Naturschutz

Trotz Hitze ein super Fledermaus-Sommer

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Letzte Hoffnung Weißbierglas: Walter Wintersberger platziert abgestürzte Jung-Fledermäuse bisweilen auf einem mit einem Strumpf überzogenen Gefäß. Von dort stoßen sie Verlassenheitsrufe nach ihrer Mutter aus.
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Wenn es heiß ist, stürzen Fledermaus-Jungtiere normalerweise reihenweise aus ihren Brutstätten. Für den Landkreis, wo es einige wichtige Kolonien gibt, spricht Walter Wintersberger vom LBV dennoch von einem „super Fledermaus-Sommer“.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Rekordhitze hat in der Natur einiges durcheinender gebracht. Aus vielen Regionen war zum Beispiel zu hören, dass wegen der hohen Temperaturen etliche junge Fledermäuse aus dem „Wochenbett“ fielen und umkamen.

In vergangenen Jahren wurde Walter Wintersberger, Kreisvorsitzender des LBV und dort unter anderem in der Fledermausgruppe engagiert, immer wieder alarmiert, weil Menschen am Boden liegende Fledermaus-Junge gefunden hatten. „In Dachstühlen oder an Hausfassaden, auf die die Sonne brennt, kann es für Fledermäuse unerträglich heiß werden“, erklärt der Wackersberger.

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 „Die Jungtiere versuchen dann, an einen Platz zu krabbeln, wo es etwas kühler ist, und fallen auf den Boden.“ Wintersberger hat solchen „Findelkindern“ schon so manches Mal geholfen. Speziell wenn sie zu klein sind, um sie mit der Flasche beziehungsweise mit Mehlwürmern aufzuziehen, setzt er auf natürliche Vorgänge. „Die Jungtiere stoßen Verlassenheitsrufe aus“, erklärt er. Die Mütter erkennen ihre Jungen an der Stimme und holen sie, wenn es geht, ab. Damit das passiert, setzt Wintersberger die Tiere in ein Gefäß, in das er ein umgestülptes, mit einem Strumpf überzogenes Weißbierglas platziert, und stellt es in der Dämmerung zum Beispiel auf den Balkon. Die Jungen können sich an der Wolle festhalten, hinaufklettern und rufen. Eine Methode, die durchaus schon zum Erfolg führte.

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Heuer habe er wieder Nachrichten über abgestürzte Jungtiere erwartet, so Wintersberger. „Aber es war nichts.“ Tatsächlich habe sich der Sommer sogar als ideal für die Fledermäuse erwiesen. „Weil es nachts immer warm und trocken war, konnten die Fledermäuse zur Nahrungsbeschaffung ausfliegen“, sagt der Naturschützer. „Insofern war die Witterung perfekt, es war ein Super-Fledermaussommer, die Jungensterblichkeit war deutlich geringer.“

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Im Landkreis finden Fledermäuse laut Wintersberger an vielen Stellen Lebensraum, sei es in Dachstühlen, an Hauswänden, in Vogelnistkästen oder im Wald. Größere Populationen gebe es in den Klöstern Benediktbeuern und Beuerberg („Großes Mausohr“) sowie in der Jachenauer Kirche („Kleine Hufeisennase“). Auch in der Kirche in Oberbuchen sind Fledermäuse heimisch. Die dort laufende Restaurierung werde eng durch die staatliche Koordinationsstelle für Fledermausschutz begleitet. Nach acht Wochen sei die Jungenaufzucht nun allmählich beendet, die Jungtiere fliegen aus, so Wintersberger. Somit könne die Baustelle wieder an Fahrt aufnehmen. „Ich bin zuversichtlich, dass die Population keinen Schaden nimmt.“

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