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Wirte nehmen Abschied von Tölzer Hütte am Schafreuter - Nachfolge unklar

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Für zwölf gute Jahre bedankte sich Paul Schenk (DAV) bei den Wirten Margot Lickert und Michael Bubeck (li.).
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Zum letzten Mal begrüßen die Wirtsleute Margot Lickert und Michael Bubeck Gäste auf der Tölzer Hütte am Schafreuter. Nicht der einzige Einschnitt, der ansteht.

Lenggries – Eine kleine Ära geht auf der Tölzer Hütte am Schafreuter zu Ende: Zum letzten Mal begrüßen heute die Wirtsleute Margot Lickert und Michael Bubeck die Gäste. Nach zwölf Jahren hat das Paar den Pachtvertrag gekündigt, um sich neuen Aufgaben zuzuwenden. Die Suche nach Nachfolgern steht unter erschwerten Bedingungen.

„Altersbedingt“, sagt Michael Bubeck, hätten seine Frau und er beschlossen, den „anstrengenden Job“ an den Nagel zu hängen. „Sechs Monate im Jahr hat man keinen Ruhetag, das zehrt mit der Zeit an der Substanz“, erklärt der 54-Jährige. „Wir haben uns gesagt: Es ist Zeit aufzuhören, solange es noch Spaß macht.“ Er selbst werde in Zukunft hauptamtlich bei der Alpenvereinssektion Schwaben in seiner Heimat Stuttgart Mitglieder beraten, erklärt Bubeck. Weiterarbeiten will auch Margot Lickert (62), wobei bei ihr die Weichen noch nicht gestellt sind.

Dankeschön an Wirte der Tölzer Hütte am Schafreuter unter tosendem Beifall

Bei aller Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt fällt es dem Paar auch schwer, Abschied von ihrem Arbeitsplatz auf 1825 Metern Höhe zu nehmen. „Die Gegend ist wunderschön, es war schon etwas Besonderes, jeden Morgen mit so einem Ausblick aufzuwachen“, sagt Bubeck.

Zum Saisonabschluss auf der Tölzer Hütte zelebrierte Pater Thomas Abrell eine Bergmesse, musikalisch umrahmt von einer Abordnung der Tölzer Stadtkapelle.

Zum Abschluss erlebten die Wirte am Sonntag noch einmal einen Tag mit Hochbetrieb. Der Deutsche Alpenverein (DAV), Sektion Bad Tölz, beging den Saisonabschluss traditionell mit der Bergmesse, zelebriert von Pater Thomas Abrell. Der Geistliche reiste eigens aus Niedersachsen an – so, wie er es seit 2002 jedes Jahr tut. Bei herrlichem Herbstwetter nahmen nach Schätzung des Tölzer AV-Vorsitzenden Paul Schenk 300 bis 400 Menschen an dem Gottesdienst teil. Bei den Wirtsleuten der Tölzer Hütte bedankte sich Schenk im Namen des DAV als Verpächter unter tosendem Beifall mit Blumen und Geschenken.

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Neben dem Wirtewechsel steht der Tölzer Hütte nun ein weiterer Einschnitt bevor: Das 1924 errichtete Haus soll im kommenden Jahr umfassend saniert werden. Baubeginn hätte eigentlich schon diesen Herbst sein sollen, doch laut Schenk gab es Verzögerungen im Planungs- und Genehmigungsverfahren. „Die Hütte ist in die Jahre gekommen“, sagt Schenk. Im Zuge der Arbeiten, die innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein sollen, werden ihm zufolge zum Beispiel auch Brandschutz, Aufenthaltsräume für Mitarbeiter und die Küche auf den Stand der aktuellen Anforderungen gebracht. „Ein Luxusbau wird es nicht.“

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Unter diesen Umständen laufen im Alpenverein gerade Überlegungen, wie man mit der Neuverpachtung umgeht. Es habe zwar schon einige Gespräche mit Interessenten gegeben, erklärt der Vorsitzende. Aber zum Auftakt eine Saison, in der die Hütte geschlossen hat, möchte man dem neuen Pächter eigentlich nicht aufs Auge drücken. „Wir machen uns aktuell Gedanken, ob wir für ein Jahr eine Art Kümmerer einstellen, der die Handwerker mit Essen versorgt und, wenn es geht, ein wenig die Tagesgäste bewirtet“, sagt Schenk. Die Entscheidung darüber werde noch diesen Monat getroffen.

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