Weilheim

Geothermie: Neue Suche im Raum Weilheim

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Um Bohren geht‘s noch lange nicht, aber um „vorbereitende Untersuchungen“ in Sachen Geothermie im Raum Weilheim - zwischen Ammersee, Starnberger See und Polling.
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Im Landkreis wird wohl bald großflächig nach Erdwärme gesucht. Die Eavor GmbH, die in Geretsried bereits einen riesigen Bohrplatz für ein Geothermie-Kraftwerk mit neuartiger Technik baut, plant nun auch Untersuchungen im Raum Weilheim. Die ersten Gemeinden haben bereits zugestimmt.

Weilheim – Es sei „ein allererster winziger Schritt“, so ordnet Weilheims Bürgermeister Markus Loth (BfW) den Antrag ein, der dieser Tage unter anderem in die Rathäuser von Weilheim, Polling, Wielenbach, Pähl, Raisting, Bernried und Seeshaupt flatterte. Doch dieser kleine Schritt löst bei manchen große Hoffnungen aus. Er sei „sehr glücklich über diese Untersuchungen“, sagt etwa Karl-Heinz Grehl (Grüne), der Energiereferent des Weilheimer Stadtrates: „Das wäre eine tolle Sache, wenn man da fündig würde.“

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Das Unternehmen, das fündig werden will, stapelt nicht gerade tief, was die Bedeutung seiner Aktivitäten betrifft. Die von ihr entwickelte Technologie habe „das Potenzial, zum Gamechanger der Energieversorgung zu werden“, wirbt die in Düsseldorf ansässige Eavor GmbH, die wiederum zu einem kanadischen Unternehmen gehört. Der „Eavor-Loop“ sei ein Geothermie-Kraftwerk mit einem geschlossenem System: „In einem unterirdischen Wärmetauscher zirkuliert selbstständig ein Wärmemedium im Tiefengestein. Thermalwasser wird nicht benötigt.“ Das weltweit erste Kraftwerk dieser Art errichtet die Firma in Geretsried. Dort wird gerade mit zwei der größten Bohranlagen Europas in 4500 Meter Tiefe gebohrt. Die EU fördert das Projekt, das mittelfristig „die ganze Region mit Fernwärme versorgen und Strom liefern“ soll, mit über 90 Millionen Euro.

„Erlaubnisgebiet“ liegt zwischen Ammersee, Starnberger See und Polling

Nun will Eavor untersuchen, ob auch im Raum Weilheim Potenzial für diese Technologie besteht. Über das bayerische Wirtschaftsministerium wurde ein Antrag auf Neuerteilung der bergrechtlichen Erlaubnis „zur großräumigen Aufsuchung von Erdwärme zu gewerblichen Zwecken für einen Zeitraum von drei Jahren“ vorgelegt. Als „Hardtwiese“ wird darin das Erlaubnisgebiet bezeichnet, das zwischen den Süd-Enden von Ammersee und Starnberger See liegt und sich in Richtung Süden etwa bis Polling erstreckt.

In diesem Bereich, so hieß es kürzlich im Bauausschuss des Weilheimer Stadtrates, sollen „vorbereitende Untersuchungen“ durchgeführt werden. Es gehe beispielsweise um Machbarkeitsstudien bezüglich des tiefen Untergrunds, eine Seismikauswertung bestehender Daten, den Aufbau eines dreidimensionalen strukturgeologischen Modells und eine Konzeptstudie. Auch Voruntersuchungen eines möglichen Bohrplatzes seien vorgesehen, nicht jedoch tatsächliche Bohrungen – dafür wäre eine weitere Erlaubnis nötig.

Weilheims Bürgermeister ist „nicht allzu euphorisch“

Seeshaupts Gemeinderat hat dem genannten Antrag bereits zugestimmt, in Weilheim spricht der Stadtrat am heutigen Donnerstag (27. Juli) darüber. Bei der Vorberatung im Bauausschuss gab es schon einige Äußerungen dazu – auch weil das Ministerium interessiert, ob die Gemeinden im betroffenen Gebiet „Bedarf für einen Wärmeanschluss an eine oder mehrere potenzielle geothermische Wärmezentralen“ sehen.

Würde Eavor im Raum Weilheim fündig, hätte das Auswirkungen aufs Fernwärmevorhaben der Stadtwerke, meinte Alfred Honisch (Grüne) und fragte nach „deren Strategie“. Doch das sei „alles hypothetisch“, trat Bürgermeister Loth auf die Bremse. Er verwies auf gescheiterte Untersuchungen einer anderen Firma (mit herkömmlicher Technologie) vor einigen Jahren in der Lichtenau. Auch beim neuen Projekt „brauchen wir nicht allzu euphorisch sein“, so Loth.

Weilheims Fernwärmenetz „offen für verschiedene Energieträger“

In jedem Fall solle die Stadt der Sache „offen gegenüberstehen“, betonte Weilheims Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer. Bräuchte die Stadt wegen anderer Quellen nicht selbst Wärme und Strom aus Geothermie, so fänden sich „genügend andere Abnehmer“. „Wir werden immer profitieren“, ergänzte Grünen-Stadtrat Grehl: Das in Weilheim geplante Fernwärmenetz sei „offen für verschiedene Energieträger“, im Falle eines Erfolgs von Eavor würde gewiss kein zweites Fernwärmenetz entstehen.

Auch die Vertreter von BfW und CSU nahmen die geplanten Untersuchungen positiv auf. Selbst an einer Konkurrenzsituation wäre „an sich nichts Schlechtes“, befand CSU-Sprecherin Marion Lunz-Schmieder. Und BfW-Fraktionschefin Brigitte Holeczek sagte: „Jetzt haben wir Hackschnitzel, dann hätten wir die Option, andere Energieträger zu verwenden.“

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