VonMagnus Reitingerschließen
In der Lichtenau soll der mit Abstand größte Solarpark im Landkreis entstehen, und der erste Schritt dazu ist getan: Weilheims Stadtrat hat die dafür nötige Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen – aber auch einige Bedingungen formuliert.
Weilheim – Über Solarparks zu sprechen, das sind die Mitglieder des Weilheimer Stadtrates ja schon gewohnt. Aber die Dimensionen dieses Projekts sorgen dann doch für teils ungewohnte Töne. Was die Schwabsoiener Volllast GmbH auf 34,4 Hektar Grünland in der Lichtenau errichten will, sei „eine Mordsnummer“, sagte Manfred Stork, Leiter der städtischen Bauverwaltung, in der jüngsten Sitzung. Die Stadt käme der angestrebten Energie-Autarkie damit einen „enormen Schritt“ näher. Mit einer Leistung von fast 35.000 Kilowatt-Peak würde die Anlage so viel Strom erzeugen wie rund 11.000 Haushalte verbrauchen.
Freie-Wähler-Stadträtin: Projekt problematisch für Pächter der Wiesen
Sieben Grundstücke zwischen Reichenberg- und Sudetenstraße umfasst die geplante Anlage; deren Eigentümer seien laut Volllast bereits allesamt „im Boot“, sagte Stork im Stadtrat. Problematisch, so fügte Freie-Wähler-Stadträtin Romana Asam an, sei das Projekt allerdings für Landwirte, die in diesem Bereich bislang Wiesen anpachten. Einige von ihnen verfolgten – spürbar betroffen – die Sitzung als Zuhörer. „Am Bodenverlust hängen Existenzen und Familien von Landwirten dran“, erklärte Asam, die das gesamte Projekt ablehnt. Auch Agri-PV mit hochaufgeständerten Modulen, unter denen Landwirtschaft möglich sein soll, hilft ihrer Meinung nach nicht. Da sich darunter über die Jahre Magerrasen, also ein Biotop bilde, sei eine landwirtschaftliche Nutzung selbst nach Abbau der Module nicht mehr möglich, so Asam: „Deshalb sollen Investoren auf Parkplätzen und großen Dächern anfangen, nicht auf der grünen Wiese.“
Grünen-Vertreter: „Wir brauchen die nächsten Jahre Strom, und zwar viel Strom“
Außer Asam stimmte auch Rüdiger Imgart (AfD) gegen die geplanten „Solarfelder Lichtenau“: Mit einer „Größe von circa 50 Fußballfeldern“, so seine Begründung, würde man hier „ganz gewaltig über das Ziel hinaus schießen“. Alle anderen Stadtratsmitglieder halten solche Dimensionen jedoch für sinnvoll und angemessen. „Es steht außer Frage, dass wir diese Mengen brauchen“, meinte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Was Strom aus regenerativen Quellen angeht, „können wir unser Soll gar nicht überfüllen“, sagte Saika Gebauer-Merx (FDP). Im Vergleich etwa zum Energiepflanzen-Anbau für Biogas, so setzte sie hinzu, brächten Solarfelder mit deutlich weniger Fläche einen vielfachen Ertrag. Und Karl-Heinz Grehl, der Energiereferent des Stadtrates, sieht vor Ort schlichtweg keine Alternative zu PV-Anlagen auch auf Wiesen: „Bayern“, so der Grünen-Vertreter, „hat die Energiewende verschlafen, vor allem bei der Windkraft. Aber wir brauchen die nächsten Jahre Strom, und zwar viel Strom.“
Stadtrat fordert Agri-PV und Bürgerbeteiligung
Der in der Lichtenau avisierte Flächenverbrauch sei allerdings nur mit „Doppelnutzung“, sprich mit Agri-PV hinnehmbar, betonte Rupert Pentenrieder (BfW), der Landwirtschaftsreferent des Stadtrates. Dann könnte auf 85 Prozent der Fläche weiter Landwirtschaft betrieben werden. Zu den Vorbehalten des Investors bezüglich der etwas teureren Agri-PV-Lösungen sagte Pentenrieder: „Unsere Aufgabe ist es nicht, dass sich die Anlage so schnell wie möglich amortisiert, sondern dass sie möglichst verträglich ist.“ Auch Speichermöglichkeiten müsse der Investor direkt an der Anlage vorsehen, forderten mehrere Ratsmitglieder.
Mit großer Mehrheit – gegen die Stimmen von Asam und Imgart – entschied der Stadtrat schließlich, den Flächennutzungsplan so zu ändern, dass auf den genannten Grundstücken „eine großflächige Sonderbaufläche für Solar“ möglich ist: Dies allerdings – so heißt es im Beschluss – „mit der Maßgabe, dass die Anlage mit Agri-PV versehen und betrieben wird, um weiterhin eine landwirtschaftliche Nutzung der Grundstücke zu gewährleisten, ein Bürgerbeteiligungsmodell verfolgt und die Belange des Wasser- und Bodenverband Lichtenau berücksichtigt werden“.
Folgewirkung für weitere Solarparks?
Alles Nähere werde später im Bebauungsplan-Verfahren geklärt und festgeschrieben, hieß es im Stadtrat. „Beim Bebauungsplan muss der Investor Farbe bekennen“, sagte Pentenrieder. Ob mit der jetzigen Entscheidung künftig eigentlich noch andere Solar-Großprojekte auf Weilheimer Flur abzulehnen wären, das wollte Grünen-Sprecher Manuel Neulinger wissen. Sein Kollege Grehl meinte dazu, bei der grundsätzlichen Frage habe die Stadt aufgrund der gesetzlichen Privilegierung solcher Anlagen derzeit ohnehin „wohl wenig Einfluss“. Doch Bauverwaltungsleiter Stork verwies auf die „Planungshoheit“ der Stadt: Wenn der Stadtrat meine, das Soll bezüglich regenerativer Energieerzeugung sei erfüllt, „dann brauchen wir weitere Anlagen nicht mehr genehmigen“.
