Holzkirchen als Mini-Metropole – und rundherum gähnende Leere: Wie die Zukunft des Landkreis-Nordens im Regionalplan aussieht, misshagt dem Gemeinderat Weyarn. Aus Sorge, abgehängt zu werden, will er dagegen Einspruch einlegen und sucht den Schulterschluss mit Valley.
Weyarn – Drei Mittelzentren gäbe es nach dem neuen Regionalplan Oberland im Landkreis Miesbach: das Quintett der fünf Gemeinden rund um den Tegernsee (Gmund, Bad Wiessee, Rottach-Egern, Kreuth und Tegernsee), das Duo Miesbach/Hausham und den Markt Holzkirchen. Die Gemeinden Bayrischzell, Schliersee, Fischbachau und Waakirchen wären immerhin noch Basiszentren. Aber im Norden des Landkreises – kein Punkt mehr auf der Karte neben Holzkirchen. Warngau, Valley, Weyarn und Irschenberg, sogar Otterfing sind in dem Entwurf, den der Planungsverband in der aktuellen Fortschreibung erarbeitet hat, nicht aufgeführt. Das will der Weyarner Gemeinderat nicht akzeptieren.
Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) erläuterte in der jüngsten Sitzung ruhig und sachlich, aber doch mit deutlichen Worten, dass er mit dieser „neuen Systematik“ nicht einverstanden ist. Er befürchtet Nachteile für seine Gemeinde. Der Hintergedanke des Regionalplans, nämlich unter anderem die Zersiedelung der Region zu vermeiden, sei nicht schlecht. „Aber alles auf die größeren Zentren wie Holzkirchen und Miesbach zu konzentrieren, die ja schon im Verkehr ersticken – diese Strategie ist auch nicht sinnvoll.“
Im Regionalplan nämlich werden Ziele festgelegt, in welche Richtung die Entwicklung einer Region gesteuert werden soll. Die jüngste Fortschreibung des Regionalplans wurde im Mai von der Regierung von Oberbayern in einen Entwurf gefasst, der jetzt zur Beteiligung ausliegt. Betroffene Kommunen können sich noch bis 5. Juli äußern. Tun sie dies nicht, gelten sie als einverstanden. „Das sind wir aber nicht“, erklärte Wöhr. „In Weyarn hat es in den vergangenen Jahren einiges an Entwicklung gegeben. Wir haben einen Supermarkt und etliche Einrichtungen wie zum Beispiel Arztpraxen, die die Umgebung mitversorgen.“ Weyarn sei außerdem mit 12 000 Fahrzeugen, die täglich durch den Ort fahren, ein Verkehrsknotenpunkt, findet Wöhr. Rund 2000 Menschen lebten direkt in Weyarn und in den fußläufig erreichbaren Orten rundherum. „Und die sollen sich nun alle in Richtung Miesbach orientieren?“ Wenn Weyarn nicht einmal mehr als Basiszentrum gelte, könne das auch als Argument herangezogen werden, keine Poststelle mehr einzurichten, befürchtet der Bürgermeister.
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Bei den Gemeinderäten fand er viel Unterstützung. Ernst Weidl (UWG Goldenes Tal) ärgerte sich: „Ich dachte, der Regionalverband macht Politik für den Bürger. Aber das geht total daran vorbei.“ Gerade Randregionen, in denen sich die Bürger ja auch in Richtung der Nachbarn orientieren, würden mit solchen Entscheidungen benachteiligt. Auch für Zweiten Bürgermeister Franz Demmelmeier (SPD) war klar: „Weyarn, Valley, Warngau und Irschenberg werden abgehängt. Da muss man sich ja nur die Karte anschauen.“
Die Strategie war damit klar: Weyarn will Einspruch einlegen gegen die Neufassung des Regionalplans. Wöhr berichtete, dass er im Vorfeld mit dem Valleyer Bürgermeister Andreas Hallmansecker telefoniert habe, und auch diesem würde der Entwurf so nicht gefallen. Vielleicht könne man gemeinsam ein Basiszentrum werden, überlegte Wöhr. Allerdings steht in Valley noch die Besprechung im Gemeinderat aus. Die nächste Sitzung dort ist für 2. Juli angesetzt. Drei Tage später endet das Beteiligungsverfahren.
Sollte auch Valley mit einem entsprechenden Vorstoß einverstanden sein, so kann Wöhr ohne Rücksprache mit seinen Gemeinderäten diesen unterzeichnen. Dazu bemächtigte ihn das Gremium einstimmig.
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Christine Merk