„Wirtshaussterben ist akut“

Nach Aus für Aiblinger Steakhouse: Müssen noch mehr Gastronomen in der Region aufgeben?

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Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Bayern, spricht über „das Wirtshaussterben“.
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Dass „Jules Steakhouse“ nach nur einem Jahr dichtmachen muss, hat viele Kunden in und um Bad Aibling geschockt. Doch die massiven Umsatz-Einbrüche treffen auch viele andere Betriebe. Dehoga-Bayern-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert äußert sich über „ganz bittere Monate“ – und seine Hoffnungen.

Bad Aibling/Landkreis Rosenheim – Die Nachricht, dass „Jules Steakhouse“ mit sofortiger Wirkung seinen Betrieb einstellen muss, verbreitete sich in Bad Aibling rasant. Besonders dramatisch: Das Restaurant von Julius Fischer hatte erst vergangenes Jahr in bester Kurstadt-Lage eröffnet und dabei über weite Strecken von einem großen Gäste-Andrang profitiert. „Seit April ist der Umsatz dann aber plötzlich um 75 Prozent eingebrochen“, bestätigte Fischer das Aus vor wenigen Tagen gegenüber dem OVB. Aufgrund des massiven Absturzes durch ausbleibende Gästeeinnahmen sah man sich gezwungen, den Betrieb einzustellen und Insolvenz anzumelden. Doch was könnten generell die Gründe für vergleichbare Fälle sein und ist die Aiblinger Gastro-Schließung womöglich nur ein Beispiel von vielen?

Tatsächlich zeigen Auswertungen des Statistischen Bundesamtes, dass das Gastgewerbe in Deutschland im Mai 2025 kalender- und saisonbereinigt deutlich weniger (real 4,6 Prozent und nominal (nicht preisbereinigt) 2,2 Prozent) umgesetzt hat als noch im Vormonat. Auch im Vergleich zum Mai 2024 sank der Umsatz. „Das tut im Herzen weh, wenn eine Gastronomie schließt“, sagt Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Bayern, auf OVB-Anfrage. Zumal gastronomische Betriebe maßgeblich zur Lebensqualität in einer Kommune beitragen und sogar den Wohnungsmarkt sowie Firmenansiedlungen beeinflussen könnten.

„Ganz bittere Monate“

Warum es in der Branche genau im April und Mai zu einem solch starken Umsatz-Einbruch gekommen war, könne man nicht pauschal beantworten, erklärt Geppert. Hier würden immer verschiedene Faktoren zusammenspielen. „Wir hatten jetzt zum Beispiel einen sehr verregneten Juli, worunter die Außengastronomie sehr stark leiden musste und dadurch bleiben einfach Gäste aus.“ Generell müssten die Gastronomen mit großen saisonalen Unterschieden zurechtkommen. „Ganz bitter sind etwa die Monate Januar, Februar und März, weil hier oft kaum Betrieb ist und die Gastronomen trotzdem hohe Fixkosten haben“, so der Dehoga-Landesgeschäftsführer.

Die Umsatzzahlen sind zuletzt nach unten gegangen.

Das Dauerthema seien laut Geppert die hohen Personalkosten und die „Bruttolohnspirale“, also ein sich gegenseitig verstärkender Kreislauf von Lohnerhöhungen und Preiserhöhungen. „Deshalb kämpfen wir dafür, dass den Mitarbeitern am Ende mehr Netto vom Brutto bleibt.“ Nur so könnten sich die Menschen auch mehr leisten und Preissteigerungen, auch in der Gastronomie, besser verkraften.

„Das Wirtshaussterben ist akut“

Klar ist laut Geppert: Die Lage ist ernst, „das Wirtshaussterben ist akut“. Laut Zahlen des Landesamtes für Statistik gab es 2024 bayernweit 4955 „vollständige Aufgaben“, denen jedoch auch 4437 „Neugründungen“ gegenüberstünden. Laut Geppert sehe man einen enormen Stadt/Land- Unterschied, wobei die Statistik keine Auskunft zur Struktur der Betriebe verrate. „Wir verlieren klassische auch bayerische Wirtshäuser und es kommen ‚Inder/Chinesen/Imbisse oder Systemgastronomen nach.“ Für den Landkreis Rosenheim ergaben die Zahlen, dass man 2024 abzüglich der Neueröffnungen 56 Betriebe verloren hat, was durchaus bedenklich sei.

Dennoch erwartet Geppert nun keine Flut an Schließungen in den kommenden Monaten für die Region. „Schließlich gibt es auch Hoffnung.“ Zum einen könnten die Sommerferien, der Tourismus und möglichst gutes Wetter für bessere Aussichten sorgen. „Zum anderen heißt es jetzt für die Gastronomen, durchhalten bis zur Mehrwertsteuersenkung.“  2026 soll die Mehrwertsteuer in der Gastronomie auf einheitlich sieben Prozent sinken. „Das muss auch dringen kommen“, betont Geppert. Schließlich herrsche in der Branche derzeit eine gewisse Verunsicherung durch die Politik, wie der Experte weiß.

Ob die Mehrwertsteuer-Senkung dann auch zur Senkung des Preisniveaus auf den Speisekarten führt, müsse jedoch jeder Betrieb selbst entscheiden. Zum Thema „Verwendung der freiwerdenden Mittel durch eine Mehrwertsteuersenkung“ hatte im Dezember 2024 eine Umfrage, bei der fast 4000 gastronomische Betriebe mitmachten, ergeben, dass 34,5 Prozent eine Senkung des Preisniveaus anstreben. Die Intention der Regierung „Entlastung und Stärkung der Betriebe und auch Gäste“ werde damit voll erfüllt, sagt Geppert. Natürlich würden aber viele Gastronomen dadurch auch in Modernisierung des Betriebs, Abbau von Krediten oder Personal investieren. „Aber auch das kommt ja letztlich allen zugute“, sagt Geppert.

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