VonCarl-Christian Eickschließen
Der Parkhaus-Investor hat die besseren Karten. Nachdem der Bauausschuss den Bauantrag für das Parkhaus am Hatzplatz abgelehnt hat, droht der Stadt eine Schadensersatzforderung.
Wolfratshausen – Der Entwurf für das auf dem Hatzplatz geplante Parkhaus stieß im Bauausschuss auf wenig Gegenliebe. Hatte der Ausschuss seine Entscheidung zum Bauantrag des Investors im Mai vertagt, weil sich das Gremium bei der Fassadengestaltung übergangen sah, hieß es jetzt einstimmig Nein. De jure, weil eine Baugrenze im Einfahrtsbereich sowie zwei Wandhöhen überschritten werden sollten. De facto aber, da die Dimension des Parkhauses, das 156 Autos Platz bieten soll, den Räten mit Blick auf die Silhouette der Altstadt als zu groß erscheint. Ihr Wunsch: Eine Abstufung in der Höhenentwicklung des Gebäudes.
Ob der Investor, die Parkhaus Wolfratshausen (PaWo) GmbH in Bad Tölz, der Kommune entgegenkommt, wird sich in der nächsten Woche in einem Gespräch mit Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) klären. An dem Treffen wollen auch die vier Fraktionssprecher teilnehmen. Siegfried Adlwarth, Geschäftsführer der PaWo, bat am Freitag auf Nachfrage unserer Zeitung um Verständnis dafür, dass er sich vor dem Gespräch nicht zur Causa Hatzplatz äußern möchte.
Die besseren Karten im Parkhaus-Poker hat Adlwarth auf der Hand. Der Entwurf entspricht dem rechtsgültigen Bebauungsplan für den Hatzplatz. Darauf hatten Rathauschef Heilinglechner und Bauamtsleiterin Susanne Leonhard in der Ausschusssitzung am Mittwochabend mehrfach hingewiesen. Die PaWo könnte das Nein der Flößerstadt nun zur Kenntnis nehmen – und den Bauantrag direkt beim Landratsamt einreichen. Die Kreisbehörde hat die Möglichkeit, das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zu ersetzen, das heißt, den Bauantrag zu genehmigen. Dann könnte die GmbH ihren Plan am Hatzplatz eins zu eins in die Tat umsetzen.
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Die PaWo hat auch die Option, es bei dem abgelehnten Bauantrag zu belassen, sprich das Projekt nicht weiterzuverfolgen. Von der Kommune könnte sie in diesem Fall Schadensersatz verlangen, da das Parkhausgebäude wie gesagt dem Bebauungsplan entspricht. Der Erbpachtvertrag, den die Stadt mit der PaWo bereits vor Wochen geschlossen hatte, „müsste auch aufgehoben werden“, erklärte Rathauschef Heilinglechner im Bauausschuss. Er schenkte dem Gremium reinen Wein ein: „Wir drehen seit Jahren große Runden, wenn wir jetzt wieder alles auf Null stellen, sind wir schadensersatzpflichtig.“
Heilinglechner und die Fraktionschefs hoffen, dass in dem Gespräch mit Adlwarth eine Kompromisslösung gefunden wird. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) setzt auf „ein Geben und Nehmen“. Er kann sich vorstellen, dass die Kommune bei einer tolerierbaren Auslegung des Bebauungsplans ein Auge zudrückt – wenn die PaWo der Stadt in puncto Gebäudegestaltung entgegenkommt. „Das Baurecht sticht: Wir sind dem Wohlwollen des Investors ausgeliefert“, bilanzierte CSU-Fraktionschef Günther Eibl am Donnerstag bei einer Diskussionsveranstaltung seiner Partei im Wirtshaus Flößerei.
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