Weilheim

Das ist der neue Aktionsplan der Stadt Weilheim fürs Klima

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Plakat bei einer Klima-Demo im September 2020 in Weilheim.
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Weilheims Stadtrat hat einen ambitionierten Klimaaktionsplan beschlossen: 17 konkrete Projekte sollen dafür sorgen, dass die Stadt bis 2035 klimaneutral ist. Bei einem wichtigen Vorhaben gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Weilheim – Die meisten Stadtratsmitglieder waren hellauf begeistert von dem Werk, das Weilheims Klimaschutzmanagerin Angelika Baur in der Sitzung am Donnerstagabend vorstellte. Das sei eine „Masterarbeit“ für die Kreisstadt, lobte Tillman Wahlefeld (BfW), ein „perfektes Paket“. Die Stadt könne „sich auf dieses Konzept etwas einbilden“, befand Alfred Honisch (Grüne) und zeigte sich hoffnungsfroh: „So könnte es funktionieren, was sich die Stadt selbst auferlegt hat“ – nämlich bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu sein. Was bedeutet, dass dann entweder keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr freigesetzt oder die Emissionen vollständig ausgeglichen werden.

Stadträtin der Freien Wähler stimmte dagegen

Das neue Werk, das ab sofort den Fahrplan dafür bildet, ist 104 Seiten dick und heißt „Integriertes Klimaschutzkonzept“ (IKK). Teil davon ist der Klimaaktionsplan. Beides hat der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen, dagegen stimmte nur Romana Asam (FW). Gewürdigt wurde dabei auch, dass das Klimaschutzmanagement der Stadt, insbesondere Baurs Kollegin Katharina Segerer, das Konzept selbst erstellt hat, in Kooperation mit städtischen Abteilungen, Energieversorgern, Bürgern, Vertretern der Wirtschaft und des Naturschutzes. Das sparte der Stadt zum einen viel Geld – externe Erarbeitung hätte laut Baur bis zu 100.000 Euro gekostet. Und das Ergebnis stehe damit „auf sehr breiten Füßen“, hieß es im Stadtrat, weshalb man sich eine besonders hohe Akzeptanz erhoffe.

Eines von sechs relevanten Handlungsfeldern ist Weilheims neuem Klimaschutzkonzept zufolge die „Mobilität“ mit Förderung von ÖPNV (hier der Stadtbus) und Radverkehr.

So viel CO2 stößt aktuell jeder Weilheimer aus

Das IKK bündle sämtliche relevanten Bereiche und sei „die Grundlage für alle weiteren Klimaschutzplanungen“, erklärte Baur. Der Klimawandel sei auch in Weilheim spürbar, man müsse jetzt „so viele Ressourcen mobilisieren wie irgendwie möglich, um voranzukommen bis 2035“. Pro Kopf stoße jeder Weilheimer derzeit allein für Energie und Verkehr 6,4 Tonnen CO2 jährlich aus, rechnete die Expertin vor. Dabei stünde, um das viel zitierte 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, jedem Erdenbürger maximal eine Tonne zu.

Ziel ist eine „Stadt der kurzen Wege“

Weilheims neues Klimaschutzkonzept beschreibt zunächst den Ist-Zustand vor Ort, zeigt dann Potenziale zur CO2-Reduktion auf, entwirft Ziele und formuliert im Aktionsplan schließlich 17 konkrete Maßnahmen (siehe Kasten unten), die in mehreren Treffen aller Akteure aus 39 Vorschlägen herausgefiltert wurden. Beim Thema „Energieversorgung“ spielt das Fernwärmenetz die Hauptrolle, zudem sei „ein extremer Zubau von Photovoltaik auf Dachflächen nötig und dazu auch Freiflächenanlagen“, wie Baur skizzierte. In puncto „Mobilität“ ist es klares Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu verringern und den Anteil des ÖPNV und des Radverkehrs zu erhöhen. Was die Stadtentwicklung betrifft, gilt das Ziel einer „Stadt der kurzen Wege“ und der „Schwammstadtansatz“, der dem Erhalt von Grünflächen Priorität gibt.

Streitpunkt Moorvernässung

Auch der „natürliche Klimaschutz“ mit Renaturierung des Weilheimer Mooses ist ein zentrales Handlungsfeld des Konzeptes. Hierzu zeigten sich im Stadtrat aber bereits unterschiedliche Ansichten.

Bei einem wichtigen Handlungsfeld zeigten sich im Stadtrat sogleich unterschiedliche Ansichten. Sie finde das IKK insgesamt gut, sagte FW-Vertreterin Asam, könne aber wegen des „Fokus auf die Vernässung des Weilheimer Mooses“ nicht zustimmen. Während Stefan Emeis (Grüne), der Umweltreferent des Stadtrats, die Moorvernässung als dringend nötige „Maßnahme mit dem größten CO2-Minderungspotenzial“ pries, nannte Asam diese einen „Hammer für die Landwirtschaft“, die dann viele Flächen nicht mehr bewirtschaften könne. Rupert Pentenrieder (BfW), der Landwirtschaftsreferent des Stadtrats, versicherte jedoch, dass Eigentumsverhältnisse beachtet und niemand geschädigt werde. Durch die konkreten Formulierungen in dem Plan würden „die Landwirte geschützt“.

Appell an die Weilheimer Bürger

Bürgermeister Markus Loth (BfW) betonte, das IKK sei „ein roter Faden“, die Umsetzung von Projekten aber abhängig von Haushaltsmitteln. Jede Maßnahme müsse „im Detail eigens beschlossen werden“. Doch nun liege „ein stimmiges Konzept“ vor, das es „mit Leben zu füllen“ gelte. Für die „stringente Maßnahmenumsetzung“ ist laut Klimaschutzmanagement ein Monitoring, also eine systematische Überwachung, vorgesehen.

Um die Ziele zu erreichen, so ist man sich im Stadtrat einig, sei nicht nur die Politik gefordert, sondern jeder einzelne Bürger. Man dürfe „nicht alles auf die Stadt abwälzen“, sagte Franz Andrä (CSU): „Jeder muss sich an der eigenen Nase packen.“

Die geplanten Maßnahmen zum Klimaschutz

Folgende 17 Projekte umfasst die Maßnahmenliste des Klimaaktionsplans:

- Monitoringkonzept

- Ausbau des Wärmeverbundnetzes/Kommunale Wärmeplanung

- Förderung des Ausbaus von Erneuerbarer Stromerzeugung

- Umrüstung der Straßenbeleuchtung in der Innenstadt

- Klimanetzwerk für Unternehmen

- Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs gemäß Radverkehrskonzept

- Etablierung des Mitfahrkonzepts MiO

- Ausbau der Ladeinfrastruktur

- Energiebericht inkl. Erstellung und Umsetzung eines Sanierungsfahrplans

- Photovoltaik-Ausbau der öffentlichen Gebäude inklusive Fassadenflächen

- Moorschutzstrategie zur Wiedervernässung des Weilheimer Moos

- Städtische Förderung für Dach- und Fassadenbegrünung, Entsiegelung

- Stadtklimaanalyse

- Umsetzung Klimaanpassungsmaßnahmen (z.B. aus Projekt KARE)

- Bürgerinformation-Kampagne zum Thema „Sanierung“

- Heizungstausch-Kampagne

- Klimaschutzprojekte mit Bürgerbeteiligung fortführen und entwickeln

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