VonMagnus Reitingerschließen
Es gab kritische Fragen, aber die Begeisterung überwog: Weilheims Stadtrat hat der Suche nach Erdwärme im Raum „Hardtfeld“ zugestimmt. Die Freien Wähler votierten dagegen.
Weilheim – Rund sechs Jahre ist es her, dass nahe Weilheim schon mal bis in 5000 Meter Tiefe nach Erdwärme gebohrt wurde. Die italienische Firma „Enel“ plante damals, in der Lichtenau ein großes Geothermiekraftwerk zu errichten, stellte jedoch 2018 das Projekt ein. Im „Verein zum Erhalt des Oberlandes“, der damals gegen die Kraftwerkspläne kämpfte, waren auch Romana Asam und Susann Enders, die heute für die Freien Wähler (FW) im Weilheimer Stadtrat sitzen. Und so hatte Asam nach eigenen Worten „ein Déjà-vu“, als in der jüngsten Ratssitzung mal wieder das Thema „Geothermie“ aufschlug.
Wie berichtet, will die zu einem kanadischen Konzern gehörende Eavor GmbH im so genannten Gebiet „Hardtfeld“ – das sich zwischen Ammersee, Starnberger See und Polling erstreckt – nach Erdwärme suchen. Der über das bayerische Wirtschaftsministerium vorgelegte Antrag auf Erteilung der entsprechenden bergrechtlichen Erlaubnis ging kürzlich an alle betroffenen Gemeinden in diesem Raum. Das sind im Landkreis Polling, Weilheim, Wielenbach, Pähl, Raisting, Bernried und Seeshaupt.
Freie Wähler wollen es genau wissen
Die FW-Fraktion im Weilheimer Stadtrat hatte dazu eine Reihe von Fragen, die das Stadtbauamt in der Sitzung zu beantworten versuchte. Zwar geht es vorerst nur um „vorbereitende Untersuchungen“ – für tatsächliche Bohrungen wäre ein gesondertes Genehmigungsverfahren nötig –, doch die FW wollten wissen, was im Falle des Falles entstehen könnte und was das für Weilheim bedeuten würde. Bei der neuartigen, patentierten Technologie namens „Eavor-Loop“ handle es sich um ein Geothermie-Kraftwerk mit einem geschlossenem System, so die Antwort; Grundwasser werde dabei nicht entnommen. Unter bestimmten Bedingungen wäre im Erfolgsfall denkbar, dass die Stadtwerke Wärme abnehmen und Weilheims geplantes Fernwärmenetz daran anschließen – es bestünde jedoch keine Pflicht dazu. Die bautechnischen und ökologischen Folgen eines Kraftwerkbaus könne freilich nicht die Stadt abschätzen; all das werde vom Ministerium geprüft.
Es geht ums Daten sammeln, nicht ums Loslegen
„Wir müssten vor einer Entscheidung doch wissen, um was für eine Anlage es sich handelt und welche Auswirkungen das hat“, monierte Romana Asam. Regenerative Energiegewinnung sei „wichtig“, bekundete Fraktionskollegin (und Landtagsabgeordnete) Susann Enders, „aber wir müssen uns im Vorfeld informieren, bevor wir wieder keine Möglichkeit mehr haben, Nein zu sagen“. Zu prüfen sei etwa, „welche chemischen Stoffe bei dem Verfahren ins Erdreich gelangen“, so Enders weiter. Denn die Stadt müsse „vorrangig den Schutz des Grundwassers sehen“.
Die „Problematik der Geothermie“, nämlich „das Wasser-Rauspumpen“, sei bei diesem Verfahren nicht gegeben, konterte Klaus Gast. Angesichts der Abhängigkeit von Energie-Importen müsse Deutschland nach Alternativen suchen, betonte der CSU-Vertreter – und fügte an: „Die Angst vor einer reinen Untersuchung ist hanebüchen“. Vorerst werde ja lediglich „einer Firma erlaubt, Daten zu sammeln“, erklärte auch Alfred Honisch (Grüne).
Grüne befürworten Vorhaben
Überhaupt äußerten sich mehrere Grünen-Stadträte höchst positiv zu den Plänen. „Aus Sicht des Klimaschutzes kann ich das nur begrüßen“, sagte Stefan Emeis als Umweltreferent des Stadtrates: Bei der Fernwärme stehe ja die Frage im Raum, ob das Holz auf Dauer ausreiche, „deshalb ist die Suche nach Alternativen nötig, die Verbreiterung des Spektrums richtig“. Er finde die angezeigte Suche „sehr gut“, meinte auch Karl-Heinz Grehl als Energiereferent. Um weitergehende Fragen zu klären, sei man „heute noch weit, weit zu früh dran“.
Nur zwei Gegenstimmen
Dennoch bot Bürgermeister Markus Loth (BfW) an, demnächst einen Vertreter von Eavor in eine Ratssitzung einzuladen und um Erklärungen zu bitten. Das unterstützte Roland Bosch (ÖDP), forderte aber, zusätzlich „einen unabhängigen Experten dazu zu holen“. Bis dahin solle der Stadtrat das Thema vertagen, regte Ullrich Klinkicht (WM Miteinander) an. Doch das sei nicht möglich, hieß es seitens der Stadtverwaltung: Man befinde sich bereits am Ende der gesetzten Frist, das Ministerium erwartete bereits am Tag nach der Stadtratssitzung eine Stellungnahme.
Die bekam das Ministerium dann auch. Mit großer Mehrheit stimmte der Stadtrat den im Antrag formulierten Maßnahmen grundsätzlich zu. Dagegen stimmten die beiden Vertreterinnen der FW.
