VonSilke Schederschließen
Wie sieht die Zukunft der Tölzer Wirtshauskultur aus? Was bewegt die Wirte vor Ort? Das waren die beiden zentralen Fragen bei einer neuen Veranstaltungsreihe der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Bad Tölz am Donnerstag im „Binderbräu“.
Bad Tölz – Der historische Anspruch ist hoch: Früher gab es acht Diskotheken in Bad Tölz. Die Stadt war für ihr Bier bekannt, bis zu 500 000 Liter davon transportierten die Flößer in Spitzenzeiten isarabwärts nach München. Und heute? „Die Stadt ist zum Teil tot“, urteilt Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands.
Poschenrieder war eine von drei Experten, die die Freien Wählergemeinschaft (FWG) Bad Tölz am Donnerstag ins Tölzer „Binderbräu“ eingeladen hatte. Unter der Moderation von Journalistin Sandra Freudenberg wollten Bürgermeister-Kandidat Michael Lindmair, Stadtratsanwärter und andere Interessierte bei einem Mittagessen zwanglos miteinander ins Gespräch kommen, aber auch Experten zu Wort kommen lassen. „5 vor 12“ heißt dieses neue Konzept. Beim Auftaktthema „Tölzer Wirtshauskultur“ scheint es aber eher 5 nach 12 zu sein.
Pacht in der Marktstraße hat sich zum Teil verdoppelt
Wie berichtet schließt ein Lokal in der Innenstadt nach dem anderen. Grob geschätzt 20 Betriebe in der Kurstadt und Umgebung haben Poschenrieder zufolge in den vergangenen Jahren zugemacht. Jüngstes Beispiel: Endes Dezember schließt das „ViCulinaris“. Bürokratie, Mindestlohn, Fremdenverkehrsabgabe und die hohe Mehrwertsteuer von 19 Prozent: Die Gründe für das Wirtshaussterben sind vielfältig. Die Marktstraße leide zudem unter den hohen Pachten. Poschenrieder zufolge haben sich diese zum Teil verdoppelt. „Die gastronomischen Betriebe haben so viele Auflagen, Verpflichtungen und Kosten, dass es sich kaum noch lohnt.“
Ingrid Dietl monierte, dass ein klassisches, stylishes Wirtshaus als Anziehungspunkt in der Marktstraße fehle. Ein frisch gezapftes Bier reicht laut der Sprecherin vom Unternehmerverein „Wir für Tölz!“ in der Sparte Tourismus nicht mehr. „Die Gäste möchten begeistert werden.“ Spezielle Konzepte mit Ecken, Kanten und Leidenschaft seien gefragt. Das „Jailhouse“ sei ein gutes Beispiel dafür. Und auch der „Binderbräu“.
Wirte müssen sich einiges einfallen lassen
Dessen Wirt Andreas Binder bestätigte: „Man muss sich vieles einfallen lassen, um Gäste anzulocken.“ Er selbst hat sein Gasthaus mit einer Brauerei verknüpft, bald soll ein Volkskundemuseum folgen. Es läuft gut. Binder würde sich aber zum Beispiel eine bessere Beschilderung wünschen: Während die noch verbliebenen Gaststätten in der Nähe des Christkindlmarkts voll seien, wüsste kaum jemand, dass man auch im Badeteil essen könne. Stadträtin Ulrike Bomhard regte an, auch ein paar Buden auf den Vichy-Platz zu stellen. „Das haben wir schon mal versucht“, antwortete Poschenrieder. Das habe aber nicht gut funktioniert. Bomhard konterte: „Vielleicht ist man das zu zögerlich angegangen.“ Vielleicht. Poschenrieder wünscht sich unterm Strich ebenfalls mehr „kreative Konzepte und Mut“ von der Stadt.
Michael Lindmair hätte schon eine mutige Idee, sollte er im März zum Bürgermeister gewählt werden. An lauen Sommerabenden sollen die Gäste auch mal bis 23.30 Uhr draußen sitzen dürfen. Stadtratskandidat Tobias Fuhrmann regte ein Floß mit Biergarten direkt auf der Isar an.
Nächste Veranstaltung
Die nächste Veranstaltung dieser Art findet am Donnerstag, 9. Januar, um „5 vor 12“ im „Binderbräu“ statt. Das Thema steht noch nicht fest. Ab Januar will sich die FWG alle 14 Tage zum Mittagessen treffen.
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