VonMagnus Reitingerschließen
Zum geplanten Solarpark auf dem früheren Erdbeerfeld am Südrand von Weilheim mehren sich die kritischen Stimmen. Die Regierung von Oberbayern sähe die Photovoltaik-Module lieber an anderer Stelle. Und auch im Stadtrat schwenken einige um.
Weilheim – Dass der Stadtrat dieses Projekt noch kippt, ist unwahrscheinlich. Die Bauleitplanung für einen gut zwei Hektar großen Solarpark auf „Weilheims Schokoladenseite“, direkt am Ortseingang aus Richtung Peißenberg, läuft – so wie es der Stadtrat vor wenigen Monaten mehrheitlich beschlossen hat. Doch die Kritik daran, an so prominenter Stelle und zudem direkt vor den Wohnhäusern an der Waxensteinstraße PV-Module zu errichten, nimmt nicht ab. Neue Nahrung erhalten die Vorbehalte durch die Stellungnahme der Regierung von Oberbayern zur Bauleitplanung. Die Regierung lehnt das Projekt zwar nicht ab, betont aber, dass es sich um sehr hochwertigen Boden handle und Solarparks an anderer Stelle in Weilheim besser vorstellbar wären. 3. Bürgermeister Alfred Honisch (Grüne) sieht darin einen „Rüffel“ für die Stadt, wie er am Dienstag im Bauausschuss des Stadtrates sagte.
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Verwunderung über die Stellungnahme der Regierung
„Verwundert“ über die Stellungnahme der Regierung zeigte sich Horst Martin (SPD), da die Förderung regenerativer Energien politisch eigentlich als „überragendes Interesse“ gelte. Doch Manfred Stork, Chef der städtischen Bauverwaltung, kann die Einwände der Regierung nachvollziehen: Sie seien ja inhaltlich richtig, „natürlich“ gäbe es im Stadtgebiet prinzipiell andere Flächen für Photovoltaik-Anlagen. „Aber es ist Ihre Entscheidung, wie Sie damit umgehen“, wandte er sich an die Ausschussmitglieder.
Geteilte Meinungen in den Fraktionen von BfW und CSU
„Der Standort ist nicht ganz unkritisch“, räumte Bürgermeister Markus Loth (BfW) ein, aber er sei verfügbar und es gebe dort im Unterschied zu manch anderen Plänen einen Einspeisepunkt ins Stromnetz. Und: „Wenn wir jetzt nicht anfangen“, so der Rathaus-Chef, „dann schaffen wir die Energieneutralität nicht“.
Gleichwohl sehe mittlerweile die Hälfte der achtköpfigen BfW-Fraktion den Standort im Süden kritisch, sagte deren Sprecherin Brigitte Holeczek – auch mit Blick auf größere neue Planungen in Hardt und Lichtenau (wir berichteten). Bei Letzteren gebe es jedoch noch viele Unwägbarkeiten, weshalb sie persönlich finde: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Auch werde die Fläche beim Projekt südlich der Waxensteinstraße etwa durch Heckenpflanzungen aufgewertet, betonte Holeczek.
„Geteilte Meinungen“ gebe es auch in der CSU-Fraktion, berichtete Klaus Gast. Er selbst ist für den Solarpark an dieser Stelle („das ist jetzt verfügbar, da müssen wir weitermachen“). Dagegen lehnt CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder diesen Standort nach wie vor ab – und sieht sich durch die Einschätzung der Regierung bestätigt: Auch die „landschaftliche Beeinträchtigung“ sei hier groß.
Am 27. Juli sind die Einwände Thema im Stadtrat Weilheim
Die Ausschuss-Mehrheit steht dennoch weiterhin klar zu der Planung und plädiert dafür, diese – wie es Rupert Pentenrieder (BfW) formulierte – „jetzt auch durchzuziehen“. Gerd Ratter (ÖDP) war der Hinweis wichtig, dass vertikale Module, also so genannte „Agri-PV“, keinesfalls eine Verschlechterung fürs Landschaftsbild wären. Doch die hat der Antragsteller, ein Geschäftsmann aus Weilheim, bis dato nicht geplant.
Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung forderten Anlieger unter anderem, dass Gutachten zur möglichen Blendwirkung der PV-Module erstellt werden – und zur Frage, ob diese Verkehrslärm verstärken. Solche Gutachten würden beauftragt, hieß es im Bauausschuss. Sämtliche Stellungnahmen zur geplanten Änderung des Flächennutzungsplans und zur Aufstellung des Bebauungsplans werden am 27. Juli nochmals im Stadtrat besprochen
