Weilheim

Ratlosigkeit im Rathaus Weilheim: Was tun bei diesem Stadtbus-Problem?

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Der Weilheimer Stadtbus ist auch bei Schülern beliebt, vor allem die Verbindung zwischen Bahnhof (hier im Bild) und Gymnasium/Realschule.
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Müssen Kinder ab sechs Jahren bald zahlen, wenn sie Weilheims Stadtbus nutzen? Die Entscheidung darüber wurde im Rathaus am Mittwoch vertagt. Laut Stadtwerke sind Entgelte nötig, weil Schüler teils zahlende Fahrgäste verdrängen. Doch viele Stadträte fürchten, das hätte fatale Folgen.

Weilheim – Es ist eine verzwickte Lage – denn just ein Erfolg des Angebots wurde für Weilheims Stadtbus zum Problem. Bislang dürfen Kinder bis 14 Jahre und alle Schüler kostenlos mit diesem fahren. Laut Betreiber, den Stadtwerken, wird deshalb vor allem die Verbindung zwischen Bahnhof und Gymnasium/Realschule morgens und mittags von so vielen Schülern genutzt, dass für zahlende Fahrgäste in den kleinen Bussen oft kein Platz mehr sei. Darüber gebe es regelmäßig Beschwerden, berichtete Stadtwerke-Chef Peter Müller am Mittwoch im Hauptausschuss des Stadtrates. „Man muss auch sagen“, so fügte er an: „Der Stadtbus hat finanziell nichts davon, und wir vergrämen zahlendes durch nicht zahlendes Publikum.“

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Stadtwerke wollen 50 Cent von Schülern verlangen

Zudem gebe es immer wieder zeitraubende Konflikte zwischen Fahrern und Schülern, die den als Nachweis geforderten Schülerausweis nicht dabei haben. Und: Wenn Kinder ab sechs Jahren in Weilheim weiter kostenlos befördert werden, so Müller, dann bekomme man für den Stadtbus in dieser Altersgruppe auch keine Ausgleichszahlungen für die Anerkennung des „49-Euro-Tickets“. Was immerhin an die 20.000 Euro pro Jahr sein könnten.

Deshalb empfehlen die Stadtwerke, dass 6- bis 14-Jährige ab Dezember oder Januar für den Stadtbus zahlen sollen (wir berichteten) – und zwar die Hälfte des Normalpreises, sprich 50 Cent für einen Tagesfahrschein. Ein Wochenticket solle für sie 2,30 Euro, eine Zehnerkarte 3,80, ein Monatsticket 8,30 und ein Jahresfahrschein 75 Euro kosten.

Jetzt Entgelte einzuführen, wäre „ein fatales Zeichen“

Die Entscheidung darüber hat der Hauptausschuss jedoch einvernehmlich verschoben. Kein einziges Gremiumsmitglied warb für die Einführung dieser Entgelte. Schließlich – so hieß es quer durch die Fraktionen – habe man zum Start des „neuen Stadtbusses“ Anfang 2022 bewusst entschieden, dass Schüler kostenfrei sein sollen. „Es wäre fatal, das wieder zurückzunehmen“, sagte CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Auch wenn man Verständnis habe für die Nöte des Betreibers „und 15.000 bis 20.000 Euro eine Summe sind, die man angesichts der Haushaltslage nicht vom Tisch wischen kann“: Ihre Fraktion sei gegen Gebühren für Schüler. Ähnlich äußerten sich Vertreter von SPD und ÖDP.

Eindringlicher Appell des Verkehrsreferenten

Würde die Stadt der Anregung der Stadtwerke folgen, hätte das „eine verheerende Außenwirkung“, warnte Manuel Neulinger (Grüne), der Verkehrsreferent des Stadtrates: Denn das gefährde die offensichtlichen Erfolge beim Ziel, junge Leute an den öffentlichen Nahverkehr heranzuführen. Man dürfe jetzt nicht „das Kind mit dem Bade ausschütten“, so Neulingers eindringlicher Appell, die genannten Probleme seien lösbar, „ohne mit der großen Klappe alles zu erschlagen“.

Übervolle Stadtbusse entstünden vor allem durch Schüler, die mit dem Zug nach Weilheim kämen und nicht zu Fuß zur Schule gehen wollten, hieß es im Ausschuss. Brigitte Gronau (Grüne) schlug deshalb vor, Schüler auf dieser Linie etwa erst ab 9 Uhr kostenlos zu befördern. Eine andere Idee hatte ihr Fraktionskollege Karl-Heinz Grehl: Er findet, dass Schüler prinzipiell zahlen sollten. Aber dann müsse es für diese „ein ganz billiges Jahresticket“ geben, „vielleicht für 20 Euro“.

BfW sind „hin und hergerissen“

Einerseits wären die im Raum stehenden Preise zumutbar, meinte Tillman Wahlefeld seitens der BfW, doch man habe sich nun mal auf Kostenfreiheit für Schüler verständigt. Und das Wort „Vergrämung“ finde er in diesem Zusammenhang „ganz schlimm“. Seine Fraktion sei aktuell „hin und hergerissen“: „Wir sehen die Probleme, aber keine Lösung dafür.“

Darüber müssten sich die Stadtratsfraktionen in den nächsten Wochen intensiv Gedanken machen, forderte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Er beteuerte, dass man niemanden vergrämen wolle und es auch nicht um Zusatzeinnahmen gehe, sondern nur um das Problem der „Überfrachtung“. Die Entscheidung darüber, wie die Stadt damit umgeht, wurde auf Herbst verschoben.

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