VonMagnus Reitingerschließen
Braucht Weilheim einen „sozialen Kümmerer“ für Senioren? Das will die Stadt in den nächsten Monaten bei Gesprächen und Workshops in Sachen „seniorengerechte Quartiersentwicklung“ klären. Im Hauptausschuss des Stadtrates war man sich einig: Das Thema drängt.
Weilheim – Quartiersentwicklung, Quartiersmanagement, Quartierskonzept: Es sind sperrige Begriffe, die diese Woche durch die Hauptausschuss-Sitzung wirbelten. Warum Weilheim so etwas brauchen könnte, liegt indes auf der Hand: Die Alterung der Gesellschaft schreitet kräftig voran. Die jüngeren Altersgruppen werden in den Grafiken zur demografischen Entwicklung immer dünner, die Zahl der Über-60-Jährigen dagegen nimmt massiv zu.
Es geht zum Beispiel um kurze Wege
Für die Kommunen ist das eine echte Herausforderung. Es gilt den „sozialen Nahraum“ der Einwohner so zu gestalten, dass auch ältere und beeinträchtigte Menschen in ihrem vertrauten Wohnumfeld verbleiben können. Dafür braucht es Beratungsangebote, soziale Netzwerke und ambulante Hilfen, nicht nur für die Senioren selbst, sondern auch für deren Angehörige. Und Wohnungen wie auch Stadtviertel müssen barrierefrei, mit kurzen Wegen und Nahversorgung geplant werden.
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Um all das und mehr geht es dem Quartiersmanagement. Wobei das Quartier in diesem Fall die ganze Stadt Weilheim ist, wie Stephanie Hör und Lisa Merlonetti von der Seniorenfachstelle im Landratsamt erklärten. Sie stellten im Hauptausschuss dar, was ein „sozialer Kümmerer“ in der Stadt leisten könnte. Als „niedrigschwelliger Ansprechpartner“ solle dieser zum Beispiel bestehende Angebote vernetzen und bei den Betroffenen bekannt machen. In der Gemeinde Bernried werde ein solcher Kümmerer bereits „sehr gut angenommen“. Auch in Penzberg soll es bald eine entsprechende 20-Stunden-Stelle für einen Sozialpädagogen geben, ergänzte Caritas-Geschäftsführer Thomas Koterba. Sein Verband habe dort bereits einen Kooperationsvertrag mit der Stadt geschlossen. Und auch für Weilheim wäre die Caritas ein potenzieller Träger; wobei Koterba in der Ausschuss-Sitzung betonte, dass dafür auch andere Organisationen in Frage kämen.
Auch Familien würden profitieren
Der Caritas-Kreisverband hatte 2020 bereits beantragt, ein „Seniorenbüro“ in Weilheim einzurichten – was damals laut Stadtverwaltung „wegen der schwierigen Haushaltslage nicht weiter verfolgt wurde“. Nun reichte Brigitte Holeczek (BfW) als Seniorenreferentin des Stadtrates einen ähnlichen Antrag ein, nämlich auf Umsetzung eines Quartiersmanagements. Sie verwies dabei auf Fördermöglichkeiten: Über maximal vier Jahre würde der Freistaat Bayern als Anschubfinanzierung insgesamt 80.000 Euro zuschießen. Voraussetzung dafür ist die Erstellung eines Quartierskonzeptes, von dem freilich nicht nur Senioren, sondern etwa auch Familien und Menschen mit Behinderung profitieren würden. „Wir empfinden es als Angebot für alle“, sagte Merlonetti. Realistisch für Weilheim sei eine Halbtagsstelle. Die Stadt müsse dafür zunächst mit einem finanziellen Eigenanteil von rund 20 Prozent rechnen. Zu sichern sei aber auch, wie es nach den vier Jahren der Förderung weitergeht.
Nun beginnt ein einjähriger Prozess
Ob ein solches Quartiersmanagement für Weilheim angezeigt ist, das soll nun ein rund einjähriger Prozess mit Gesprächen, Workshops und Bürgerbeteiligung zeigen. Dabei unterstützt die vom Bayerischen Sozialministerium finanzierte Koordinationssstelle „Wohnen im Alter“; auf die Stadt kommen in dieser Phase nur geringe Kosten zu. Der Hauptausschuss votierte einstimmig dafür, diesen Prozess anzugehen. Damit sei noch keine Vorentscheidung zur Schaffung einer Stelle getroffen, wie betont wurde.
Wir können nicht nur in Dächern und Hallen denken, wir müssen uns auch um die Menschen in Weilheim kümmern.
Doch der Bedarf sei groß, da war man sich einig. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir das brauchen werden in Weilheim“, sagte Holeczek. Zwar sei es in der aktuellen Finanzlage „ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, so ein Projekt anzustoßen“, räumte die Seniorenreferentin und BfW-Fraktionssprecherin ein: „Aber wir können nicht nur in Dächern und Hallen denken, wir müssen uns auch um die Menschen in Weilheim kümmern.“ Die Stadt alleine könne ein solches Quartiersmanagement nicht schultern, „aber in Kooperation ist es möglich“.
An Finanzierung später auch Investoren beteiligen?
„Am Bedarf zweifle ich nicht“, sagte CSU-Sprecherin und Sozialreferentin Marion Lunz-Schmieder. Doch zeigte sie sich skeptisch, ob dafür letztlich eine eigene Stelle in Weilheim nötig sei: „Aktuell gilt die Losung, so sparsam zu sein wie möglich.“ Wichtig sei deshalb, „die Ziele und den zeitlichen Ablauf ganz genau festzulegen“, betonte Karl-Heinz Grehl (Grüne), damit das Projekt nicht letztlich „vor sich hindümpelt“. Für Petra Arneth-Mangano (SPD) steht fest, dass der nun angestoßene Prozess „nur ein Anfang“ sei: An der späteren Finanzierung gelte es auch Investoren großer Bauprojekte zu beteiligen; sie müssten etwa entsprechende Beratungsräume schaffen.
