Williams Wetsox

„Wahre Schätze“ von legendärer Band aufgetaucht

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Das neue Album mit alten Live-Aufnahmen von Williams Wetsox ist erhältlich bei BSC Music und den gängigen Streamingportalen.
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Beim Haus-Entrümpeln traten 30 Jahre alte Live-Aufnahmen von „Williams Wetsox“ zutage: „Wahre Schätze“, befand eine Plattenfirma – und veröffentlichte den Mitschnitt von 1993 jetzt neu im Netz. Und auch ein alter, aber sehr aktueller „Flüchtlingssong“ der Huglfinger Blueser ist plötzlich aufgetaucht.

Huglfing – Vier Langspielplatten und acht CDs hat „Williams Wetsox“ seit der Bandgründung an Silvester 1979 veröffentlicht. Sänger, Gitarrist und Komponist Norbert Fändrich, den alle nur „Williams“ oder auch „Wetsox“ nennen, machte sein Heimatdorf Huglfing damit weitum bekannt – und wurde zum Inbegriff des „boarischen Blues“.

Aber was einem Spezl von ihm neulich in die Hände fiel, als er das Haus seines verstorbenen Vaters entrümpelte, das war auch für Williams selbst eine Überraschung: eine Cassette mit Live-Aufnahmen aus dem Jahr 1993. Wetsox selbst, so erinnerte er sich wieder, hatte die Konzerte damals auf 4-Spur-Betamax-Video mitgeschnitten, auf einem digitalen Cassettenrecorder gemischt und eine Auflage von 100 Stück auf Musik-Cassette verkauft.

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Der Chef der Plattenfirma ist begeistert

In seinem „Schallarchiv“ fand Fändrich tatsächlich die Original-Abmischung wieder. „Wahre Schätze“ sind diese Aufnahmen, findet Christoph Bühring-Uhle vom Münchner Plattenlabel BSC Music, das über die Jahre schon einige Wetsox-Platten herausbrachte. Und so veröffentlichte BSC nun auch die vor 30 Jahren mitgeschnittenen Songs neu. Zwar nicht physisch als CD –das gebe die Entwicklung nicht mehr her („viele haben noch nicht mal mehr einen CD-Player daheim“) –, aber doch als Digital-Album im Internet. Titel: „Williams Wetsox – Live 1993“.

Aufnahmen aus legendären Kneipen

16 Lieder finden sich auf dem 66-Minuten-Album, von „I hob an Blues“ über „Am Boch drunt“ bis zu „Leben is a Loata“. Aufgenommen wurden sie in legendären Musikkneipen: je zur Hälfte im „Kuckucksnest“ Berchtesgaden und im „Grünen Eck“, dem damaligen Münchner Blues-Mekka, in dem sich bis in die 2000er Jahre die Szene-Größen die Klinke in die Hand gaben. Neben Bandleader Williams Fändrich spielten Groover Krüger (Gitarre), Bluesharp Slim (Mundharmonika, Waschbrett) und Uwe Knüppel (Kontrabass). Schlagzeuger war beim einen Konzert Blueslegende Ossi Pöhnl, beim anderen Thomas Gugger.

„Flüchtlingssong“ steckt voller persönlicher Erfahrungen

Noch zwei Jahre früher hat Wetsox – mit Gitarrist Groover sowie mit Ludwig Seuß (Spider Murphy Gang) an der Orgel – in der Dießener Schatzberg-Alm eine weitere Rarität aufgenommen, die ihm nun beim Aufräumen in die Hände fiel: Den „Flüchtlingssong“, inspiriert von der Flucht seiner Mutter 1944 mit dem „großen Treck“ aus Ostpreußen und vom Schicksal eines Chilenen, der 1974 – gefoltert vom Pinochet-Regime – in seiner Musikerkommune gelandet war. Auch dieses Lied von 1991 hat BSC Music nun erstmals veröffentlicht.

Und was fühlt Fändrich selbst, wenn er die alten Aufnahmen heute hört? „Ich musste wieder mal feststellen, dass wir damals auch schon verdammt gut und authentisch gespielt haben“, schmunzelt der 70-Jährige. Und weil sich ein Album im Netz „so leer“ anfühle („man hat nichts in der Hand“), fügt er einen Zukunftsplan an: „Vielleicht mach’ ich zum Abschluss noch eine Langspielplatte.“

Mehr Infos zur Band: www.wetsox.de

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