VonCarl-Christian Eickschließen
Am Wolfratshauser Hatzplatz soll ein Parkhaus entstehen. Mit dem vorgelegten Entwurf war der Bauausschuss allerdings gar nicht zufrieden. Es fielen harte Worte.
Wolfratshausen – „Ein Klotz“, ein „großer Schuhkarton“, Ähnlichkeit „mit dem Sarkophag von Tschernobyl“: Der Bauausschuss ist mit dem Entwurf für das Parkhaus auf dem Hatzplatz nicht einverstanden. Die vom Bauherrn beantragte Überschreitung der Baugrenzen lehnte das Gremium am Mittwoch einstimmig ab. Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) wurde beauftragt, ein Gespräch mit dem Investor, der Parkhaus Wolfratshausen (PaWo) GmbH, zu führen.
Scharfe Kritik kam von Grünen-Sprecher Dr. Hans Schmidt. Er hatte einen Blick in den Erbpachtvertrag geworfen, den die Kommune mit der PaWo in Bad Tölz geschlossen hat. Im Vertrag sei vereinbart, so Schmidt, dass die GmbH der Stadt drei Fassadenvarianten präsentieren müsse, die mit der Städtebauförderung abgestimmt seien. Dies sei nicht geschehen. Darüber hinaus sei festgelegt, dass „die exponierte Lage des Grundstücks am Rande der Altstadt mit zahlreichen denkmalgeschützten Gebäuden und Fassaden, in unmittelbarer Nähe zur Loisach, zur Feuerwehr und zur Wohnbebauung einen sensiblen Umgang hinsichtlich des Immissionsschutzes, des städtebaulichen Einfügens und des Denkmalschutzes erforderlich machen“.
Angesichts der Dimension des geplanten Gebäudes konnte Schmidt keine Sensibilität bei der Projektierung erkennen. Er stellte das bereits 2012 beschlossene und seither fortwährend diskutierte Vorhaben grundsätzlich in Frage: „In Zeiten des Klimawandels ist ein solches Parkhaus wie aus der Zeit gefallen.“ Da auch die Städtebauförderung kein Freund von einem Parkhaus im Herzen der Altstadt sei (wir berichteten), „sollten wir das auch ablehnen“.
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„Der Bauwerber hat sich an den rechtsverbindlichen Bebauungsplan gehalten“, betonten Rathauschef Heilinglechner und Bauamtsleiterin Susanne Leonhard unisono. Sollte die Kommune Nein zu dem Bauantrag der PaWo sagen, könnte sich der Bauherr direkt an die Kreisbehörde in Bad Tölz wenden. Das Landratsamt habe die Möglichkeit, das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zu ersetzen, das heißt, den Bauantrag zu genehmigen. Und: „Wir machen uns schadensersatzpflichtig“, warnte der Rathauschef.
Der Parkhausentwurf erinnere ihn „an das, was Trump an der Grenze zu Mexiko bauen will“, meinte Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). Das Ganze sei „ein Klotz“, ein „großer Schuhkarton“. CSU-Fraktionschef Günther Eibl verglich das geplante Bauwerk mit dem „Sarkophag von Tschernobyl“. Er verwies auf die großen Bedenken in der Bürgerschaft, denen man Rechnung tragen müsse. Dass das Tölzer Landratsamt die Loisachstadt überstimme, nehme er in Kauf. Eibl: „Ich bin gespannt, ob die sich trauen, so einen Bunker hier bei uns zu bauen.“
Dr. Ulrike Krischke (BVW) wies auf die Folgen hin, sollte sich der Parkhausbau weiter verzögern. Dadurch würde auch die geplante Neugestaltung des westlichen Loisachufers „deutlich“ länger auf Eis liegen. Wie berichtet fallen durch die Neugestaltung des Ufers auf der Rathausseite einige Dutzend Pkw-Stellplätze weg – die durch das Parkhaus auf dem Hatzplatz kompensiert werden sollen.
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SPD-Rätin Gerlinde Berchtold plädierte dafür, „jetzt zurückzutreten“. Schon beim Brandbrief der Feuerwehr – Kommandant Andreas Spohn fürchtet durch das Parkhaus in unmittelbarer Nähe des Gerätehauses zusätzliche Verkehrsprobleme für die Rettungskräfte – „hätten alle Alarmglocken läuten müssen“, so Berchtold. Sie warb dafür, sich auf einen ebenerdigen Parkplatz zu beschränken. Einen solchen hatte vor einigen Jahren ihr Parteifreund Hans Gärtner skizziert – und durch Neuaufteilung des Hatzplatzes aus rund 100 bestehenden gut 140 Parkplätze gemacht.
Der Bauausschuss griff nach mehr als einstündiger Diskussion schließlich einen Vorschlag von Richard Kugler (parteifrei für die CSU) und BVW-Fraktionschef Josef Praller auf. Vereinfacht formuliert: Der Investor soll seine Pläne abspecken, sodass die Gebäude-Silhouette sich ins Bild der Altstadt einfügt. Dass damit eine signifikante Reduzierung der Stellplätze – die PaWo plant 156 Stück – einhergeht, ist dem Gremium wohlbewusst.
Formal lehnte der Ausschuss den Bauantrag aufgrund beabsichtigter Überschreitungen der Baugrenzen einstimmig ab. Bürgermeister Heilinglechner wurde beauftragt, ein Gespräch mit der PaWo zu führen, an dem die Fraktionssprecher teilnehmen wollen. Dabei soll eine Kompromisslösung gefunden werden. Der Prozess müsse „ein Geben und Nehmen“ sein, so Schnaller.
cce
