Seit mehr als fünf Jahren unterhält das Netz gegen sexuelle Gewalt eine Beratungsstelle in Weilheim. Nun präsentierte man sich mit einem neuen verstärkten Team, das sich den vielfältigen Beratungs- und Präventionsaufgaben widmet.
Weilheim – Was vor 30 Jahren als Förderverein begann, ist zu einer festen Institution in der Kreisstadt geworden: das Netz gegen sexuelle Gewalt. Seit Mai 2015 gibt es die Fachberatungsstelle, die zunächst von der Aktion Mensch und Childhood für Kinder finanziert wurde. Als diese Finanzierung nach vier Jahren auslief, wurde durch Vermittlung der Landtagsabgeordneten Susann Enders (FW) eine Anschlussfinanzierung durch das Sozialministerium möglich, die dann auch die Beratung von Erwachsenen einschloss. Seit Beginn diesen Jahres fördert der Landkreis die Beratungsstelle. Mittlerweile gehören sechs Mitarbeiter zum Team. Vorsitzende Rautgunde Lammerer und ihre Vorstandskollegin Angelika Flock stellten die neu formierte Mannschaft mit ihren speziellen Aufgabengebieten im Rahmen eines Pressegespräches vor.
Auch ein spezielles Angebot für Männer
Sozialpädagogin Constanze Off ist die jüngste im Bunde. Sie arbeitete zuvor in sozialtherapeutischen Einrichtungen und in der Schulsozialarbeit und ist beim Netz als Fachberaterin Prävention tätig, wo sie unter anderem Programme für Schulen entwickelt und betreut.
Nestor im Team ist Michael Kosler, der Mann der ersten Stunde. Der Sozialpädagoge bietet seit knapp zwei Jahren Beratung für Männer an. „Das ist ein schwerer Weg“, schildert er sein Anliegen, den Männern klarzumachen, dass sie sexualisierte Gewalt nicht aushalten müssen. „Da geht es um Rollenbilder und darum, die Scham zu überwinden.“ Auch in der Prävention ist Kosler aktiv, etwa beim Selbstbehauptungskurs für Jungen, und er arbeitet auch immer noch für den Kinderhort Franziskus.
Prävention in Schulen und Kitas
Präventionsarbeit für Schulen und Kindertagesstätten ist der Schwerpunkt der Arbeit von Simone Manns. Hier arbeitet die Sozialpädagogin, die einen Master in klinischer Sozialarbeit hat, eng mit Off und Kosler zusammen und bringt ihre Erfahrungen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie der Jugendhilfe-Arbeit ein.
Mit der Heilpädagogin und Psychotherapeutin Monika Reindl, die auch ehrenamtliche Beirätin ist, konnte sich das Netz im Beratungsbereich verstärken. Ihre langjährige Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen bringt sie nicht nur die individuelle Beratung ein, sondern steht auch als Fachberaterin für Einrichtungen zur Verfügung. „Wir haben immer mehr traumatisierte Menschen in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen. Gerade die neuen Medien, die bereits im Kindergartenalter den Zugriff auf Pornografie ermöglichen, stellen uns vor die Aufgabe, den Heranwachsenden eine natürliche Sexualität zu erhalten“, erläutert sie.
„Wir haben immer mehr traumatisierte Menschen“
Ergänzt wird das Team durch die Sozialpädagogin Elisabeth Carr, die ihren Schwerpunkt in der Kunst- und Gestaltungstherapie hat. Nach Tätigkeiten in der Kinder- und Jugendpsychiatrie eröffnete sie eine freie Praxis. Die sechsfache Mutter ist für das Netz hauptsächlich beratend tätig. „Das, was wir hier tun, erfordert Mut, Kompetenz und Sachlichkeit“, weiß Carr und sieht das Netz in diesen Anforderungen bestens aufgestellt.
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Erste Ansprechpartnerin für alles und jeden ist Martha Rauscher, die das Büro der Beratungsstelle betreut. Die gelernte Industriekauffrau, Sekretärin und Fachlehrerin für Textverarbeitung kümmert sich um die Ratsuchenden ebenso wie um die komplette Korrespondenz, Jahresbericht, Homepage, Finanzen, Abrechnung, Mitgliederverwaltung und Bußgeldzuweisungen.
„Wir sind stolz und glücklich, ein so starkes Team für das Netz gegen sexuelle Gewalt gefunden zu haben“, waren sich Lammerer und Flock einig.
von Bianca Heigl