VonMagnus Reitingerschließen
In Weilheims Altstadt werden Stellplätze für Lastenräder und Fahrräder mit Anhängern geschaffen. Der Vorschlag, einen Parkplatz umzuwidmen, bekam keine Mehrheit.
Weilheim – Es ist nicht zu übersehen: In Weilheim sind immer mehr Lastenfahrräder und Räder mit Anhängern unterwegs. Das ist sehr im Sinne des Stadtrates, werden dadurch doch zahlreiche Autofahrten in der Stadt vermieden. Deshalb hat das Rathaus die Anschaffung solcher Gefährte in den vergangenen Jahren auch gefördert: Von 2020 bis 2022 wurden in Weilheim 108 Kinderanhänger, 22 Lastenanhänger und 38 Lastenfahrräder bezuschusst. Und auch wenn dieses „Förderprogramm Radverkehr“ wegen des knappen Stadt-Etats zurzeit ausgesetzt ist, dürften die Zahlen in den nächsten Jahren kräftig steigen. Experten gehen davon aus, dass 2030 in Deutschland gut fünf Millionen Lastenfahrräder unterwegs sind. In Weilheim wäre demnach mit über 700 zu rechnen.
Allerdings: In der Weilheimer Innenstadt fehlen oft Abstellmöglichkeiten für diese bis zu drei Meter langen Vehikel. Normale Fahrradständer bieten dafür in der Regel keinen Platz, und extra dafür vorgesehene Stellplätze gibt es noch gar nicht. Das soll sich nun ändern. Die städtische Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer und der Mobilitätsbeauftragte Stefan Frenzl legten in Abstimmung mit Bau- und Ordnungsamt eine Liste vor, wo in der Altstadt solche Stellplätze eingerichtet werden könnten – wie es in vielen anderen Städten schon der Fall ist.
Alle Fraktionen begrüßen Vorschlag
Im Verkehrsausschuss des Stadtrates gab es nun quer durch die Fraktionen Lob für diese Initiative. „Das geht genau in die richtige Richtung“, befand Manuel Neulinger (Grüne), der Verkehrsreferent des Stadtrates: „Für eine fahrradfreundliche Kommune ist das unabdingbar.“ Wie groß der Bedarf sei, sehe man seit Monaten neben der Rathaus-Baustelle in der Admiral-Hipper-Straße, wo stets zahlreiche Einkäufer ihre Fahrräder – oft auch mit Anhängern – parken. „Es liegt auf der Hand, eigene Bereiche dafür zu schaffen“, so Neulinger, das sei „auch im Interesse der Geschäftsleute“.
Über die Notwendigkeit solcher Stellplätze waren sich die Ausschuss-Mitglieder einig, und auch die vorgeschlagenen Standorte fanden zumeist Zustimmung. So sollen nach und nach am Kirchplatz (beim Brunnen), auf dem Marienplatz (neben dem Stadtmuseum), an der Pöltnerstraße (auf Höhe „Vitalia“ und vor „Blumen am Pöltner Tor“), an der Kreuzgasse (bei „Zauberberg“) und an der Cavaliergasse Stellplätze für Lastenräder und Fahrräder mit Anhängern ausgewiesen werden. Und zwar so, dass sie sich gut ins Stadtbild einfügen und nicht mit anderen Nutzungen kollidieren, wie betont wurde.
Autostellplatz umwidmen? Das geht dem Gremium dann doch zu weit
Uneins war der Verkehrsausschuss nur bei der Admiral-Hipper-Straße, wo man dafür einen Autostellplatz umwidmen müsste. Das wäre gerade in Rathausnähe auch „ein starkes Symbol, dass man etwas für Fahrradfreundlichkeit tut“, so Segerer. Doch mit fünf zu vier Stimmen beschloss das Gremium, den Abstellplatz stattdessen lieber in der Apothekergasse vorzusehen. Es solle keine Konkurrenz zu Autoparkplätzen sein, betonte Klaus Gast (CSU), dann fände es auch „größere Akzeptanz“. Dagegen hält Roland Bosch (ÖDP) in den kommenden Jahren noch eine Reihe weiterer Stellplätze für Räder mit Überlänge für notwendig – „und das wird nur funktionieren, wenn wir auch an Kfz-Stellplätze rangehen“. Immerhin hätten auf einem Autostellplatz zwei bis drei Lastenräder Platz, ergänzte Horst Martin (SPD), „das sind mindestens zwei Einkäufer“. Auf Vorschlag von Bosch wird zudem geprüft, ob auch auf dem Herzog-Albrecht-Platz – der in einigen Jahren saniert werden soll – zumindest vorübergehend Abstellplätze möglich sind.
Markierungen auf dem Boden
Bezüglich der Ausführung der Stellplätze entschied der Verkehrsausschuss einstimmig, mit der einfachsten Variante zu beginnen – auch um keine Zeit zu verlieren: Eine bloße Markierung am Boden schlägt mit rund 150 Euro zu Buche, somit können heuer noch Abstellbereiche aus den Budgets der Mobilitäts- und Klimaschutzbeauftragten realisiert werden. Doch für 2024 soll das Thema in die Haushaltsberatungen aufgenommen werden, mit dem Ziel, die Stellplätze auch mit Schildern und Anlehnbügel auszustatten. Das kostet dann jeweils rund 1000 bis 1200 Euro.
Ab Gesamtkosten von 10 000 Euro wäre aber eine 50-Prozent-Förderung durch den Bund möglich. Damit, warb Hans Vollmann (BfW), sei die Bügelvariante „machbar“, die nebenbei auch für eine bessere Gliederung sorge und verhindere, dass Autos auf den Fahrrad-Parkflächen stehen.
