Die neue Staffel „Hubert ohne Staller“ soll im Herbst ausgestrahlt werden. Die Dreharbeiten dafür finden in und um Wolfratshausen statt. Wir durften das Set besuchen.
Geretsried/Wolfratshausen – „Zur Ruhe kommen! Wir drehen.“ Die Ansage von Verena Boy zeigt Wirkung. Die Gespräche am Set verstummen. Verena Boy ist Set-Aufnahmeleiterin beim Dreh von „Hubert ohne Staller“. Michael Brandner als Ermittler Reimund Girwidz und Susu Padotzke als Pathologin nehmen ihre erhöhte Position in einer Scheune ein. Diesmal dient ein Hof in Gelting als Drehort.
In den Minuten zuvor herrscht reges Treiben zwischen den Heuballen. Techniker und Dekorateure huschen durch die Kulisse, positionieren Kameras, Scheinwerfer und anderes Equipment. „Normalerweise geht der Setaufbau relativ schnell“, erklärt Produktionsleiter Johannes Röck. Gerade in Wolfratshauser Wohnungen oder Geschäften, in denen die Serie spielt, „versuchen wir die Örtlichkeiten so weit, es geht, so zu lassen, wie sie sind“. Klar: Immer geht das nicht. „Wenn wir einen Single-Haushalt für den Dreh brauchen und in der Wohnung hängen Familienbilder, müssen wir die mal abnehmen. Aber wir reisen nicht Wochen vorher an, um zu streichen und den Boden auszutauschen.“ Die Kulissen sollen authentisch sein – wie die ganze Serie.
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Kulissen sollen authentisch sein
Dann wird Johannes Röck leise, die Schauspieler sind auf Position. Der Produktionschef setzt sich zu einer Handvoll Mitarbeiter, die unter einem Pavillon gebannt auf einen Bildschirm gucken. Hier sehen sie – abseits der Kameras und der Filmbeleuchtung –, wie das gerade gedrehte Bild später im Fernsehen aussehen würde.
„Setprobe“ nennt sich das. Röck erklärt später, dass hier die letzten Änderungen vorgenommen werden. „Da geht es um Details“, sagt er. Auf dem Bildschirm sehen die Set-Mitarbeiter, dass das Gesicht von Michael Brandner nicht so zentral im Bild ist, wie es sein soll. Seine Markierung wird um wenige Zentimeter verschoben. „Für die Schauspieler ist das eine Herausforderung“, sagt Röck. Sie müssen nicht nur Mimik, Gestik und Text zu jeder Zeit parat haben – auch ihre Stellung in der Szene wird auf engstem Raum genau geplant.
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Die berühmte Filmklappe geht bei der Szene – handgestoppt dauert sie acht Sekunden – bloß zweimal runter. Zwei Takes. Dann ist alles im Kasten, was die Produzenten sehen wollten. Brandner und Padotzke standen genau dort, wo sie stehen sollten zwischen dem Heu. Das Pferdewiehern im Hintergrund gehört zwar nicht zur Produktion, passt aber gut in den Rahmen der Folge, die auf dem Geltinger Hof gedreht wird.
Für Michael Brandner ist die genaue Markierung und die strikte Anweisung kein Problem. Der gebürtige Augsburger schauspielert seit 35 Jahren, ist quasi ein alter Hase im Geschäft. Vor fünf Jahren spielte er unter der Regie von Hollywood-Star George Clooney im Film „Monuments Men“, und tauchte in dem mit einem Oscar nominierten Nazi-Spielfilm „Der Untergang“ auf.
Dreh zehrt an den Kräften
„Bild 13 ist für heute durch“, ruft eine Mitarbeiterin aus der Scheune. Für die Schauspieler heißt das: Pause. Lange dauert die zwar im Normalfall nicht, aber es bleibt genügend Zeit sich kurz auf einen Klappstuhl zu setzen, der mit seinen namentlich beschrifteten Rückenlehnen und den etwas hohen Füßen ganz genau so aussieht, wie man sich einen Regiestuhl vorstellt. Brandner nimmt Platz. „Es ist schön, dass ich in den neuen Staffeln öfter mit raus komme und andere Drehorte erlebe“, sagt der 67-Jährige.
Als die ARD-Serie noch „Hubert und Staller“ hieß und Hauptdarsteller Christian Tramitz an der Seite von Schauspielkollege Helmfried von Lüttichau ermittelte, mimte Brandner den Bürohengsten Polizeirat Reimund Girwidz. Nach von Lüttichaus Abgang wurde der Leiter der Polizeidienststelle kurzerhand degradiert. Nun ist er Partner von Franz Hubert, Brandner dreht häufiger Einsatzszenen. Schön ist das zwar, „aber es ist körperlich für uns Schauspieler schon herausfordernd“. Für den Dreh einer Folge hat die Filmcrew nicht viel Zeit. Jede Episode dauert 48 Minuten. Im Schnitt werden pro Drehtag sechs bis acht Serienminuten produziert. Das klingt für den Laien nicht unbedingt nach einem kräftezehrenden Pensum. „Aber das ist viel“, weiß der erfahrene Brandner. Man glaubt es ihm, wenn man gesehen hat, wie viel Aufwand notwendig war, um die wenige Sekunden dauernde Sequenz perfekt in den Kasten zu kriegen.
Ein Gespräch mit der „Leiche“
In der eben gedrehten Szene finden der Ermittler Girwidz und die Pathologin Dr. Caroline Fuchs, gespielt von Susu Padotzke, eine Leiche. Für die 42-Jährige sind diese Szenen oftmals eine Probe für den Magen. „In manchen Folgen liegen die Leichen total übel zugerichtet auf meinem Tisch in der Pathologie“, sagt sie. Offene Wunden, Theaterblut, fiese Schrammen im Gesicht: Was der Schauspielerin privat ein Graus ist, muss sie als Pathologin nüchtern und ohne Gefühlsregung hinnehmen. „Ich sehe die Leichen meistens erst, wenn der Dreh losgeht. Da bleibt nicht viel Zeit, mich darauf einzustellen.“
Einen Vorteil gegenüber den „echten“ Pathologen hat die Schauspielerin: „Ich kann mich, bevor es losgeht, mit den Leichen unterhalten.“ Dann fragt Padotzke die Toten, wie es ihnen geht – und ist beruhigt, wenn sie Antworten bekommt. Es müssen absurde Szenen sein, die sich in der Filmpathologie abspielen. Das merkt Padotzke auch, während sie davon erzählt und lacht.
Lachen ist etwas, was man oft am Set hört, den oft zitierten „rauen Ton“ des Filmbusiness hingegen deutlich seltener. „Es läuft hier alles ziemlich familiär ab“, sagt Brandner auf seinem Regiestuhl sitzend. „Man kennt sich ja schon lange.“ Das betont auch Christian Tramitz, der den misantrophischen Ermittler Franz Hubert mimt, im Interview mit unserer Zeitung am Set (siehe unten).
Eine Mitarbeiterin ruft die Teilnehmer zum Mittagessen, und unser Besuch am Set endet. Die 30 Mitarbeiter des Produktionstages – Ton, Regie, Setdesigner, Darsteller, Produktionsleiter – sitzen in der Sonne auf der Pferdekoppel zusammen. Dass es sich bei der Gruppe um die millionenfach angesehenen Fernseh-Cops handelt, erkennt man nur an dem blauen Filmmobil-Wagen mit der roten Aufschrift. Und daran, dass zwei Mitarbeiter auf dem Hof daneben schon die Kameras für die nächste Szene in Stellung bringen.
Sendetermin
Die in Gelting gedrehten Szenen werden in der neuen Staffel von „Hubert ohne Staller“ zu sehen sein. Die Folgen werden voraussichtlich im Herbst in der ARD ausgestrahlt.
Dominik Stallein