Nachgefragt bei Veterinäramts-Chef Dr. Bernhard Hauser

Wie bereitet sich der Landkreis auf die Afrikanische Schweinepest vor?

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Im Landkreis gibt es fast nur kleinere Hausschwein-Bestände.
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Es sei wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest auch Deutschland erreicht, erklärt der Tölzer Veterinäramts-Chef Dr. Bernhard Hauser im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Schon jetzt gibt es genau festgelegte Abläufe, die immer greifen, wenn ein totes Wildschwein gefunden wird.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Bedrohung ist einen Schritt näher gekommen. Bislang grassierte die Afrikanische Schweinepest nur in Osteuropa. Nun wurden auch in Belgien die ersten Fälle registriert. Für Menschen oder Haustiere ist die Afrikanische Schweinepest nicht gefährlich. Bei Wild- und Hausschweinen führt eine Infektion aber zu einer schweren Erkrankung, die meist tödlich ist. Deswegen werden schwere wirtschaftliche Schäden befürchtet. In Deutschland wurde bislang kein Fall registriert, doch man rüstet sich für den Ausbruch der Seuche – auch im Landkreis, wie Dr. Bernhard Hauser, Chef des Tölzer Veterinäramts, im Kurier-Interview erläutert.

-Herr Dr. Hauser, hat sich die Gefahrenlage bei der Afrikanischen Schweinepest erhöht, seit Infektionen in Belgien nachgewiesen wurden?

Die Lage als solches hat sich nicht verändert. Laut Risikobeurteilung des Friedrich-Loeffler-Instituts (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, Anm. d. Red.) ist die Gefahr einer Einschleppung dieser Tierseuche nach wie vor hoch. Diese Einschätzung gilt schon seit dem Ausbruch vor zwei Jahren in Osteuropa.

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-Wie ist zu erklären, dass die Seuche, die bislang in Osteuropa grassierte nun einen Sprung über Deutschland hinweg nach Belgien gemacht hat?

Das zeigt, dass der menschliche Faktor eine große Rolle bei den Übertragungswegen spielt, indem er infizierte Lebensmittel oder Jagderzeugnisse mit dem Auto transportiert. Nur so ist der Sprung nach Belgien zu erklären. Würde die Seuche nur von Wildschwein zu Wildschwein übertragen, wären solche Sprünge nicht möglich.

Dr. Bernhard Hauser, Chef des Tölzer Veterinäramts

-Zur Lage im Landkreis: Gibt es bei uns überhaupt viele Schweinehalter, und was müssen Sie jetzt beachten?

Im Landkreis gibt es nur eine gute Handvoll Schweinehalter. Dabei handelt es sich hauptsächlich um kleine Schweinehaltungen, teils sind es nur zwei bis drei Mastschweine für den Eigenbedarf. Dort, wo es freilaufende Schweine gibt, muss für sie eine doppelte Einzäunung gebaut werden, mit einem Abstand von einem Meter zwischen den Zäunen, damit es zu keinem Kontakt zwischen Haus- und Wildschweinen kommen kann. Außerdem ist wichtig, dass keine Lebensmittelabfälle an die Schweine verfüttert werden.

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-Und worauf sollte man als Nicht-Schweinehalter achten?

Vor allem Menschen, die in Gebieten waren, in denen die Schweinepest grassiert – zum Beispiel Fernfahrer – dürfen von dort mitgebrachte Lebensmittel, wie Räucherwaren oder Salami, nicht einfach so in der Landschaft entsorgen. Dann kann es sein, dass ein Wildschwein das frisst und sich infiziert. Das ist der größte Risikofaktor.

-Laufen bei uns im Landkreis schon Vorbereitungen auf einen Ausbruch der Tierseuche?

Wie überall greift auch bei uns ein entsprechender Rahmenplan. Das bedeutet konkret, dass wir einen Such- und Bergetrupp haben. Jeder, der ein totes Wildschwein findet, sollte es uns oder der Polizei melden. Wichtig dabei wäre, dass man den Fundort möglichst genau beschreiben kann. Auf keinen Fall darf man das tote Wildschwein anfassen oder herumziehen. Unser Trupp kommt dann, verpackt und transportiert das Wildschwein fachgerecht und sicher. Es kommt dann zur Untersuchung ins bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit nach Oberschleißheim.

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-Außerdem habe ich gehört, dass spezielle Container für verseuchtes Fleisch bereit gehalten werden.

Falls im Landkreis tatsächlich eine Infektion festgestellt wird, werden wir solche Sammelcontainer bestellen. Die Angebote liegen auf meinem Schreibtisch, wir haben ein geeignetes Produkt ausgesucht. Die Lieferfrist betrifft drei bis fünf Tage.

-Für wie wahrscheinlich halten Sie es, dass die Afrikanische Schweinepest den Landkreis erreicht?

Dass sie irgendwann in Deutschland ausbricht, ist, fürchte ich, nur eine Frage der Zeit. Ob es gerade bei uns im Landkreis der Fall ist, kann ich nicht sagen.

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