK-Besuchs
Bis Ende Oktober 2024 wurde der Stadt nun erneut ein Zeitfenster eingeräumt, um in einigen Punkten nachzubessern – und „die Prüfung zu wiederholen“, wie Weilheims Radverkehrsbeauftragter Stefan Frenzl am Mittwoch im Verkehrsausschuss des Stadtrates sagte. Dazu erfolge dann keine „Bereisung“ mehr. Es genüge ein Protokoll mit Belegen seitens der Stadt.
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Beim Besuch im November – zu dem noch ein ausführliches Ergebnisprotokoll der Bewertungskommission folge – habe die AGFK durchaus einige Bemühungen in Weilheim positiv bewertet, betonte Frenzl: etwa die Erstellung eines Radverkehrskonzeptes samt „Netzplanung“, die Bereitstellung fester Haushaltsmittel, die Beschilderungen, die Schaffung von Fahrradstraßen oder die Abstellanlagen. Doch fordere die AGFK unter anderem eine Modal-Split-Erhebung seitens der Stadt (siehe unten), mehr Abstimmung mit Nachbarkommunen, eine bessere Öffentlichkeitsarbeit zum Winterdienst und überhaupt mehr Transparenz bei Maßnahmen.
Verkehrsreferent des Stadtrates fordert: „Mehr tun“ für Radfahrer
SPD-Stadtrat Horst Martin, der an der „Hauptbereisung“ teilnahm, ergänzte im Verkehrsausschuss weitere Hausaufgaben, die man bekommen habe – von einer konkreten Jobbeschreibung samt Zeitbudget für den Radverkehrsbeauftragten über die systematische Überprüfung von Beschilderungen bis zu Qualitätsvorgaben für Fahrradstellplätze bei Bauprojekten. „Es ist nicht ohne, diese Hausaufgaben jetzt innerhalb eines Jahres zu erledigen“, so Martin, „da müssen wir auf allen Seiten fleißig sein“.
Die Umsetzung sei „durchaus ein dickes Brett“, befand auch Manuel Neulinger (Grüne), der als Verkehrsreferent des Stadtrates ebenso die AGFK-Kommission begleitet hat. Sein Eindruck von deren Besuch sei „nicht ganz so positiv“, wie es Frenzl wiedergegeben habe. Weilheim müsse mehr tun, um den Grundsatzbeschluss zur Radverkehrsförderung umzusetzen: „Da hinkt’s bei uns ein bisschen. Beim Beschluss vor zwei Jahren hätten wir wohl alle gedacht, dass wir da Ende 2023 etwas weiter sein würden.“
Bürgermeister Loth: „Bitte sehen Sie nicht nur die Brille ,Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad’“
Für Roland Bosch (ÖDP) ist eher fraglich, ob die Stadt die von der AGFK monierten Themen binnen elf Monaten noch abarbeiten könne. Dafür brauche es auch öfter Sitzungen des Verkehrsausschusses (der bislang zweimal jährlich tagt). Und um die nötige Unterstützung durch Ehrenamtliche zu erhalten, müsse der Runde Tisch zum Thema wieder aktiviert werden. Bürgermeister Markus Loth (BfW) verwies an dieser Stelle auf „die hohe Belastung“ des Ordnungsamtes im Rathaus: „Bitte sehen Sie nicht nur die Brille ,Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad’“, so Loth, „da sind noch andere Dinge zu tun“. „Was kann man umsetzen, das nicht so kostenintensiv ist?“, das muss jetzt laut BfW-Vertreter Roland Schwalb die Frage in puncto Fahrradfreundlichkeit sein. Denn: „Unser Haushalt gibt nicht mehr her.“
Aktuelle Gefahrenstellen für Radler in Weilheim
Zwei konkrete Punkte, die nicht unbedingt mit Geld zu tun haben, nannte Brigitte Gronau (Grüne) in der Sitzung: Beim Winterdienst solle etwa kein Schnee auf Fahrradstreifen geschoben werden. Andernorts gebe es sogar die Anweisung, dass erst Radwege und dann Autostraßen geräumt werden, so Gronau. Und nach Bauarbeiten dauere es oft zu lange, bis Beläge und Markierungen für Radler wieder hergestellt werden. Aktuelle Beispiele dafür seien die Zufahrt zum „BayWa“-Neubau an der Münchener Straße sowie die Admiral-Hipper-Straße, wo Autos mangels Markierung oft den Radlern im Weg stünden, die ordnungsgemäß gegen die Einbahnstraße fahren.
Weilheim lässt „Modal-Split“ erheben
Eine so genannte Modal-Split-Erhebung ist eine der Forderungen der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern“ (AGFK) an Städte, die Mitglied bei ihr werden wollen. Dabei soll ermittelt werden, welche Verkehrsmittel im Stadtverkehr zu welchen Anteilen genutzt werden. In Weilheim gab es zuletzt 1997 eine solche Untersuchung. Von Gutachter Harald Kurzak seien damals rund 2000 Haushalte angeschrieben worden, berichtete Radverkehrsbeauftragter Stefan Frenzl im Verkehrsausschuss. Demnach habe der Anteil des Radverkehrs am Stadtverkehr damals rund 28 Prozent betragen – ein Wert, welcher der AGFK unwirklich hoch erscheine, wie Manuel Neulinger, der Verkehrsreferent des Stadtrates, erklärte.
So oder so gelte es nun, „auf adäquate Weise“ den heutigen Radverkehrs-Anteil zu ermitteln. Dann müsse sich die Stadt laut AGFK eine „klare politische Ziellinie“ setzen, wie sehr und wie sie etwa binnen fünf Jahren diesen Anteil erhöhen wolle. Die Stadtverwaltung bereite derzeit eine Modal-Split-Erhebung für 2024 vor und hole Angebote von Fachbüros dafür ein, sagte Frenzl. Laut Bürgermeister Markus Loth soll Anfang 2024 In einer gemeinsamen Sitzung von Bau- und Verkehrsausschuss darüber entschieden werden. Man wolle die Untersuchung nicht zu sehr „aufbauschen“, sondern eher „stark runterbrechen“, so Frenzl.
Bereits 2019 hat Weilheims Stadtrat beschlossen, den Anteil der Radler im Stadtverkehr binnen fünf bis sieben Jahren um fünf Prozent erhöhen zu wollen – ohne damals eine entsprechende Erhebung zu erstellen.
