Über die Zukunft des Hotels entscheidet erst der neue Gemeinderat

Gasthof Zur Post in Bad Wiessee: Kurt Geiß (72) geht in die Verlängerung

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Die Liebe zum Beruf hat Wirt Kurt Geiß auch nach über 50 Berufsjahren nicht verlassen. Den Pachtvertrag für den Gasthof Zur Post hat er noch einmal verlängert.
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Wie geht es weiter mit dem Gasthof Zur Post in Bad Wiessee? Über die Zukunft des gemeindeeigenen Hotels wird sich wohl erst der neue Gemeinderat befassen. Bis dahin bleibt ein wichtiger Mann an Bord.

Bad Wiessee – Vor über 30 Jahren hat die Gemeinde Bad Wiessee den Gasthof Zur Post gekauft. Seitdem ist Kurt Geiß (72) dort Wirt. Und er wird es auch noch eine ganze Weile bleiben: Geiß hat den Pachtvertrag mit der Kommune bis Ende November 2021 verlängert. Eigentlich wäre die Vereinbarung 2020 ausgelaufen. „Aber so hat die Gemeinde mit ihrer neuen Regierung noch Luft“, meint Geiß. Und er selbst hat auch noch viel Lust auf den Beruf: „Das ist es, was mich fit hält.“

Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) ist froh über die Bereitschaft des Wirts, weiter auf dem Posten zu bleiben. Denn so ist die Entscheidung über die Zukunft des Gasthofs erst nach der Kommunalwahl 2020 zu treffen. „Es ist eine gewaltige Entscheidung“, weiß Höß.

Es wird darum gehen, ob die Gemeinde den Gasthof selbst behält oder einen Käufer sucht. Schließlich, so Höß, gehöre der Betrieb eines Gasthofs nicht zu den Kernaufgaben einer Gemeinde. Er wirft für die Kommune auch keinen Gewinn ab. Im Gegenteil. Wie Vize-Bürgermeister Robert Huber zuletzt durchblicken ließ, beläuft sich das Defizit pro Jahr auf 600.000 Euro.

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Dabei ist der Hotel-Gasthof gut frequentiert. Neben einem florierenden Restaurant und Veranstaltungsräumen bietet er 69 Betten. Mit der Auslastung können Geiß und seine Mannschaft – 35 Leute, im Sommer noch ein paar mehr – zufrieden sein. „Sogar im finsteren Halbjahr läuft es gut“, erklärt Geiß. Dabei mache sich nun bemerkbar, dass sowohl das Haus Ursula als auch das Hotel Ritter Geschichte sind. Das Traditionshaus Zur Post wird gebraucht.

Gekauft hatte es die Gemeinde, um ein Bürgerzentrum zu erhalten. Denn dort gibt es den einzigen großen Saal in der Gemeinde. Hier gehen Theaterstücke über die Bühne, Hochzeiten werden gefeiert und große Versammlungen abgehalten. Auch der gemeindliche Lesesaal hat in dem Gebäude Platz, ebenso Kursräume der Volkshochschule.

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Wenn sich Geiß Ende 2021 in den Ruhestand verabschiedet, geht eine Ära zu Ende. Die Konzession muss neu vergeben werden, das gesamte Haus kommt auf den Prüfstand. Der Brandschutz ist dann Thema, eine energetische Sanierung und vielleicht sogar der Verkauf. Eigentlich hätte Höß die Zukunft des Gasthauses 2018 zum Thema einer Klausurtagung machen wollen. Stattgefunden hat sie noch nicht. Somit ist in Sachen Zukunftskonzept weiter alles offen, wie Höß durchblicken lässt: „Die Entscheidung trifft der nächste Gemeinderat.“

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Geiß persönlich wird der Abschied nicht leicht fallen. Er ist seit über 50 Jahren Wirt mit Leib und Seele, arbeitet pro Tag zehn bis zwölf Stunden. 23 Jahre lang hat er übrigens auch den Gasthof Guggemos in Tegernsee als Pächter des Herzoglichen Brauhauses geführt. 2008 musste er dort dichtmachen. Der Brandschutz war das Problem, beziehungsweise der hohe Aufwand, den eine Sanierung verursacht hätte. Der Guggemos, direkt am See gelegen, steht noch immer leer.

jm

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